11. Juli 2009: Straßenrennen um die „Trofeo Lunardelli IVECO Oderzo“ in Camine di Oderzo (I), 77,5 km

Am Nachmittag startete Bartonek einen neuerlichen Versuch, den ersten Saisonsieg auf italienischem Boden einzufahren. Beim Straßenrennen im Großraum Oderzo waren wieder alle Asse aus dem Veneto und dem Friaul am Start. Ein 15,5 km langer flacher Rundkurs mußte fünfmal absolviert werden, und damit war auch die Gesamtdistanz von 77,5 km gegeben. 15 Höhenmeter pro Runde (= 75 Hm insgesamt) waren da nicht wirklich ein Problem. 89 Fahrer bildeten einen stolzen Pulk, der in die erste Runde ging.

Favoriten waren die üblichen, die venetischen Sprinter, allen voran Tarlaio, Mencon und Co. Wie schon am Vortag auch entspann sich wieder ein spannender, abwechslungsreicher Rennverlauf, es wurde andauernd attackiert, das Feld kam nie zur Ruhe. Immer wieder konnten sich Gruppen oder einzelne Fahrer absetzen, wurden aber immer wieder gestellt. Dabei machte das De-Luca-Portotecnica-Team aus Portogruaro rund um Tarlaio einen sehr starken Eindruck, sowohl im Bemühen, Fahrer in eine Ausreißergruppe zu bringen, als auch im Nachfahren, wenn keiner vorne vertreten war. Man konnte also deutlich sehen, daß der Sieg in diesem Rennen nur über dieses Team führen kann.

Bereits in der zweiten Runde gelang es einer kleinen, fünfköpfigen Gruppe, in der auch Renzo Marcon (GS De Luca) dabei war, vorerst einen respektablen Vorsprung herauszufahren. Tarlaio, der im Feld verblieben war, verhielt sich auffallend ruhig, auch als der Vorsprung der Ausreißer immer weiter anwuchs. In der dritten Runde konnten einige der Favoriten im Hauptfeld ihre Nerven nicht mehr im Zaum halten, griffen an, und es bildete sich eine vierköpfige Verfolgergruppe. Doch auch das war noch nicht die endgültige Entscheidung. Tarlaio führte diese Gruppe an, doch im Feld gab es noch einige, die sich mit diesem Ergebnis nicht zufriedengeben wollten. Es konnte sich nach geraumer Zeit eine zweite Verfolgergruppe absetzen, die aus 9 Mann bestand, und in dieser – insgesamt dritten – Gruppe konnte auch Bartonek unterkommen. Damit war im Feld niemand bzw. kein Team mehr, das keinen Fahrer in irgendeiner Gruppe vorne dabei hatte, und so nahm man im Pulk die Beine hoch. Und damit war für die Fahrer im Feld das Rennen gelaufen.

In den beiden letzten Runden lief das Rennen also zwischen diesen ersten drei Gruppen ab, vier Mann vorne, in der Verfolgung 4 Mann, knapp dahinter weitere 9 Mann. Die Verfolger arbeiteten harmonisch und konnten sich näher an die Spitze heranschieben, und noch in dieser dritten Runde kam es zum Zusammenschluß der beiden Verfolgergruppen. Das Hauptfeld fiel immer weiter zurück, und auch die vierköpfige Spitze arbeitete nicht mehr problemlos. Die Spitze nahm dann am Ende dieser dritten Runde die Beine hoch und wurde zu Beginn der vierten Runde von den Verfolgern eingeholt.

Die große Spitze nahm nun in der vorletzten Runde wieder an Tempo auf, es wurde zügig gefahren, aber es war auch reichlich Leerlauf im Getriebe, immer wieder wurde einige Minuten lang gebummelt. Mit letztem Einsatz wurde da nicht gefahren. Im Laufe dieser vorletzten Runde stieg dann das Tempo immer weiter an, bis einige Fahrer dieser Gruppe überfordert waren. Damit war das Leistungsgefälle offenbar, einige konnten nur mehr im Windschatten mitfahren, aber keine Führungsarbeit mehr leisten, dadurch nahmen sich auch die stärkeren Fahrer der Gruppe wieder etwas zurück. Das Tempo sackte wieder ab. Der Rennverlauf war gekennzeichnet von einer allgemeinen Verunsicherung und Unentschlossenheit, dadurch war aber auch dem Zufall Tor und Tür geöffnet.

Sowohl Tarlaio als auch Pangos, die in dieser Spitze vertreten waren, gaben zeitweise den Ton an, Tarlaio hatte als einziger der ganz großen Favoriten gleich vier Teamkollegen als Helfer dabei. Zu Beginn der Schlußrunde entschied sich Bartonek, auf das Hinterrad von Tarlaio zu konzentrieren. Doch als der seinen Schatten bemerkte, wurde er unruhig und nervös, wollte den Österreicher um jeden Preis abschütteln, dadurch wurde das Rennen noch zerfahrener und vor allem unrhythmischer. Und das kostete einigen den Anschluß, sodaß 5 km vor dem Ziel nur mehr 12 Mann für den Sieg in Frage kamen.

Wie schon am Vortag auch war es Tarlaio, der die endgültige Entscheidung einleitete, indem er sich mit einem überraschenden, wuchtigen Antritt absetzte. Jetzt war Pangos gefragt, der sich auch wirklich vorspannte und das Loch zuzufahren versuchte. Doch Bartonek war auf der Hut, sprang mit Pangos mit und so konnte eine Vierergruppe 2 km vor dem Zielstrich zum Soloführenden aufschließen.

Das Finale wurde dann von Tarlaio und Bartonek bestimmt, der Österreicher ließ dem friulanischen Ex-Profi ein kleines Loch, um die anderen in Zugzwang zu bringen. Der Plan ging auch großteils auf, wenn auch ganz anders als vorgesehen. Denn niemand fuhr Tarlaio nach, und so mußte Bartonek selbst reagieren. Er konnte zu Tarlaio zwar aufschließen, doch dann fehlte es an der Kraft, um irgendetwas dem letzten Antritt entgegenzuhalten. Tarlaio sprintete von der Spitze weg zu einem ungefährdeten Sieg. Dahinter sicherte sich Bartonek einen ungefährdeten zweiten Rang, der Slowene Bojan Ropret (GS Barbariga) entschied den Sprint der wütenden und frustrierten Geschlagenen um den dritten Platz für sich.

 

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