Freitag, 27. August 2010: Straßenweltmeisterschaft in St. Johann/Tirol um den Großen Preis der Raiffeisen-Landesbank Tirol AG, 40 km

Der Sommer ist vorbei, es regnet in Strömen. Tiefe Wolken, Dauerregen. In der Klasse 70 finden sich dennoch 68 Teilnehmer im Startraum ein, darunter die favorisierten Franzosen. Von der UGB-Renngemeinschaft ist Hans Unterguggenberger mit dabei, der sich in ganz großer Form befindet. Er will das Mißgeschick vom Zeitfahren, als er vom UCI-Delegierten um die Aufwärmphase gebracht wurde, vergessen machen.

Das Rennen beginnt dann auch genauso, wie er es befürchtet hatte. Mit ständigen Attacken des Franzosen Jacques Gestraud, der schon in Deutschlandsberg die Gesamtwertung gewonnen hatte, der hier in St.Johann/Tirol sowohl Weltpokalstraßenrennen als auch Wilder-Kaiser-Bergpokal für sich entschieden hat und auch heute der ganz, ganz große Favorit ist. Mit einem Höllentempo wird die Huberhöhe überquert, der erste Anstieg des Rennens, 2,5 km lang. Niemand kann mithalten, der Franzose stürmt als Erster über die Anhöhe, der Hans fährt bei den Verfolgern an vorderster Front und meint nachher noch, daß er noch nie so schnell auf die Huberhöhe gefahren sei!

In der Folge ändert sich nicht viel am Rennverlauf, die Verfolger kommen wieder heran, der Franzose attackiert erneut, fährt dann knapp vor der Verfolgergruppe, die aber sichtlich resigniert. Der Hans rackert und arbeitet und schuftet, stößt mit seinem Arbeitseifer aber nicht unbedingt auf Gegenliebe. Niemand investiert sich in eine Aufholjagd und überläßt sozusagen dem Franzosen die alleinige Bühne. Hans faßt sich im Finale ein Herz und versucht einen Solovorstoß, der kommt auch von den Verfolgern weg, bleibt aber in der Mitte zwischen Spitze und Verfolgergruppe hängen, wird dann 2 km vor dem Ziel leider wieder eingeholt.

Spannendes Finale: die gefährliche Kurve bei der 1000-m-Marke, wo es auf die Hauptstraße geht, fordert auch diesmal wieder Opfer. Ein Fahrer stellt sein Rad quer, fährt dem Hans direkt übers Vorderrad. Der kann einen Sturz vermeiden und mit viel Glück, Geschick und Können aussteuern, als dann einer von hinten in ihn reinkracht. Die Nummer 75, das sei hier auch erwähnt, Michel Aubree (Frankreich), bringt den Hans zu Fall. Der Traum von einer Medaille ist vorbei.

Hans springt zwar sofort wieder in den Sattel und fährt auch den restlichen Kilometer ins Ziel, aber in dem Moment überwiegt natürlich die Enttäuschung und der Frust über die verpaßte Chance. Die Goldmedaille wäre heute durchaus im realistischen Bereich gelegen, daß die Franzosen zu schlagen sind und auch nur mit Wasser kochen, bewies dann der Italiener Nicolo Mu. In der 4-Mann-Spitze waren die beiden Franzosen Gestraud und Eve sowie der Brite Woodcock und der Italiener Mu vertreten.

Und im Sprint setzte sich der Italiener vor Gestraud und Eve durch. Den sieggewohnten Franzosen blieben somit „nur“ Silber und Bronze. 18 Sekunden dahinter sprintete das Feld um einen fünften Rang, den sich der Niederländer Gerrit Hairwassers sicherte. 17 Mann war diese Verfolgergruppe stark, Hans landete schließlich mit 41 Sekunden Rückstand an der 22. Stelle. Nicht schlecht, aber mit seiner Form wäre ohne den Sturz im Finale sehr, sehr viel mehr möglich gewesen.

Straßenweltmeisterschaft 40 km: 1. Nicolo Mu (Italien) 1:04:12 (Siegerschnitt 37,38 km/h), – 2. Jacques Gestraud (Frankreich), – 3. Marcel Eve (Frankreich), – 4. Tony Woodcock (Großbvritrannien), alle gleiche Zeit, – 5. Gerrit Hairwassers (Niederlande) 18 Sekunden zurück, – 6. Gerhard Rozanowske (BRD), – 7. Joop Boerema (Niederlande), – 8. Felipe Manuel Gimenez (Spanien), – 9. Henno Leder (BRD), – 10. Ramon Verdaguer (Spanien), alle gleiche Zeit, – die Österreicher: 19. Siegfried Rothauer (RC Union Wilhelmsburg) -0:18, – 22. Hans Unterguggenberger (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -0:41, – 34. Herbert Lackner (RC UNION Sparkasse Langenlois) -6:58

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.