Sonntag, 25. Juli 2010: Giro del Polesine, 2. Etappe: Straßenrennen um das Memorial Sandro Cappellini mit Start und Ziel in Rovigo, 108 km

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – diese Stimmungslagen durchlebte heute der Grazer Robert Bartonek bei der zweiten und letzten Etappe des Giro del Polesine mit Start und Ziel in Rovigo. In der Nacht hatte es noch heftig geregnet, doch am frühen Morgen vertrieb starker Nordwind die Regenwolken und schaffte es doch glatt, bis zum Start die Straßen aufzutrocknen. Doch jetzt hatten sich die Rennfahrer mit dem starken böigen Wind herumzuschlagen.

Ungewöhnlich heftige Attacken begleiteten schon die Startphase. Auch angesichts der doch ungewöhnlich langen Distanz kam da kein Gedanke an ein lockeres Einrollen auf, im Gegenteil, auch Bartonek zeigte sich ungewöhnlich aktiv, sprang gleich in die erste Ausreißergruppe rein, die sich schon nach 6 km absetzen konnte und bewies damit einmal mehr seine Nase für die richtigen Entscheidungen. Hauptinitiator dieser Gruppe war der Gesamtführende Alfio Maracani, der in dieser anfangs 12köpfigen Gruppe gleich vier Teamkollegen als Helfer dabei hatte, bestand doch die halbe Gruppe aus Fahrern des VC Rovigo!

Die drückten dann auch gewaltig aufs Tempo, und so gelang es dieser Gruppe, stetig den Vorsprung auszubauen, zunächst auf 3 Minuten, bei Halbdistanz betrug der Vorsprung dann schon sichere 6 Minuten! Bis dahin funktionierte die Ablöse und die ganze Führungsarbeit tadellos, alle zwölf Mann rackerten bis zum Umfallen. Dann, angesichts des großen Vorsprungs, kam anscheinend einigen der Gedanke, daß jetzt der VC Rovigo alleine für die Tempoarbeit zuständig sei!

Es kam zu einigen hitzigen Debatten, untermalt mit den typischen italienischen Flüchen und handfesten, nicht ganz jugendfreien Gesten. Ab diesem Moment hatte sich Bartonek völlig zurückgezogen, fuhr nur mehr konsequent am Ende der Gruppe mit. Dieses Beispiel machte anscheinend Schule, und so war die Harmonie der Gruppe endgültig dahin. Ergebnis: der Vorsprung schmolz so schnell, wie er aufgebaut worden war, zwei Mann mußten die Segel streichen und abreißen lassen, damit hatte Maracani schon mal zwei Helfer verloren.

Immer wieder wurde fallweise ganz gehörig aufs Tempo gedrückt, doch die Konstanz war weg, und die Verfolger kamen auf. Nach 88 km kam das auch schon dezimierte Hauptfeld erstmals wieder bis auf Sichtweite an die Spitzenreiter heran. Jetzt machte sich bei den Ausreißern Nervosität breit, Maracani sah seine Felle davonschwimmen, beschwor seine verbliebenen zwei Helfer, die mittlerweile auf 7 Mann geschrumpfte Gruppe zu ziehen.

Doch das Pendel schlug jetzt endgültig zugunsten der Verfolger aus. Nach 96 km, also 12 km vor dem Ziel, hatte eine größere Gruppe aufgeschlossen. Jetzt überstürzten sich die Ereignisse: im selben Moment nutzte Maracani verzweifelt seine vermeintlich allerletzte Chance, trat überraschend an, doch die Konkurrenz hatte nicht geschlafen – Robert Bartonek, Luciano Guidolin (GS Aliplast Zerotino) und Vittorio Parpaiola (GS Cicli Morbiato) hefteten sich ans Hinterrad des Gesamtführenden und konnten so gut 50 Meter Vorsprung herausfahren, da man im Feld sich anscheinend damit zufriedengab, den Rest der Ausreißer gestellt zu haben.

Doch auch in dieser kleineren, vierköpfigen Griuppe dasselbe Bild: kaum war der Vorsprung auf knapp 20 Skeunden angewachsen, nahmen Bartonek, Guidolin und Parpaiola die Beine hoch und überließen die Führungsarbeit Maracani. Der rackerte auch unermüdlich und schaffte es, sozusagen im Alleingang den Vorsprung bis auf 30 Sekunden auszudehnen. Doch das Finale war eröffnet, und die Verfolger attackierten ebenfalls heftig, die Gruppe zersplitterte ziemlich, es bildeten sich mehrere kleinere Gruppen und Grüppchen, und zwei Mann schafften es noch, etwa 4 km vor dem Ziel zu den Spitzenreitern aufzuschließen!

Während man einen großen Bogen östlich um Rovigo schlug und von Norden her auf die lange Zielgerade einschwenkte, war es dann klar, daß die Spitzengruppe diesmal durchkommen würde. Angesichts seiner Sprintschwäche riskierte Bartonek 1100 m vor dem Zielstreifen eine Soloattacke, kam auch weg, konnte aber nur knappe 15 Meter zwischen sich und die Verfolger legen. Und 400 m vor der Linie waren die wieder heran, bei Bartonek war der Dampf draußen und so rollte er als Sechster über die Ziellinie. Doch er hatte das Glück, daß zwei Mann dieser Spitzengruppe am Vortag nicht in der ersten Gruppe vertreten waren, sodaß Bartonek noch den 4. Gesamtrang erobern konnte.

Der Sieg ging an den hohen Favoriten Alfio Maracani, der heute auch die zweite Etappe gewann und sich somit völlig verdient den Gesamtsieg sicherte, Bartonek belegte zeitgleich den vierten Rang.

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