DAS WUNDER VON ALTHOFEN

Samstag, 20. Juni 2009: DAS WUNDER VON ALTHOFEN

Der Kärntner Franz Tarmann scheint in der ÖRV-Liste mit seiner Lizenz in der Masterklasse 5 auf, wo er aufgrund seines Geburtsdatums vom 26. Juli 1943 auch hingehört. In dieser Klasse war er mit der Startnummer 142 auch bei den Österreichischen Zeitfahrmeisterschaften in Althofen geführt. So weit, so gut.

Doch dann passierte das, was als das „Wunder von Althofen“ in die Radsportgeschichte einging. Das 17 km lange Zeitfahren MUSS wohl dem Kärntner derart zugesetzt haben, daß er über die Maßen schnell gealtert ist, denn auf der Ergebnisliste fand man ihn in der Klasse 6, bei den über 70jährigen. Dazu muß er in den 25 Minuten Fahrtzeit um ganze 4 Jahre gealtert sein, das macht im Schnitt alle 6 Minuten um ein Jahr! Und damit handelt es sich hier um eine medizinische Sensation.

Ein 66jähriger startete ins Rennen und kam 25 Minuten später als 70jähriger zurück, sichtlich gealtert, einzig seine Ohrringe, zum Zeichen ewiger Jugend getragen, sind anscheinend aus alterungsbeständigem Material.

Die güldenen Ohrringe.

Sichtlich schwer gezeichnet, rettete sich der Kärntner taumelnd über die Ziellinie. Die Zielrichter urteilten nach dem Aussehen und setzten ihn auf die Ergebnisliste der Klasse 6. Noch dazu war er mit seiner dürftigen Fahrtzeit in der Klasse 5 nur 4. geworden, in der Klasse 6 lag er jetzt aber an der zweiten Stelle. Was immerhin einer Silbermedaille gleichkam.

Ein sichtlich gealterter Mann (?) kommt ins Ziel, der keine Ähnlichkeit mehr mit dem Gestarteten aufweist.
Zur Preisverteilung schritt er lächelnd und frohen Mutes, erklomm das Podest, ließ sich die Silbermedaille um den Hals hängen, riß grinsend die Hände empor und brachte nachher auffallend schnell seine schwer erkämpfte Medaille in Sicherheit.

Der Preis, ein Freßpaket, das der Beohrringte unserem Sigi gestohlen hat

Nicht nur, daß in der Klasse 6 so Unterguggenberger und Rothauer um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurden, in der Klasse 5 gab es auf diese Weise nur mehr 5 Starter, daher hatte dieses Rennen nicht den Status einer Österreichischen Meisterschaft. Auffallend direkt, daß NIEMAND, weder die Rennleitung noch die Konkurrenten und schon gar nicht Tarmann selber, diesen Irrtum zur Sprache brachte.

Was sollen sich da die Zuschauer denken, was sollen sich die Sponsoren denken, wenn sie davon erfahren, daß die Radfahrer so ausgelaugt und ausgelutscht ins Ziel torkeln, daß sie weder ihren Namen noch ihr Alter wissen, schon gar nicht die Kategorie, in der sie fahren. Sollte man solchen bemitleidenswerten Geschöpfen nicht einen Kurator zur Seite stellen, damit sie wenigstens ihre Rennstrecke durch den Alltag problemlos schaffen?

Ein anderer Aspekt dieses „Wunders von Althofen“: warum irrt sich da – wer auch immer – stets zugunsten dieses Beohrringten? Die Optik war schon im letzten Jahr bei den Straßenmeisterschaften ganz, ganz schief, als er am Ende mit der Goldmedaille dastand, die er heuer – wohlweislich – nicht verteidigte. War es diesmal ein Fehler des Veranstalters, der ihn irrtümlich auf die falsche Liste gesetzt hatte? Warum hat er dann selbst dazu geschwiegen? War es sein Fehler, hat er gesagt, daß er doch in die Klasse 6 gehöre, weil er dort Medaille und Vizetitel geholt hätte? Warum leistet dem der Veranstalter Folge? Gibt es da irgendein Naheverhältnis, über das unsereins nur bloße Vermutungen anstellen kann?

Erst am nächsten Tag konnte diese Tat aufgeklärt werden. Fehlt nur noch, daß man den Begriff „Diebstahl“ neu definieren muß.

Zurück bleiben auf alle Fälle nur Frustrierte: der Beohrringte selbst, der jetzt aufgedeckt ist, der Veranstalter, der in schiefem Licht dasteht, die Sponsoren, die ihren guten Namen mißbraucht sehen, die Zuschauer, auf deren Rücken diese Streitigkeiten ausgetragen werden. In einer Kärntner Tageszeitung stand am Sonntag zu lesen, daß der Beohrringte den Vizetitel in der Klasse 6 erringen konnte. Wie steht jetzt derjenige da, der einen Widerruf verlangt? Zum Abschluß noch ein Rat: vielleicht sollte man die große Frage dazu ganz anders formulieren > nicht, wer davon profitiert hat, sondern > wem sollte damit geschadet werden???

Auswirkungen von Alzheimer (Einakter mit zwei Personen)

Der Prophet: Franzi, wie alt bist du jetzt?

Franzi: Weiß nicht, ist schon so lange her…

Der Prophet: Aber Franzi, du mußt doch wissen, wann du geboren bist!

Franzi: Ich glaub, das war schon im vorigen Jahrtausend…

Der Prophet: Ja, Franzi, in welcher Klasse fährst du denn?

Franzi: Weiß nicht genau, mal in dieser, mal in jener…

Der Prophet: Aber das geht doch nicht!

Franzi: Mußt beim Veranstalterklub sein, dann geht das alles!

Franzi reißt beide Arme hoch und läßt sich vom johlenden imaginären Publikum feiern. Der Prophet schüttelt mißbilligend den Kopf. Stolz zeigt Franzi mehrere Medaillen, hält sie triumphierend in die Höhe.

Der Prophet: Aber Franzi, wo hast du diese vielen Medaillen her?

Franzi: Gewonnen. Ich fahre ja schon lange Jahre, habe viele Rennen gewonnen,

Dumpfes Raunen aus unzähligen Kehlen im Hintergrund: Hängt ihn höher, hängt ihn höher, hängt ihn endlich!

Der Prophet (belustigt): Franzi, jetzt mußt aber wirklich Gas geben, die Schatten der Vergangenheit haben dich gleich an einer Speckfalte. Dann möchte ich nicht in deinem Fell stecken.

Franzi: I waas lei oans: i woas ned!

Unter dem Applaus des Publikums grabschen viele Hände nach dem Franzi, erwischen ihn, halten ihn fest, ziehen ihn zu Boden, und unter gellenden Schmerzensschreien fällt der Vorhang.

(Ein Schelm, wer jetzt Böses denkt. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind sicherlich nur zufällig, vielleicht beabsichtigt, aber garantiert nur ein Witz).

 

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