Eklat in Oberwaltersdorf

Sonntag, 24.Mai 2009: Eklat in Oberwaltersdorf

Alles darf man sich einfach nicht gefallen lassen! Beim Kriterium in Oberwaltersdorf hat der Rennleiter ohne jede Vorwarnung im allerletzten Moment die Startzeiten geändert und dadurch riskiert, daß Fahrer das Rennen verpassen, was in zwei Fällen auch geschehen ist: Robert Bartonek (UGB Wörgl) und Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) konnten nur mehr zuschauen. Offizielle Begründung: in der Klasse 1 seien zu wenige Starter gewesen, daher mußte man sie mit der Klasse 2 zusammenlegen.

Tatsache ist: mit besagtem Rennleiter gab es schon in den vergangenen Jahren reihenweise Probleme, dieser Kamerad sticht durch eigenwillige und nicht immer regelkonforme Entscheidungen aus seiner Zunft unangenehm heraus. Herr Ch. L. (Kenner der Szene wissen ohnehin, wer gemeint ist) hat im Vorjahr z.B. die Fahrer Josef Schalk (ASVÖ Tulln) und Johann Schweighofer (UGB Wörgl) gar nicht zum Kriterium in Ebreichsdorf zugelassen, weil sie sich auf der Rennstrecke warmgefahren sind. Danach hat er Hans Unterguggenberger disqualifiziert, weil der nach einem Sturz sein Rennrad in die falsche Fahrtrichtung aufgestellt hat. Beim Bergzeitfahren Schönberg – Manhartsberg wurde Hans Unterguggenberger eine um 20 Sekunden schwächere Fahrtzeit zugeordnet, daß er dadurch Plätze einbüßte, konnte die Rennleitung aber dann Gottseidank nicht erreichen. Daraufhin wurde ihm beim Straßenrennen in Langenlois am folgenden Tag der 7. Rang zuerkannt, obwohl er – auf mehreren Fotos deutlich sichtbar – als Zweiter den Zielstrich überquert hat. Da alle diese Rennen zum Ginner-Cup zählten, wurde auf diese Weise auch in die Gesamtwertung damit ganz manipulativ eingegriffen.

Diesmal aber war das Maß voll, es gab am 26. Mai einen Offenen Beschwerdebrief an den ÖRV mit folgendem Inhalt:

An den ÖRV-Sportausschuß, zu Handen Christian Glaner

Werter Sportsfreund!

Ich muß meinem Ärger heute Luft machen und schreibe dir in deiner Funktion als Stellvertretender Vorsitzender des Sportausschußes, und zwar geht es um die Vorkommnisse beim Kriterium in Oberwaltersdorf am Sonntag, 24. Mai diesen Jahres. Diese Beschwerde schreibe ich nicht nur in meinem Namen, sondern auch im Sinne und mit dem Einverständnis von HANSL RUDOLF, des zweiten „Geschädigten“. Zum Sachverhalt, wie er sich aus meiner Sicht darstellt:

Als ich um ca. 9.15 Uhr meine Startnummer abgeholt habe, hat mich niemand über geänderte Startzeiten informiert, es war auch nichts diesbezüglich ausgehängt oder irgendwo angeschlagen, also bin ich von der offiziellen Ausschreibung ausgegangen, in der es heißt, daß um 10 Uhr die Kategorie Master 1 mit einer Distanz von 24 km eröffnet, und meine Klasse Master 2 zusammen mit Master 3 anschließend starten. „Anschließend“ soll wohl irgendwann ab ca. 10.35 Uhr heißen. Ich hatte mein Auto ca. 800 m vom Start-Ziel-Bereich entfernt geparkt und habe dann begonnen, mich umzuziehen und das Rad herzurichten, bin dann um ca. 9.40 Uhr sogar noch 2 oder 3 Runden auf dem Rundkurs á 750 m gefahren, dabei natürlich auch bei der Sprechertribüne vorbei, auch da hat niemand etwas über geänderte Startzeiten verlautet. Danach habe ich mich aufgewärmt, und zwar außerhalb des Ortes, nämlich auf der Runde Oberwaltersdorf-Trumau-Ebreichsdorf-Oberwaltersdorf (ca. 20 km). Um ca.10.20 Uhr war ich wieder in Oberwaltersdorf und bin zur Rennstrecke zurückgefahren, wo ich entsetzt feststellen mußte, daß meine Kategorie Master 2 bereits das Rennen fährt, nämlich zusammen mit der Klasse Master 1.

Nachdem ich den Rennleiter gefragt habe, was es mit diesem Chaos auf sich habe, mußte ich folgende Antwort akzeptieren: er habe das Starterfeld der Kategorie Master 1 für zu klein befunden, um ein eigenes Rennen zu fahren, deshalb die Klassen 1 und 2 kurzerhand zusammengelegt, diese Änderung über Lautsprecher  verkünden lassen und hat sogar noch anderen Rennfahrern aufgetragen, alle betreffenden Fahrer darüber zu informieren. Danach habe er mit dem Start auch noch kulanterweise bis ca.10.10 Uhr gewartet, ehe das Rennen gestartet wurde. Ich habe eben Pech gehabt und müsse das akzeptieren.

Natürlich sehe ich das nicht so, habe mich stattdessen im ÖRV-Regelwerk kundig gemacht und glaube, daß die Entscheidung des Rennleiters nicht ganz richtig war.

Meine Argumentation: Es stimmt schon, daß der Rennleiter bzw. das Renngericht Änderungen beschließen darf. Am Vortag in Loretto sind in der Klasse 1 doch 9 Fahrer gestartet (zu einem eigenen Rennen), in Oberwaltersdorf waren es mit 6 Mann zugegebenermaßen schon recht wenig. Aber wenn die Kat.1 zur Kat.2 gelegt wird, dann heißt das doch, daß das Rennen der Klasse 1 verschoben wird, nämlich zum geplanten Startzeitpunkt der Klasse 2. Ein Rennen nach hinten verschieben ist kein Problem, eines vorziehen, macht IMMER Probleme. Unter Punkt 2.2.03 heißt es im ÖRV-Regelwerk: „Mit Ausnahme von kleineren Änderungen im Streckenzeitplan sind Änderungen im Rennprogramm bzw.der technischen Ausschreibung NICHT gestattet, es sei denn, ALLE  betroffenen Parteien geben ihre Zustimmung oder das Reglement gebietet es.“ Ich glaube nicht, daß eine Vorziehung der Startzeit um gut 20 Minuten eine KLEINE Änderung ist, zumal ich nicht davon verständigt wurde. Die ganze Veranstaltung wurde sowieso künstlich hinausgezögert, indem nach jedem Rennen eine Pause von 10 bis 20 Minuten eingelegt wurde. Und da ist die Frage sehr wohl gestattet, wem es nicht zuzumuten gewesen wäre, auf diese Pausen zu verzichten und so einen Start um 10.30 Uhr oder 10.35 Uhr problemlos im Ablauf unterzubringen?

Unter 2.4.39.b heißt es dann noch: „Gemeinsame Startmöglichkeiten verschiedener Kategorien bei nationalen Rennen werden, wenn erforderlich,  laut Beschluß des ÖRV-Sportausschusses bekanntgegeben.“

Einen Hinweis auf irgendeine Aussendung des Sport-Ausschusses habe ich nicht erkennen können. Ist es nicht vielmehr so, daß eine Kategorie, die aufgrund fehlender Starter mit einer anderen zusammengelegt wird, immer der NÄCHSTHÖHEREN zugeordnet wird? Hätten dann nicht die Master-1-Fahrer  im Rennen der Amateure starten müssen? Der Effekt der Zusammenlegung der Klassen 1 und 2 war nämlich u.a. der, daß die Klassen 3 bis 6 ein gemeinsames Rennen fahren mußten, was auch bei vielen Startern auf Unmut gestoßen ist.

Tatsache ist, daß um 9.40 Uhr (bei einer geplanten Startzeit von 10 Uhr) noch keine Änderung bekanntgegeben war, diese also äußerst kurzfristig erfolgt sein muß, was natürlich noch größere Probleme geradezu provoziert.

Die Rechtfertigung des Rennleiters, die Änderung über Lautsprecher verkündet zu haben, kann ich nur als verspäteten und daher völlig unpassenden Faschingsscherz abtun. Dieser Lautsprecher war nur im Start/Ziel-Bereich hörbar, dort waren KEINE Autos von Rennfahrern geparkt. Und bis in die Nachbarorte, wo ich mich aufgewärmt habe, war der Lautsprecher natürlich NICHT zu hören, genauso wenig wie etwa 800 m weit weg, wo mein Auto und auch jenes von Hansl Rudolf geparkt waren.Und auch die Aussage, daß andere Rennfahrer alle zu benachrichtigen haben, kann ich nur als Ausrede gelten lassen, denn das ist NICHT Aufgabe der Rennfahrer, sondern des RENNGERICHTES. Und wenn ich die RECHTZEITIGE Benachrichtigung ALLER Teilnehmer nicht gewährleisten kann, dann darf ich eine solche Änderung eben NICHT beschließen, zumal eine dringende Notwendigkeit meiner Ansicht sowieso nicht bestanden hat, da ja auch bei den Rennen der Unlizenzierten ähnlich geringe Starterzahlen zu bemerken waren. Geringe Starterzahlen sollten sich vielmehr auf die PREISGESTALTUNG auswirken, nicht auf die STARTZEIT.

Um dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, habe ich bei einem der späteren Rennen (ich glaube, es war das Amateurrennen) den Sprecher folgenden Satz über Lautsprecher sagen hören: „WIR LEGEN HIER DIE REGELN ETWAS LIBERALER AUS!“ Der Zusammenhang dieses kryptischen Satzes blieb mir verschlossen, wohl aber macht es mich nachdenklich, wenn sich der Sprecher selbst zum Renngericht addiert oder aber auch nur den Manjestätsplural anwendet – wer genau ist mit „wir“ gemeint? Und was meint er mit „liberaler“?

Ich habe den Rennleiter noch gefragt, ob nicht HANSL RUDOLF und ICH, um nicht einen gänzlich verlorenen Tag zu haben, wenigstens im Rennen der Amateure mitfahren dürften, aber nur ein striktes Kopfschütteln und ein ganz klares, dezidiertes NEIN gehört.

Was das ganze Tohuwabohu noch prekärer macht, ist die Tatsache, daß das Kriterium in Oberwaltersdorf in den Masterklassen zum Ginner-Cup zählt, da gibt es eine eigene Ausschreibung (Jahreswertung!). Im Laufe dieses Cups ist im Kalenderjahr 2009 ein Streichresultat vorgesehen. Dieses wurde mir jetzt sozusagen zwangsweise verordnet, soll heißen, daß ich in allen restlichen Rennen dieses Jahres starten MUSS, KEINEN STURZ UND KEINEN DEFEKT HABEN DARF! Da würde ich es nur als recht und billig ansehen, wenigstens in der Masterklasse 2 dieses Rennen aus dem laufenden Cup zu streichen! Ich finde das nämlich sonst eine ganz eindeutige Benachteiligung unserer zwei Personen.

Mal ganz abgesehen von den Benzinkosten (die sowieso schon wieder steigen), den Übernachtungskosten, den Diäten usw. und, um es mal ganz hart auszudrücken, abgesehen vom ganzen Tag, der meinem Leben gestohlen wurde, möchte ich mit meinem Protest erreichen, daß ein solcher Fall nicht so bald WIEDER passiert bzw. daß die ganze Situation mit dem Ginner-Cup zu einer halbwegs sportlich zufriedenstellenden Lösung kommt.

Auf solche Art und Weise wird jedenfalls weder Werbung für den Radsport betrieben noch wird das Vertrauensverhältnis zwischen Rennfahrer und Funktionär und Verband gestärkt, im Gegenteil, damit wird so unglaublich viel zerstört, daß ich mich nur wundern kann, daß dieser (Image-)schaden so schnell und unüberlegt in Kauf genommen wird. Vor allem im vorliegenden Fall, den man auf mehrere Arten hätte zur Zufriedenheit aller lösen können. Stattdessen wurde eine Variante gewählt, die nur Verlierer zurückläßt.

In dem Vermutung, wahrscheinlich nichts mehr mit diesem offenen Brief verändern zu können, hoffe ich, wenigstens für zukünftige solche Ereignisse ein etwas sensibleres Bewußtsein zu schaffen. Über eine Stellungnahme, egal, ob offizieller oder privater Natur, würde ich mich freuen.

Mit sportlichen Grüßen, die beiden Master-2-Fahrer

ROBERT BARTONEK & RUDOLF HANSL

Am Donnerstag ist dann doch tatsächlich eine Antwort eingetroffen, Christian Glaner hat sich gemeldet, der Stellvertretende Sportausschuß-Vorsitzende. Einen Vorsitzenden gibt es ja nicht, dieser Posten ist seit Jahresbeginn vakant. Wenn man einmal glaubt, blöder geht´s nicht mehr, kommt von irgendwo der ÖRV daher!

Lieber Sportfreund!
Wir hatten am Donnerstag, 28.05., Sportausschusssitzung, und ich habe von
deiner Beschwerde erzählt. Natürlich war es von der Rennleitung sehr
ungeschickt, den Start für eine Kategorie vor zu verlegen. Wir werden in
Zukunft darauf achten und die Veranstalter darauf hinweisen, dass man zwar
durchaus später als geplant starten kann, dass aber Vorverlegungen von
Startzeiten zu vermeiden sind. Leider ist speziell bei der Kategorie Masters
die Problematik gegeben, dass manchmal genügend, dann aber wieder zu wenig
Starter vor Ort sind.
Ich hoffe, eine zufrieden stellende Antwort gegeben zu haben und wünsche Dir
und Rudolf Hansl eine erfolgreiche und vor allem unfallfreie Radsportsaison.
                         Mit sportlichen Grüßen
                         Christian Glaner

 Wenigstens haben wir jetzt erreicht, daß mit dem Thema „Start vorverlegen“ in Zukunft – hoffentlich, toi, toi, toi – etwas sensibler umgegangen wird. Was aber die vermurkste Ginner-Cup-Gesamtwertung angeht- auf die ja vor allem massiv Einfluß genommen wurde – gab es KEINERLEI Reaktion. Um eine solche aber zu erzeugen, werden wir weiterhin in diesem Sinne tätig bleiben.

 

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