23. August: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche, Nationen-Ölspur-Radmarathon in Deutschlandsberg, 93 km

Vorjahrssieger Robert Bartonek ging auch heuer wieder beim Marathon an den Start, galt es doch, seinen Titel zu verteidigen. War er im Vorjahr nach einer 50 km langen Solofahrt im Regen mit einem Siegerschnitt von 37,5 km/h klassiert worden, so gab es heuer vom Start weg bei Sonnenschein und idealen Wetterverhältnissen einen völlig anderen Rennverlauf. Deutlich mehr Starter als im Vorjahr nahmen das Rennen auf, und es wurde auch klar und deutlich schneller gefahren. Bereits nach 25 km lag der Schnitt bei über 42 km/h, und die Spitzengruppe bestand noch aus mehr als 80 Fahrern.

Zwar gibt es bei diesem „Rennen“ keine offizielle Rangliste, auch keine Preisverteilung, aber sehr wohl eine inoffizielle, und es wird auch wie bei einem „normalen“ Rennen gefahren. Wichtig ist, daß es eine zusätzliche Möglichkeit darstellt, Rennkilometer zu sammeln und sich mit der ausländischen Konkurrenz auseinanderzusetzen. Wichtig vor allem im Hinblick auf die WM-Rennen in der kommenden Woche in St.Johann/Tirol.

In der großen ersten Runde wurde gegen Ende zum ersten Mal die Steigung in Graschuh überwunden, danach bestand die Spitzengruppe noch aus 65 Fahrern, Bartonek mitten unter ihnen. Ab Frauental wurde dann die zweite Runde in Angriff genommen, eine kürzere, hügeligere. Gleich der erste Anstieg rauf nach Bad Gams brachte Bewegung ins Renngeschehen. Nachdem bis dahin zwar schnell, aber gleichmäßig gefahren worden war, sackte das Tempo hier deutlich ab, was ein Sowjetrusse sogleich zur Attacke nutzte und sich noch vor Niedergams absetzte.

Auch Bartonek nutzte diese allgemeine Verschnaufpause und schloß solo zum Russen auf. Gemeinsam vergrößerten sie ihren Vorsprung und nahmen nach Bad Gams den ersten Anstieg in Angriff, doch dort schlossen dann ein paar Verfolger auf. In der Folge kamen immer mehr Fahrer wieder heran, doch durch das hohe Tempo über die Steigungen konnte sich nach dem zweiten Anstieg in Graschuh eine 22 Mann starke Gruppe mit Bartonek bilden, der Schnitt lag da noch immer bei 41,5 km/h, also deutlich schneller als noch im Vorjahr.

Bei dem Tempo war es auch nicht möglich, alleine wegzufahren, auf den letzten 12 km aber wurde das Tempo dann stetig langsamer, alles bereitete sich auf den Sprint vor, eine allgemeine Lustlosigkeit und Unkonzentriertheit machte sich breit. In dieser Stimmung versuchte es Bartonek doch noch, alleine zum Erfolg zu kommen, er hatte sich dazu knappe 5 km vor dem Ziel die Ortsdurchfahrt Frauental ausgesucht. Bei der Abzweigung nach Frauental rein setzte er sich an die Spitze, forcierte langsam das Tempo, unscheinbar, sitzend, Oberlenker, „stahl“ sich förmlich davon. Durch die kurvige Ortsdurchfahrt begünstigt, kam er mit Vorsprung aus der Ortschaft raus, hatte bereits gut 15 Sekunden Vorsprung und drückte dann vehement aufs Tempo.

Die letzten Kilometer waren Kampf pur. Mit allerletztem Einsatz und einem Tempo zwischen 42 und 45 km/h kämpfte sich Bartonek auf der schmalen, kurvigen Nebenstraße durch den Wald, dann durch den Deutschlandsberger Stadtrand bis auf die Hauptstraße raus. Auf der 1000 m langen Zielgeraden ließ er sich nicht mehr die Butter vom Brot nehmen, sprich den Sieg wegnehmen und gewann den Marathon mit 23 Sekunden Vorsprung auf den Weißrussen Vladimir Biallauski. Bartonek war damit der erste Fahrer, dem es in der Geschichte dieses Marathons gelang, einen Sieg im Jahr darauf zu wiederholen.

 

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