Samstag, 21. August 2010: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche, Einzelzeitfahren in Stainz, zugleich Steirische Landesmeisterschaft, 19,4 km

Streckenprofil des Zeitfahrens

Mit dem traditionellen Einzelzeitfahren in Stainz über 19,4 km wurde die Deutschlandsberger Weltradsportwoche abgeschlossen. Wie jedes Jahr, so waren auch heuer bei diesem Bewerb die höchsten Starterzahlen zu verzeichnen, zumal der Bewerb gleichzeitig auch als Steirische Landesmeisterschaft gewertet wurde.

Ziemlich verschieden waren die Erwartungen der beiden Starter der UGB-Renngemeinschaft, Hans Unterguggenberger und Robert Bartonek. Während ersterer nach dem gestrigen Sieg nun noch einmal voll motiviert ein Spitzenresultat rausholen wollte, war der andere nur bestrebt, die Nachwirkungen seiner Grippe so gut als möglich zu überwinden.

Mit der Startnummer 827 ging Hans Unterguggenberger als vorletzter Starter seiner Altersklasse ins Rennen, hinter ihm nur mehr der französische Sieganwärter Jacques Gestraud, vor ihm Hermann Schapek und Max Wentz. Gestartet wurde im Halbminuten-Intervall.

Die Gesamtwertung der Radsportwoche (von links): Sigi Rothauer (3.), Wilhelm Pauli (1.), Jacques Gestraud (2.)

Bei heißem, sommerlichem Wetter und beinahe idealen Windverhältnissen (fast Windstille) fuhr Unterguggenberger ein tolles Rennen, holte Schapek schon nach 3 km ein, ehe er vom Franzosen aufgefahren wurde. Die Taktik war, daß er sich von diesem bis ins Ziel ziehen lassen wollte (mit dem erforderlichen Abstand selbstverständlich), um so eine optimale Fahrtzeit zu erzielen. Leider bemerkte der Hans viel zu spät, daß sich der Franzose totgefahren hatte und keinen Druck mehr aufs Pedal brachte. Unmittelbar vor dem Ziel fuhr Hans wieder an ihm vorbei, doch da war es schon zu spät. Kurz vor dem Ziel holte Hans dann auch noch den eine Minute vor ihm gestarteten Bundesdeutschen Max Wentz ein.

Der Sieg ging an den ehemaligen Weltmeister Anton Gierer aus Niederösterreich, der in 26:19 (Schnitt 43,3 km/h) knapp mit 7 Sekunden vor dem Franzosen Jacques Gestraud triumphiert, Hans Unterguggenberger verlor in 26:55 klare 36 Sekunden, hat aber durch sein Mißgeschick, den Schwächeanfall des Franzosen nicht rechtzeitig erkannt zu haben, wahrscheinlich den zweiten Platz verschenkt.

Die Podiumsplatzierten des Zeitfahrens (von links): Hans Unterguggenberger, Anton Gierer, Jacques Gestraud

Mit diesem Zeitfahren wurde auch die Gesamtwertung der Radsportwoche entschieden. Der Sieg ging an Wilhelm Pauli (BRD), der mit 65 Punkten vor Jacques Gestraud (Frankreich, 61 Punkte) triumphierte, an der dritten Stelle konnte sich Sigi Rothauer vulgo „Rühbapp“ mit 46 Punkten als bester Österreicher klassieren. Für Hans Unterguggenberger reichgte es mit 42 Punkten nur zum 6. Rang. Enttäuschend, wenn man sieht, wie eng die Athleten da beisammen waren: Liebert 44 Punkte, Nesselhauf 42 Punkte. Man kann durchaus sagen, daß der Hans im Kriterium und im ersten Straßenrennen, also an den beiden ersten Tagen, den dritten Gesamtplatz verspielt hat.

Robert Bartonek hatte in der Masterklasse 4 dagegen nichts zu lachen. 24 starke Spezialisten wurden in seiner Kategorie klassiert. Bartonek hatte mit der Startnummer 420 vor sich Josef Handler und Otto Schebath, beide normalerweise durchaus Fahrer, die zu schlagen sind. Hinter ihm sind der Bundesdeutsche Marco Grossegger und der slowenische Weltklasse-Zeitfahrer Milos Brecelj ins Rennen gegangen.

Vom Start weg waren die beiden vor ihm Gestarteten jedoch schneller, sodaß sich der Abstand vergrößerte. Und knapp vor der Wende kamen dann auch Grossegger und Brecelj am Grazer vorbei. Wobei auffiel daß der Bundesdeutsche direkt am Hinterrad von Brecelj fuhr, was ja strikte verboten ist. Über weite Strecken des Rennens kam Grossegger so in den Genuß des Windschattens. Erst unmittelbar vor der Wende mußte er reißen lassen, weil dort ja auch Streckenposten stehen, die diese Regelwidrigkeit sofort erkannt hätten. Auch der Neuseeländer Raymond Dunstean, eineinhalb Minuten hinter Bartonek und eine Minute hinter Grossegger gestartet, war bald an die beiden herangefahren, und hinter ihm fuhr Grossegger im Windschatten den Rest des Rennens. Sein 14. Rang und seine Fahretzeit von 26:59 müssen somit sehr mit Vorsicht zur Kenntnis genommen werden, zumal Bartonek über weite Strecken des Rennens den Abstand zu ihm konstant halten konnte, nur wenn Grossegger am Hinterrad gefahren ist, war er schneller.

Und bei der 1000-m-Marke ist dann auch noch der Gesamtsieger dieser Radsportwoche an Bartonek vorbeigefahren, der Weißrusse Dimitri Buben, im Zeitfahren auch einer der Weltbesten. Mit 23:46 und einem Schnitt von 48,0 km/h hat er diesen Bewerb auch klar gewonnen, 21 Sekunden vor Brecelj und 44 Sekunden vor Dunstean. Die absaolut Schnellsten des Rennens waren also unmittelbar hinter Bartonek gestartet, in 27:59 belegte er nur den 23. Rang. Die Krankheit machte ihm einen ganz dicken Strich durch seine Rechnung, ab Puls 160 aufwärts war ihm nichts möglich, die Atmung blockiert, ein abrupter Leistungsabfall war die Folge. Aber ein Hoffnungsschimmer: er konnte wenigstens mit einer gleichmäßigen Fahrt aufwarten, ist nicht eingebrochen, der allgemeine Gesundheitszustand wieder einen kleinen Deut besser geworden, somit Hoffnung für den morgigen Marathon.

Ergebnis des Zeitfahrens (von links): Dunstean (Neuseeland, 3.), Buben (Weißrußland, 1.und auch Gesamtsieger), Brecelj (Slowenien, 2.)

In der Gesamtwertung feierte Dimitri Buben (Weißrußland) mit 78 Punkten einen klaren, souveränen und ungefährdeten Sieg. Er verwies den Ukrainer Andrej Mozzhukhin (47 Punkte) sowie den Deutschen Marco Grossegger (40 Punkte) auf die Plätze. Robert Bartonek belegte mit 0 Punkten als drittbester Österreicher noch den sehr guten 10. Gesamtrang.

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