Ist Doping neuerdings legal…?

6. Juni 2010: Ist Doping neuerdings legal…?
 
Diese provokante Frage MUSS man sich stellen, wenn man die jüngsten Ergebnislisten studiert: da taucht etwa ein suspendierter Thomas Westermayer (siehe vorigen Artikel) heute bei Mailand-San Remo im Spitzenfeld auf, ein Ferry Bruckner fährt seit Saisonbeginn mit einer Lizenz, Michael Dimmel genauso, einzig der lebenslang gesperrte Christian Pfannberger ist seither nirgendwo aufgetaucht (vielleicht aber unter falschem Namen?)
 
Sicher, der italienische UDACE-Verband schert sich herzlich wenig um die UCI natürlich auch um die von ihr gesperrten Fahrer, Bruckner und Dimmel aber starten in Österreich, bei ÖRV-ausgeschriebenen Rennen. Handelt es sich bei einer Sperre bzw. einer Suspendierung nur um eine Lachnummer? Einen Aprilscherz sozusagen, pardon, Junischerz?? Im offiziellen Regelwerk läuft die Sperre bzw. Suspendierung ja als „Strafe“ für erwiesenes Doping. Sieht diese „Strafe“ jetzt so aus, daß die gesperrten Fahrer starten MÜSSEN? Will man ihnen auf diese Weise drastisch vor Augen führen, wie schwach sie ohne Hilfsmitteln sind? Interessant auch der Umstand, daß dopinggesperrte Fahrer nach Ablauf ihrer Absenz beim Wiedereinstieg in den Rennbetrieb meist stärker sind als vorher, weil sie jetzt, Hand aufs Herz, endlich, endlich, sauber fahren?? Ja, um Himmels Willen, warum haben sie denn dann vorher gedopt???
 
Ein ganz anderer Effekt dieser augenzwinkernden Sperren ist ja, daß der saubere Fahrer, der sich andauernd mit den „straffällig“ gewordenen Fahrern konfrontiert sieht, ja zur Überzeugung kommen muß, selbst mal zur Spritze greifen zu müssen. Ist das beabsichtigt? Gibt es am Ende gar eine handfeste Verbindung zwischen ÖRV und Pharma-Industrie? Es ist ja längst erwiesen, daß der eine ein nicht zu unterschätzender Stammkunde der anderen ist. Hat man diese jahrzehntelange, eigentlich schon traditionelle Verbindung jetzt mal – unbemerkt? – „legalisiert“?
 
Jahrelang hat sich ja die Pharma-Industrie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln gesträubt, ihre zu Dopingzwecken verwendeten Produkte mit Markern zu versetzen, damit diese bei Kontrollen einfach, leicht und schnell nachweisen sind. Ganz klar, denn damit hätte man sich ja der größten Zielgruppe entledigt. Als „Streikbrecher“ aufgefallen sind ja nur die neuesten CERA-Produkte, die mit einem Male Marker enthalten hatten, mit deren Hilfe u.a. Bernhard Kohl und Stefan Schumacher in die Arbeitslosenstatistik eingereiht wurden.
 
Wem ist eigentlich gedient, wenn Gesperrte tatsächlich nicht mehr am Rennbetrieb mitnaschen? Ihnen selbst? Der Konkurrenz? Den Vereinen? Den Sponsoren? Dem Verband? Dem Publikum, der Öffentlichkeit? Der Politik, pardon, den Politikern? Gewissen Interessensgruppen? Diese sogenannten Lobbyisten, die meist nur nach handfesten Skandalen an die Öffentlichkeit gespült werden? Durch eine Sperre wird ja nicht nur der Fahrer aus dem Verkehr gezogen, sondern auch ein gewisser, meist nicht unerheblicher Geldbetrag, von dem all die oben genannten (juristischen) Personen profitieren würden. Womit wir beim eigentlichen Sinn dieses Kreislaufs wären, der Geschäftemacherei. Einer blühenden Geldvermehrung. Dieser die Nahrung zu entziehen, wäre kontraproduktiv. So gesehen ist das natürlich eine logische Erklärung dafür, daß Gesperrte weiterhin ständig auf Start- und Ergebnislisten auftauchen.
 
Ist vielleicht im Zuge der Rechtschreibreform auch das Wort „Strafe“ neu definiert worden???
 
 

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