Schwerer Sturz von Josef Schalk in Bad Gams

Freitag, 20. August 2010: Schwerer Sturz von Josef Schalk in Bad Gams

Ein Bild aus besseren Tagen. Quizfrage: wer ist der Pepi??? Man achte auf das Begleitauto dahinter und kann sich dann ungefähr das Jahr vorstellen, in dem dieses Foto geschossen wurde! Pepi, damals waren dunkle Socken noch GEGEN die Wettkampfregeln…

Auf dem Programm steht das Straßenrennen in Bad Gams. In der Kategorie 6 duellieren sich Josef Schalk und Gerhard Hrinkow. Auf diese Auseinandersetzung möchten wir hier gar nicht näher eingehen, Hrinkow jedenfalls ist derjenige, der dieses Rennen solo mit großem Vorsprung gewinnen wird. Ein paar Kilometer davor jedoch, bei der Abfahrt von Bad Gams in Richtung Vochera kam es zu einem folgenschweren Sturz. Josef Schalk, solo in Führung liegend, knallte frontal gegen ein entgegenkommendes Auto.

Die ersten Informationen im Zielbereich: er sei mit hoher Geschwindigkeit frontal gegen ein in dieser unübersichtlichen Kurve stehendes Auto geknallt, sei schwer verletzt, seine Rennmaschine völlig zerstört. Und wie immer, wenn so ein Gerücht die Runde macht, setzt jeder noch seinen Teil dazu und so entsteht von Minute zu Minute, wie bei einem Lauffeuer, eine gigantische Geschichte.

Wir haben den Pepi danach im LKH Deutschlandsberg besucht und können daher hier die tatsächliche Version der Geschichte nachliefern: er führt mit ca. 20 Sekunden Vorsprung, als er in der Abfahrt die bewußte unübersichtliche Linkskurve passiert. Natürlich viel zu weit links, und er knallt dort gegen ein entgegenkommendes Auto (nicht gegen ein stehendes!), danach setzt seine Erinnerung aus. Soweit seine eigene Version ein paar Stunden nach dem Unfall.

Die Folgen sind jedenfalls gravierend: beide Unterarme gebrochen, diverse Prellungen und Hautabschürfungen, die Brüche haben auch eine Operation erfordert. Damit ist auch eines klar: eine längere Rehabilitation, die Saison abrupt beendet. An dieser Stelle hier wünschen wir dem Pepi eine möglichst rasche Genesung und viel Geduld.

So sehr er selbst wahrscheinlich mit dem Schicksal (in Form der Autofahrerin) hadert, eines sei ihm an dieser Stelle ins Stammbuch geschrieben: du hast Glück im Unglück gehabt, es hätte sehr viel schlimmer enden können. Und deine Rekonvaleszenz fällt mit der Winterpause, der rennfreien Zeit, zusammen. Was hast du schon großartig verpaßt? Die WM in St. Johann, sonst doch nichts. Und: schuld bist du eindeutig selber. Sicher, wir alle fahren Rennen, wir alle sind andauernd auf der linken Straßenseite, mißachten natürlich auch

Wahrscheinlich das letzte Foto vom Pepi vor dem Sturz, hier im Gespräch mit Sigi Rothauer (oder bandelt er gar mit dessen Frau an???)

die Sperrlinie. Aber wenn´s dann knallt, dann fällt einem all das erst auf den Kopf. In jeder Ausschreibung befindet sich der Passus: „Die Straßenverkehrsordnung ist einzuhalten, der Veranstalter hält sich schad- und klaglos, jeder Fahrer fährt auf eigene Rechnung und Gefahr.“ Und damit ist auch schon alles gesagt.

Jeder Radrennfahrer also während einem Rennen permanent mit einem Bein im Krankenhaus, mit dem anderen im

Kriminal? Harte Antwort: wie´s aussieht, ja! Dadurch, daß man dieses Risiko permanent eingeht, bei jedem einzelnen Rennen, Jahr für Jahr, nimmt man es anscheinend gar nicht mehr wahr. Dennoch, eine Grundregel ist, daß man, gerade wenn man alleine unterwegs ist, egal, ob an der Spitze des Rennens oder als Nachzügler, unübersichtliche Kurven NICHT SCHNEIDET! Damit nimmt man viel an Risiko weg. Gerade diese elementare Grundregel hast du, Pepi, an diesem Tag, in diesem Moment, nicht beachtet, und sehr teuer dafür bezahlt. Sei es aus Ehrgeiz gewesen, aus Siegeswillen, aus der vorauseilenden Freude über die mögliche Entscheidung in diesem Rennen, aus dem Drang heraus, noch die eine oder andere weitere Sekunde herauszuholen, die Straße und das eigene Tempo eben optimal auszunutzen, es war einzig und allein DEIN EIGENER FEHLER! Aber ich kann auch einen – zugegeben kleinen – Trost anbringen: erinnere dich an Marco Pantani, als der nach seiner WM-Bronzemedaille in Kolumbien beim ersten Rennen danach, Mailand – Turin, im Finale bei der Abfahrt hinunter ins Ziel nach Turin frontal in einen entgegenkommenden Jeep

gerast ist – haargenau die gleiche Situation wie bei dir, ja mehr noch, dort war nämlich die Straße komplett gesperrt, das heißt, den entgegenkommenden Jeep hätte es gar nicht geben dürfen, er hätte sich auf die freie Straße verlassen können. Aber es war halt auch eine unübersichtliche Linkskurve… Danach hat er noch Tour und Giro gewonnen…

Fazit: der Teufel schläft nie, ein Risiko bleibt immer, und das Schicksal schlägt immer dann zu, wann man nicht damit rechnet…

Dennoch: alles Gute, Pepi, und hoffentlich bist im nächsten Jahr wieder von Anfang an mit dabei…

Kritik: weder beim ÖRV hat jemand von deinem Sturz gewußt noch sich dafür interessiert, aber auch auf der Internet-Seite deines eigenen Tullner Vereins war auch eine Woche danach noch kein Sterbenswörtchen darüber zu erfahren. Wissen die überhaupt, daß du bei ihnen fährst bzw. im Moment nicht mehr fährst???

Pepi, wie ihn alle kennen, die ihn im LKH Deutschlandsberg besuchten. Arm, wie er so daliegt und nicht mal nasenbohren kann. Wir mußten ihm die salzigen Tränen wegwischen, da er selbst dazu nicht in der Lage war.

Wie aus gut informierten Kreisen (unsere Spione hocken ja schließlich überall!!) zu erfahren war, überlegen die Veranstalter in Deutschlandsberg für das nächste Jahr fürs

Straßenrennen in Bad Gams eine andere Strecke. Diese Reaktion ist natürlich übertrieben, schließlich gibt´s auf der ganzen Welt kein Straßenrennen ohne eine Linkskurve!

 

 

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