Sonntag, 22. März 2009: Rundstreckenrennen um den Großen Feratel-Media-Technologies-Preis (H), 46,9 km

Das Wetter war frisch, aber sonnig (14°), leider hat ein unwahrscheinlicher Sturm geblasen. Und der Rundkurs über 3.350 Meter war auch alles andere als leicht. Am östlichen Stadtrand gelegen, hat sich der Kurs als wahre Kurvenorgie herausgestellt. Insgesamt 24 90-Grad-Kurven waren zu bewältigen, und dabei war die Zielgerade beinahe einen Kilometer lang. Der Straßenbelag war auch nicht der allerbeste, doch der Anstieg 800 Meter vor dem Ziel war das eigentliche selektive Hindernis.

Zunächst nach einer 90-Grad-Kurve bergab in einen Tunnel (Unterführung) rein, dann auf der anderen Seite hinauf, und wenn man dort aus dem Tunnel gekommen ist, ist man wie gegen eine Mauer gefahren: der Sturm ist genau von schräg links vorne gekommen, es waren dann etwa 25 Höhenmeter zu einer Überführung hinauf zu fahren, der gesamte Amnstieg war gute 250 Meter lang. Das Ganze war aber nur ein Verbindungsweg, daher keine zwei Meter breit, für Autos

Blick auf Zalaegerszeg

sowieso gesperrt. ES WAR EINE FUSSGÄNGERPASSAGE!!!

In der Altersklasse 40 Jahre aufwärts waren wir 48 Starter, und sofort ist es da mit ´Höchsttempo zur Sache gegangen. Nach dem Start waren wir noch 400 Meter lang geradeaus auf der Hauptstraße unterwegs, dann ist es links weg gegangen, und die Kuirvenorigie war eröffnet. Das Feld war zu dem Zeitpunkt schon langgezogen, bei der ersten Kurve hatte ich bereits 56 km/h, und das bei sehr starkem Gegenwind! Von da ab lest sich die Strecke wie das Gebetsbuch bei einem Rallyefahrer.

100 Meter geradeaus, dann links, hundert Meter geradeaus, dann rechts, nach 100 Meter wieder links, nach 200 Meter rechts, nach 100 Meter links, nach 100 Meter nochmals links, nach 50 Meter rechts, nach 100 Meter links, nach 200 Meter rechts, nach 150 m links, nach 100 m wieder links, und so weiter. Zu dem Zeitpunkt war das Feld aber schon über zwei bis drei Geraden auseinandergezogen, im Mittelfeld hat man da die Spitze schon gar nicht mehr gesehen. Ich habe innerlich fürchterlich geflucht und geschimpft, aber erst, als ich damit aufgehört habe, ist es besser gegangen.

Irgendwann war dann der Tunnel erreicht. Der eigentliche Grund, weshalb da alle so verrückt schnell weggefahren sind. Weil sie alle als Erste da rein wollten. Wenn sie das unbedingt wollen, dachte ich mir, sollte ich sie nicht aufhalten, also habe ich ihnen ihren Willen gelassen. Wie dumm das war, habe ich schnell gemerkt. Auf der schmalen Gasse sind die meisten dann stecken geblieben. Übersäuert, angeknackst sowieso, außer Atem, und bergauf obendrein, das war wohl für die kleinen ungarischen Herzchen zu viel.

Da sind furchtbare Löcher gerissen worden, einige sind überhaupt gleich still gestanden. Und weil die Gasse so schmal war, hat man da nicht mehr vorbei können. Vorne ist eine 15-Mann-Gruppe weggefahren, auf der Kuppe oben haben wir eine Vorrangstraße überquert, auf der anderen Seite ist es auf schmalem Weg wieder runter gegangen, diesmal aber schnurgerade, unten dann ein 90-Grad-Eck und wir waren auf der langen Zielgeraden.  Insgesamt 850 Meter lang, aber schon nach 450 Meter war der Zielstrich da. Vorsprung der Spitze: 25 Sekunden!

Über den Anstieg und die darauf folgende lange Gerade hat der Sturm darübergefegt, daß da kaum ein Weiterkommen war. Auf der Zielgeraden bin ich mit 32 km/h gefahren! Dummerweise war diese Passage sehr exponiert, die Gegengerade hingegen, die vielen Kurven, das war ziemlich verbaut und damit windgeschützt. Somit hat man vom Rückenwind kaum profitiert, durch die vielen Kurven hat man da auch nicht ordentlich schnell fahren können. Für mich stand fest, dieses Kaff sieht mich NIE MEHR WIEDER!!!

Zweite von 14 Runden, in den Kurven ist eine Verfolgergruppe vom Feld weg bzw. das Feld hat sich endgültig in mehrere kleinere Gruppen aufgelöst. Mit dem allerletzten Saft habe ich in der zweiten Gruppe mithalten können, wir waren 5 Mann, und die vier sind gefahren wie Mopeds. Bis zum Anstieg. Dort sind sie dann nicht mehr rauf gekommen, ich hatte oben auf einmal gute 100 Meter Vorsprung. Warten oder nicht? Ich bin weitergefahren, hätten die dummen Säcke doch gleich ordentlich fahren sollen! Auf der Zielgeraden ist die Spitze auch auseinander gebrochen, zwei Mann vorne, dann 5 Mann, dann 8, und dann bin ich gekommen. Auf die Achtergruppe vor mir hatte ich zu Beginn der Zielgeraden 30 Sekunden Rückstand, am Zielstrich waren es nur mehr 10, und bei der nächsten Kurve war ich dran.

In der dritten Runde hat sich dann nicht viel getan, weil alle schon ziemlich angeschossen waren. Die größeren Gruppen sind auch auseinander gefallen, es ist immer unübersichtlicher geworden, die Spitze habe ich samt Verfolger nicht mehr gesehen.

In der vierten Runde war plötzlich wieder alles beisammen, und postwendend ist mit hohem Tempo, also mit Brachialgewalt, wieder alles auseinander gefahren worden. Seltsame Taktik. 5 Mann vorne, dahinter 3 Mann, dann eine 6-Mann-Gruppe mit mir. Über den Anstieg war es in jeder Runde ausnahmslos anfangs ein schlimmes Gedränge, dann Stehversuche. Wieder ist zwei Runden später alles zusammengelaufen, und durch eine neuerliche Fetzerei gab es abermals eine neue Spitzengruppe, in der ich wieder nicht dabei war. Aus diesen Scharmützeln habe ich mich wohlweislich raus gehalten, bin statt dessen möglichst gleichmäßig und kräfteschonend gefahren.

Und es ist genauso gekommen, wie ich es mir gedacht habe: jeder neuerliche Ausreißversuch ist gefährlicher und erfolgversprechender als der vorhergegangene. Man muß nur Geduld beweisen, die Nerven behalten und den richtigen Zeitpunkt abwarten. Klingt einfach, funktioniert aber immer. Mit Fortdauer des Rennens bin ich immer besser in Schwung gekommen, während sich das Geschehen an der Spitze beruhigt hat.

Mit der 11. Runde ist es dann ans Eingemachte gegangen. In Führung war seit kurzem eine 3köpfige Spitze, dahinter zwei dreiköpfige Verfolgergruppen, dann eine sechsköpfige Gruppe, in der ich auch drin war. Weil die drei Gruppen weit vorne lagen, sind wir ziemlich gleichmäßig gefahren und dadurch der Spitze langsam aber stetig nähergekommen. Am Anstieg habe ich mich jedes Mal zurückgehalten, bin aber problemlos in der Gruppe drübergefahren.

An die Intervalle habe ich mich auch gewöhnt, und so bin ich in der 11. Runde am Anstieg voll drüber gefahren. Völlig überrascht haben sie anfangs mitgehalten, aber als ich dann oben auf der Kuppe angetreten habe, waren sie reif. Alleine runter und alleine auf die Zielgerade. Am Zielstrich hatte ich gut 20 Sekunden Vorsprung, die Gruppe vor mir war schon zum Greifen nahe. In der 12. Runde war ich dann in der dritten Gruppe drin, zu viert haben wir Jagd auf die zweite Gruppe gemacht. Am Anstieg war der Abstand dann schon ziemlich zusammengeschmolzen, aber das letzte Stück konnten die Säcke einfach nicht zu fahren – oder wollten sie nicht?

Also habe ich wieder die Initiative ergriffen und am Anstieg, wie schon in der Runde zuvor, mit einem scharfen Antritt oben auf der Kuppe die Gruppe auseinander gefahren. Mit hohem Tempo durch die Zielkurve auf die lange Zielgerade, und am Ende, kurz nach dem Zielstrich, war ich in der Verfolgergruppe drin. In der vorletzten Runde also drei Mann Spitze, vier Verfolger dahinter, Abstand ca. 30 Sekunden, gleichbleibend. Aber da war einfach der Wurm drin. Ich habe andauernd führen müssen, die anderen haben sich nicht gedrückt, die waren einfach tot. Der Abstand hat sich dann langsam wieder vergrößert. Was also tun?

Von hinten sind die die drei auch wieder näher herangekommen, also bin ich am Anstieg wieder weggefahren, doch diesmal war der Weg zur Spitze schon zu weit, auf der Zielgeraden bin ich nicht mehr herangekommen, bin dazwischen hängen geblieben. Letzte Runde. Manchmal hat es so ausgesehen, als würde ich vorne näher kommen, aber ich habe mich nur verzettelt, der Schwung war draußen, die Kraft weg, und etwa eineinhalb Kilometer vor dem Ziel waren die Verfolger wieder da. Und haben genau dann eine Fetzerei angefangen, als sie mich gestellt haben. Ergebnis: ich bin sofort abgerissen, habe etwas verschnauft und bin dann am Anstieg wieder voll drüber gehechelt. Auf der Kuppe oben habe ich zwei Fahrer eingeholt, die aber ihrerseits abgehängt waren.

Zieleinlauf: die dreiköpfige Spitze ist ungefährdet ins Ziel gekommen, die Verfolger dahinter waren ziemlich aufgesplittert, ich habe gerade mal einen einzigen niedersprinten können und bin Achter geworden. Nicht schlecht, aber nach den beiden Siegen der Vorwochen habe ich mir doch etwas mehr erwartet.

Robert

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