7. November 2009: Straßenrennen um den Gran Premio di Festa Padana in Pramaggiore, 72,5 km

Saisonabschluß auch in Italien: mit dem Straßenrennen auf dem flachen Rundkurs in Pramaggiore wird auch beim südlichen Nachbarn die dort sehr viel längere Straßensaison heute beendet. Robert Bartonek, im Vorjahr hier an der 14. Stelle zeitgleich mit dem Sieger, ist auch diesmal wieder am Start, um seine tolle Siegesserie zu verteidigen (in den letzten beiden Rennen ein Sieg).

Zusammen mit den beiden Kategorien der Supergentlemen und den Frauen nehmen 114 Fahrer das Rennen bei kühlem, aber trockenem Wetter (12°) auf. Zum Saisonabschluß sind wieder alle Asse und Favoriten im Starterfeld vereint, und dementsprechend aktiv wird gleich in der ersten Runde gefahren. Sehr schnell stellt sich heraus, daß die beiden Mannschaften von Frenocar-Rovigo mit Alfio Maracani an der Spitze und De Luca-Portogruaro mit Tarlaio die beiden stärksten Mannschaften sind, die das Renngeschehen unter Kontrolle bringen wollen.

In der ersten Hälfte wird fleißig attackiert und gekontert, aber der aufmerksame Beobachter sieht sehr schnell, daß Frenocar-Rovigo dabei den aktiveren Teil übernimmt. Tarlaio fährt immer nur nach, schließt die Löcher und verläßt sich auf seinen passiven Teil, während Maracani geflissentlich darum bemüht ist, in eine Fluchtgruppe zu kommen. Beide gelten sie ja als die wohl stärksten Sprinter des Starterfeldes. Bartonek spielt die Rolle des Beobachters, fährt aufmerksam im ersten Drittel des Feldes mit, wird seinerseits aber nie aktiv.

Alle Fluchtversuche werden vereitelt, alle Ausreißer immer wieder gestellt, es fällt keine Entscheidung. Zwar wird das Hauptfeld langsam kleiner, aber von den Favoriten fällt niemand zurück. Je näher das Ziel rückt, desto gefährlicher werden die Attacken, hat man doch immer weniger Zeit, erfolgreich darauf zu reagieren. Eine vierköpfige Ausreißergruppe geht mit 10 Sekunden Vorsprung knapp vor dem Hauptfeld liegend in die Schlußrunde.

Die Entscheidung wird dann eingangs der letzten Runde eingeläutet, als Alfio Maracani höchstpersönlich antritt und eine kleine Unachtsamkeit der De-Luca-Fahrer ausnutzt, um sich abzusetzen. Bartonek ist aufmerksam und setzt sofort nach, mit einer kleinen Verzögerung reagiert dann auch Tarlaio, der dieses Duo natürlich nicht weglassen darf. 5 km vor dem Ziel also eine 3-Mann-Spitze mit den beiden stärksten Sprintern und Bartonek an der Spitze, der Vorsprung schwankt um die 10 bis 12 Sekunden. Wenig später greift dann aber die Mannschaftsarbeit, Frenocar-Rovigo und De Luca-Portogruaro haben bei den Verfolgern die Tempoarbeit im Griff und bremsen das Hauptfeld, worauf der Vorsprung sehr schnell auf 30 bis 40 Sekunden anwächst.

Damit ist auch sehr schnell klar, daß die drei Ausreißer nicht mehr eingeholt werden können. Bartonek klemmt sich an das Hinterrad von Maracani, weil er den als den schwächeren Sprinter einschätzt und der daher unbedingt noch aktiv werden muß, um Tarlaio abzuschütteln. Die Rechnung geht auf, eineinhalb Kilometer vor dem Ziel kommt der wuchtige Antritt von Maracani, der zwar seinen schärfsten Widersacher abschüttelt, doch Bartonek mitzieht.

Maracani macht in dieser Phase keinen Fehler, zieht seine Attacke durch, Bartonek führt keinen Meter, hängt nur am Hinterrad, während Tarlaio verzweifelt versucht, das Loch wieder zuzufahren. Und Tarlaio als der doch stärkere Fahrer setzt sich noch einmal durch, er kommt wieder an das Duo heran, kann etwa 500 Meter vor dem Zielstrich aufschließen, doch unmittelbar davor greift Bartonek an, legt alle Kraft in diese letzte Attacke und kann einen doch schon etwas entkräfteten Maracani stehenlassen.

Ein Rennverlauf im Finale wie aus dem Lehrbuch – Maracani als der schwächere Sprinter muß aktiv werden, zieht den schwächsten Sprinter aber mit, nämlich Bartonek, der stärkste Fahrer des Trios, Tarlaio, hat sich überrumpeln lassen, kann diesen Fehler aber wieder einigermaßen ausbügeln, indem er kurz vor dem Zielstrich, schon auf der langen Zielgeraden, an das Duo wieder herankommt. Doch Bartonek macht auch keinen Fehler, läßt sich seinen Vorteil nicht mehr nehmen, gewinnt somit das Abschlußrennen und feiert den dritten Sieg hintereinander.

Die drei stärksten Fahrer der Herbstsaison haben sich heute also eindrucksvoll in Szene gesetzt, haben auch dieses letzte Straßenrennen der Saison beherrscht. Das interessante Ergebnis: der schwächste der drei Spitzenreiter, Bartonek, gewinnt, der aktivste im Finale, Maracani, wird nur Dritter. Was lernen wir daraus: zum Erfolg im Radsport gehört UNBEDINGT auch etwas Gehirnmasse!

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