Sonntag, 11. Juli 2010: Österreichische Rad-Marathon-Staatsmeisterschaft im Rahmen des Marathons im Tannheimer Tal in Tannheim/Außerfern, 230 km bzw. 130 km

Zum zweiten Mal erst wurde heuer der Marathon im Tannheimer Tal im Tiroler Außerfern durchgeführt, nach der vorjährigen gelungenen Premiere gab es heuer als Belohnung gleich einmal die Österreichische Marathonmeisterschaft als Draufgabe. Auf einer superschweren Strecke über 230 km mit den Alpenpässen Hochtannberg, Flexen-Paß, Arlberg, Hahntennjoch und Gaicht-Paß wurden die Österreichischen Titelträger ermittelt. Die Frauen kürten ihre Meisterin auf der „Kurzstrecke“ über 130 km. Mit im Feld der über 1500 Starter auch zwei Mitglieder der UGB-Renngemeinschaft, Hans Unterguggenberger und Robert Bartonek.

Mehr als 650 Starter und Starterinnen nahmen pünktlich um 6 Uhr früh die 230 km lange Meisterschaftsdistanz in Angriff. Nach einem kurzen Anstieg in Grän ging es gut 8 km und 250 Höhenmeter hinunter auf deutsches Bundesgebiet nach Pfronten. Mit im großen Feld dabei der Grazer Robert Bartonek, der sich in dieser Abfahrt an der Spitze des Feldes behaupten konnte. Und als die Fahrer nach Pfronten bei Vils wieder auf österreichisches Gebiet wechselten, lag der Schnitt noch immer bei 51 km/h!

Um die vielen befürchteten Stürzen zu entgehen, fuhr Bartonek stets an der Spitze des Feldes, immer unter den ersten 20 bis 40 Positionen, doch wider Erwarten kam es zu keinem einzigen (!) Sturz, ungewöhnlich für einen Marathon dieser Größe. Bartonek, der im Vorfeld lange überlegt hatte, ob er diesen Marathon überhaupt bestreiten sollte, weil für ein spezielles Training keine Zeit mehr gewesen war, hatte mit viel Eß- und Trinkbarem wohlbestückt, die lange Reise um 6 Uhr angetreten. Der erste Teil des Vorhabens, mit der Spitze die Abfahrt nach Pfronten zu überstehen, war ihm gelungen, und der zweite Teil, mit der ersten Gruppe nach Steeg zu kommen, wo der Anstieg auf den ersten großen Paß begann, den Hochtannberg, war ebenfalls von Erfolg gekrönt. Gut 150 Mann stark war diese erste Gruppe, mit dabei auch zwei ganz prominente Fahrer, nämlich Ex-Profi Helmut Wechselberger, der Tour-de-Suisse-Sieger, und der deutsche Skilanglauf-Olympiasieger Peter Schlickenrieder.

Bartonek fuhr den ersten Anstieg, den 12 km langen Hochtannberg-Paß, gleichmäßig und nicht mit letztem Einsatz. In der dritten Gruppe erreichte er die Abzweigung zum Flexen-Paß in Warth, ungefähr 7 Minuten hinter der Spitze. Nach einer kurzen Abfahrt begann dann in Zürs der unangenehme, weil unrhythmische und steile Anstieg auf den 1773 m hohen Flexen-Paß. Bartonek konnte die Gruppe halten, inzwischen war auch die Sonne durch den Morgendunst gedrungen und begann, die Luft aufzuheizen.

In der Abfahrt runter zur Alpe Rauz verlor Bartonek kurzfristig diese Gruppe, konnte dann aber im dritten Anstieg des Tages, am Arlberg, wieder aufschließen. Auf den 3 km von der Alpe Rauz zur Paßhöhe zerfiel diese Gruppe völlig, Bartonek forcierte das Tempo und erreichte zusammen mit zwei anderen Fahrern die Paßhöhe. Kaum jemand hielt sich an der hier eingerichteten Labestation auf. Es ging gleich hinter der 1810 m hohen Paßhöhe hinunter nach St.Christophen, und dann in der langen Galerie und einer sehr steilen Abfahrt hinunter in den Nobelort St.Anton am Arlberg. In einer wilden Tempojagd versuchten die Fahrer, hier zu vorderen Gruppen aufzuschließen.

Bis Landeck war die Gruppe mit Bartonek auf 14 Mann angewachsen. In der langen Abfahrt hatte Bartonek viel gegessen und getrunken, um so einem befürchteten Hungerast vorzubeugen. Bananen, Äpfel, Kohlehydrat-Gels sowie Elektrolytgetränke und Magnesiumdrinks waren seine Verpflegung. Jetzt war es lebenswichtig, in so frischem Zustand wie nur irgend möglich nach Imst zu gelangen, wo der brutal schwere Anstieg auf das Hahntennjoch wartete. Inzwischen hatte die Sonne ganze Arbeit geleistet. Die Temperatur hatte bereits die 30°-Grenze erreicht und überschritten.

In Imst waren 175 km absolviert. Die Sonne hatte die Luft auf gut 34° aufgeheizt. Der 3 km lange Anstieg auf die Karrerhöhe unmittelbar vor Imst zersplitterte die Gruppe. Bartonek setzte sich mit drei anderen Fahrern ab, fuhr dann an der Verpflegungsstelle in Imst vorbei und nahm solo das Hahntennjoch in Angriff. Der Plan war, jeden Vorteil wahrzunehmen, um so schnell wie möglich die Paßhöhe zu erreichen und bei der dortigen Labestation vor allem die Trinkflaschen aufzufüllen.

Doch bereits auf den ersten Kilometern des Anstiegs, den flacheren, vor dem Hotel Linserhof, wartete der berühmt-berüchtigte Mann mit dem Hammer. Und der schlug den Grazer kurzerhand nieder. Die Folge war eine unglaubliche Tortur, mit 34/23 und 25 mußte jeder einzelne Kurbeltritt mühsam erkämpft werden. Und hier in den Steigungen dieses gefürchteten Anstiegs endete auch der Traum von einem vorderen Platz, der hier endgültig die Geröllhalden hinunterschwamm. Insgesamt dreimal mußte Bartonek eine Pause einlegen, rettete sich mit letzten Kräften hinauf auf den Maldonboden, wo 3 km unterhalb der Paßhöhe eine kurz Abfahrt Gelegenheit gab, endlich so „schnell“ zu fahren, daß man den Fahrtwind wahrnehmen konnte.

Kaum zu glauben, aber eine etwa 3minütige Rast auf der Paßhöhe reichte aus, um wieder zu Kräften zu kommen. Darauf vertrauend, daß er sich in der Abfahrt vollends würde erholen können, stürzte sich der Grazer in die enge, steile und von einigen Tunneln und Galerien gewürzte Abfahrt hinunter nach Bschlabs. Fahrer um Fahrer konnte Bartonek einholen und auch hinter sich lassen, dennoch war der Rückstand von der Auffahrt nicht mehr aufzuholen. Schließlich war er da eineinhalb Stunden unterwegs gewesen, die drei Pausen hatten auch gut 15 Minuten gekostet, in Summe war das ein Zeitverlust von gut 40 Minuten auf die geplante Auffahrtszeit gewesen. Bis dahin war Bartonek ziemlich exakt im vorher festgelegten Zeitrahmen unterwegs gewesen. Eine bittere Binsenweisheit: ein so langes und vor allem schweres Rennen kann man nicht exakt planen, zuviel Unvorhergesehenes kann da passieren!

Unten im Tal kam dann langsam Euphorie auf, denn das Ziel war in Sicht, jetzt fehlten nur mehr 32 km! Inzwischen war die Temperatur auf unglaubliche 39° geklettert. Bartonek hatte sich anscheinend tatsächlich erholt, und mit hohem Tempo von 42 bis 44 km/h ging es – bei leichtem Seitenwind – Weißenbach entgegen, wo mit dem Gaicht-Paß der letzte Anstieg wartete. 6 Mann war die Gruppe um Bartonek stark, die geschlossen in diesen letzten Anstieg ging. Hohes Tempo, Bartonek hielt mit und war binnen kürzester Zeit alleine vorne. Das war nun gar nicht geplant gewesen, doch er nahm diese Gelegenheit wahr und versuchte, so gleichmäßig zügig wie möglich zu fahren und konnte seinen Vorsprung anfangs sogar ausbauen, nach ca. 2 km des 4 km langen Anstieges hielt sich der Abstand konstant, dann kamen die Verfolger langsam, später schneller näher.

Nach dem Anstieg ging jedoch – richtig, der Anstieg weiter. Bis Nesselwängle rauf waren insgesamt 8 km Anstieg zu bewältigen. Und dort oben, kurz vor der Ortschaft, ereilte Bartonek zum zweiten Mal an diesem Tag die Schwäche. Die Muskeln waren leer, die Energiespeicher ebenso, natürlich auch die Trinkflaschen. 6 km vor dem Ziel, entlang des Haldesees, quälte sich der Grazer mutterseelenallein dem Ziel entgegen.

Der Bundesdeutsche Jonas Schmeiser fuhr in 6:18:07 Stunden dem Solosieg entgegen, an zweiter Stelle landete der Wiener Ewald Robeischl vom NORA-Sport-Team, der damit den Österreichischen Marathonmeistertitel gewann. Sein Rückstand: 6:58 Minuten. Bartonek landete in 8:02:56 Stunden an der 204. Stelle, ohne seinen Einbruch am Hahntennjoch und den drei im Anstieg wäre er gut 40 Minuten schneller gewesen und knapp unter den ersten 100 gelandet. In der Klasse Master 2, die der Tiroler Dieter Hye (ARBÖ Devine Tom Tailor Wörgl) vor Josef Omminger (Radteam Stubai Schlickeralm) und Helmut Wechselberger (Cycleclub Tyrol) gewann, belegte Bartonek den 30. Rang. In der Rangliste der Österreichischen Meisterschaften, wo nur die Lizenzfahrer zählten, rangierte Bartonek an der 28. Stelle, hinter Josef Omminger war das der 2. Rang und damit die Silbermedaille in der Masterklasse 2.

In der kürzeren und leichteren Version des Tannheimer Marathons, die über flache 130 km führte, ging der Wörgler Hans Unterguggenberger um 7 Uhr an den Start.

Einzig der Gaichtpaß im Finale stellte die einzige Schwierigkeit dar. Auch hier war es unbedingt nötig, an der Spitze des Feldes zu fahren, um Stürze zu vermeiden. Es gab einen unruhigen Rennverlauf, keine Spitzengruppen, das Feld war geschlossen, wurde aber immer nervöser und unruhiger, je näher es dem Gaichtpaß ging. Kaum in Weißenbach, gingen die Attacken dann auch schon los.

Unterguggenberger hatte im 4 km langen Anstieg keine Probleme, orientierte sich an seinen Alterskollegen und hielt deren Hinterrad. Das ungefähr 100 Mann starke Feld platzte auseinander und der Deutsche Rico Rapps (RSC Logwin Kempten/Allgäu) fuhr in 3:11:25 mit einem Schnitt von 40,75 km/h zu einem knappen Sieg. In der Klasse der über 50jährigen setzte sich schließlich der Deutsche Klaus Gebhardt (RC Kaufbauren) in 3:16:17 durch, 43 Sekunden dahinter sprinteten drei Verfolger um die Plätze, und da ging der Hans leider leer aus – nur Rang 4, er mußte als Master-6-Fahrer gegen die teilweise um 20 Jahre jüngeren Konkurrenten (!) klein beigeben. Das war das Manko der Altersklasseneinteilung – es gab nur die Hauptklasse, Klasse bis 50 Jahre und Klasse über 50 Jahre, und in eben dieser traf Hans auf 20 Jahre jüngere Teilnehmer! Auf dieser 130-km-Distanz sind nur die Frauen um den Meistertitel gefahren.

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