Monatsarchive: März 2009

Ergebnisse März 2009

8. März 2009: Großer Straßenpreis von Murska Sobota (SLO), 65 km

1. Robert Bartonek (Master)

 

15. März 2009: Großer Straßenpreis des Casinos/Cabarets Mond in Sentilj (SLO), 54,3 km

1. Robert Bartonek (absolut)

 

22. März 2009: Rundstreckenrennen um den Großen Feratel-Media-Technologies-Preis in Zalaegerszeg (H), 46,9 km

8. Robert Bartonek (Master)

 

27. März 2009: Giro di Gorenjska, 1. Etappe: Nacht-Rundstreckenrennen in Kranj (SLO), 49 km

42. Robert Bartonek (Master 40+)

 

28. März 2009: Giro di Gorenjska, 2. Etappe: Kranj – Jesenice (SLO), 69 km

32. Robert Bartonek (Master 40+)

 

28. März 2009: Giro di Gorenjska, 3.Etappe: Bled – Kranj (SLO), 55 km

42. Robert Bartonek (Master 40+)

 

29. März 2009: Giro di Gorenjska, 4. Etappe: Rund um Kranj (SLO), 126 km

15. Robert Bartonek (Master 40+)

 

27.-29. März 2009: Giro di Gorenjska (SLO), 299 km

9. Robert Bartonek (Master 40+)

Sonntag, 29. März 2009: Giro di Gorenjska, 4. Etappe: Straßenrennen rund um Kranj (SLO), 126 km

Regen, Regen, Regen!!!

Der heutige Schlußtag der Rundfahrt hat es in sich: nicht nur, daß mit 126 km die längste Etappe gefahren wird, regnet es auch noch in Strömen und es hat einen Temperatursturz gegeben, das Thermometer zeigt am Start nur mehr magere 9° C an. Verkürzt wird trotzdem nicht, alleine die Prozedur der Startvorbereitungen nimmt seine Zeit in Anspruch. Man muß sich sehr warm einpacken, man muß mehr essen vorher, man muß sich für dieses Wetter richtiggehend präparieren.

Schade, diese Rundfahrt hätte einen besseren Abschluß verdient gehabt. Die Etappe ist wieder topfeben, im Gebiet zwiwschen Kranj und Laibach wird kreuz und quer gefahren, jede Nebenstraße wird benutzt. Dadurch gibt es wieder viele Richtungsänderungen, sehr viele Kurven, natürlich ändert sich damit auch die Windrichtung alle paar Momente. Das ist auch deshalb wichtig, weil heute wieder ein sehr starker O-Wind bläst.

Vom Start weg wird heute – wegen des starken Regens – viel vorsichtiger und damit auch gleichmäßiger gefahren. 12 Fahrer liegen zeitgleich an der Spitze, ich bin der Zwölfte. Aber weil die Plazierungen zusammengerechnet werden, habe ich da schon einen so gewaltigen Rückstand, daß ich keine Chance mehr habe, durch eine vordere Etappenplazierung ganz vorne reinzufahren.

In den ersten beiden Rennstunden gibt es keine einzige Attacke – der Pulk, der sehr schnell kleiner wird, weil dauernd viele Fahrer aufgeben -, es wird gleichmäßig dem Ziel entgegengefahren. Ich habe auch keine Probleme damit, kann mich so voll und ganz darauf konzentrieren, dem Wind und Wetter zu trotzen. Der Bremsweg wird länger, die Kurven müssen vorsichtiger gefahren werden, am Hinterrad wird etwas mehr Abstand gehalten. Dazu braucht man einfach mehr Konzentration und Aufmerksamkeit. Der Gesamtführende Bostjan Slak kontrolliert mit seinem Team das Geschehen an der Spitze, er scheint mir sehr sicher zu sein. Seine Führung ist aber knapp, er führt nur mit 4 Plätzen vor seinem Landsmann Marco Cuderman.

So spulen wir also im unwirtlichen Sauwetter Kilometer um Kilometer ab, ich bin dick eingepackt in zwei Langarmtrikots und einem Kurzarmtrikot, darüber eine Regenjacke, kurze Hose, zwei Paar Socken mit jeweils einer Plastikeinlage dazwischen, Kappe und Helm, Winterhandschuhe. Aber schon nach einer Minute bin ich naß bis auf die Haut, und nach einer Weile kriecht dann auch die Kälte rein bis auf die Haut.

Anfangs wird gleichmäßig gefahren, konstantes Tempo, die Gruppe wird dennoch immer kleiner, weil ständig Fahrer aufgeben und das Handtuch werfen. Dieser Versuchung widerstehe ich ganz leicht, denn wenn so viele aufgeben, verbessert das meine Position automatisch. Erst auf den letzten 20 Kilometern wird dann aggressiv gefahren, und Slak und Cuderman kämpfen um den Toursieg. Slak führt mit 4 Plätzen Vorsprung, und weil die Spitzengruppe am Ende dann nicht mehr sehr groß ist, ist da nicht sehr viel Unterschied in den Ergebnissen zu erwarten.

Ich schlage mich so gut ich eben kann, reihe mich auf den allerletzten Kilometern ganz vorne ein und versuche dann, diese Position so lange wie möglich zu halten. Marjan Srnel (GS Barbariga) gewinnt diese Schlußetappe mit einem Schnitt von 41,4 km/h, Marco Cuderman wird Fünfter und gewinnt damit die Gesamtwertung. Nur mehr 9 Fahrer der zeitgleichen Spitzengruppe waren heute in der ersten Gruppe vertreten, ich war auch dabei, daher bin ich in der Gesamtwertung noch an die 9. Stelle vorgerückt. Mehr war für mich nicht drin, weil meine Platzziffer einfach zu schwach war. Dennoch, mit dem 9. Gesamtrang bin ich mehr als nur zufrieden. Die Slowenen, die vor mir klassiert sind, die sind allesamt ehemalige Olympia- und WM-Starter.

Endstand Gesamtwertung: 1. Marco Cuderman (SLO, Adria Mobile Novo Mesto) 299 km in 7:02:14/Gesamtschnitt 42,0 km/h/Platzziffer 53, – 2. Bostjan Slak (SLO, GS Barbariga) 55, – 3. Ljubo Csar (SLO, NK Maribor) 66, – 4. Primoz Cerin (SLO, KK Astra Lubljana) 67, – 5. Daniele Ferrari (ITA, New Moto Bike Team) 68, – weiters: 9. Robert Bartonek (ÖST, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 131, alle gleiche Zeit

 

Samstag, 28. März 2009: Giro di Gorenjska, 3.Etappe: Bled – Kranj (SLO), 55 km

Die Nachmittagsetappe hat keinerlei topographische Schwierigkeiten, ist topfeben, nur 55 km lang, aber das täuscht: die Geschlagenen vom Vormittag sinnen auf Revanche, beinahe die gesamte Etappe über herrscht sehr starker Rückensturm, im´Flachen wird nicht selten an die 60 km/h gefahren. Ich kurble die ganze Zeit nur mit 53/13 und 14. Und bei Rückenwind, noch dazu bei einem so starken, ist es immer gefährlich.

Blick über den See auf Bled

Und da es wieder – wie am Vormittag – kreuz und quer durch das Tal der Sava hin und her geht, mit vielen Kurven und Richtungsänderungen, ändert sich auch die Windrichtung andauernd. Der Wind bläst mal von hinten, dann von schräg rechts oder auch links. Und die 69 schweren Kilometer vom Vormittag sind auch nicht zu unterschätzen, die stecken jedem noch in den Beinen.

Ich mache mir da also keine Illusionen, was auf den ersten Blick so leicht aussieht, ist sicher sauschwer. Das einzige, das mir entgegenkommt, ist die allgemeine Müdigkeit, die sich über das Feld gelegt hat. Es wird bei weitem nicht mehr so ambitioniert gefahren wie am Vormittag. Aber auch das täuscht, denn kaum ist eine Ausreißergruppe vorne weg, wird aufs Tempo gedrückt.

Ich habe die ganze Zeit über nur Augen für den Gesamtführenden, für Bojan Ropret im Gelben Trikot. Zu spät überreiße ich, daß er an diesem Tag leider nicht das Maß aller Dinge ist. Von seiner Glanzleistung am Vormittag habe ich mich blenden lassen. Es beginnt, daß er die Attacke einer größeren Gruppe übersieht und dann nachfahren muß. Es sind etwa 20 bis 25 Mann, die sich vorne abgesetzt haben, dann organisiert er die Verfolgung, hat noch drei Helfer zur Hand, die aber dummerweise viel zu schwach sind.

Wenn die führen, halten wir den Abstand bestenfalls, wenn Ropret führt, holen wir auf. Ich lasse die Typen mal machen, irgendwann werden sie wohl merken, daß sie mehr tun müssen. Es hapert aber leider nicht am Wollen, sondern am Können. Die Verfolgung entwickelt sich zur großen Überschrift dieser Etappe. Wir sind etwa 30 Mann – also viel zu viele für eine effektive Verfolgung – kommen aber nicht und nicht auf eine vernünftige Distanz heran. Der Abstand pendelt zwischen 30 und 45 Sekunden, bei dem Wahnsinnstempo von über 50 km/h traue ich mir einen Soloritt wirklich nicht zu.

Also warte ich ab. Was habe ich schon zu verlieren? Es gibt Situationen, da muß man sich eben in Geduld üben. 30 km lang dauert die Verfolgungsjagd, dann sind wir endlich dran. Jetzt ist eine große Gruppe von knapp 60 Mann vorne. Der Gelbe ist auch dabei, an dem orientiere ich mich nach wie vor. Doch urplötzlich, ca. 5 km später, sehe ich ihn nicht mehr. Ich suche die gesamte Gruppe nach ihm ab, entdecke ihn aber nicht. Kein Zweifel, er ist nicht mehr dabei, ist zurückgefallen.

Aber warum? Defekt, Schwäche? Ich überlege nicht lange, fahre nach vorne und mische mich in die Führungsarbeit mit ein. Meine ganze Kraft und Energie lege ich in meine Führungen, das Tempo liegt nach wie vor bei über 50 km/h. Wann hat man schon die einmalige Chance, den Gesamtführenden und Sieger der letzten beiden Jahre entscheidend abzuhängen? Ich kann mich in der Gruppe halten, wir distanzieren bis ins Ziel die kleine Gruppe um Ropret um mehr als 2 Minuten, er fällt damit ganz entscheidend zurück.

Von den 19 zeitgleich Führenden waren diesmal 12 in der Spitze mit dabei, ich verbessere mich damit auf den 12. Gesamtrang. Bostan Slak heißt der neue Gesamtführende. Die durchaus erfolgversprechende Situation vor dem morgigen Schlußtag über 125 km rund um Kranj: ich habe noch keine einzige Sekunde eingebüßt, und wenn ich mich so halbwegs in der Nacht erhole, ist morgen noch alles drinnen.

Robert

Samstag, 28. März 2009: Giro di Gorenjska, 2. Etappe: Kranj – Jesenice (SLO), 69 km

Heute stehen zwei Etappen auf dem Programm, am Vormittag gleich die Königsetappe über 69 km nach Jesenice. Kreuz und quer geht es nach Norden, der starke Wind bläst meist seitlich ins Feld. Kurz vor dem Ziel ist dann noch ein schwerer 4 km langer Anstieg zu bewältigen, der Gipfel liegt nur 7 km vor dem Ziel.

Das Feld im Anstieg kurz vor dem Ziel

Bis dahin ist das Feld aber schon sichtlich kleiner geworden, am Anstieg dann geht es voll zur Sache. In der Mitte etwa wartet eine ca. 300 m lange 12 % steile Passage, an deren Ende greift der slowenische mehrfache WM- und Olympiateilnehmer Bojan Ropret an und kann sich absetzen. Dahinter ist die Hölle los, das Feld zerreißt völlig, ich verliere ziemlich an Boden, kann aber mein Tempo auch auf den restlichen eineinhalb Kilometern des Anstiegs halten. Ropret fährt alleine über den Gipfel, dahinter aufgesplittert die kleinen Gruppen und einzelnen Fahrer der Verfolger. Da ich alleine fahre, entschließe ich mich zu einem Gewaltsprint auf den letzten 200 m vor der Kuppe, der mich in die zweite Gruppe reinbringt.

 Da sind auch einige sehr starke Slowenen und vor allem Italiener drin, die machen in der Abfahrt gehörig Tempo. Ich hänge zwar nur hinten dran, habe aber alle Hände bzw. Beine voll zu tun, um mitzuhalten. Schnell haben wir ein paar einzelne Versprengte und die Verfolgergruppe eingeholt, und auch Ropret, der alleine im starken Gegenwind vor uns herumwürgt, kommt langsam wieder näher. Unmittelbar nach der 1000-m-Marke weiß ich, daß wir ihn noch schnappen werden. Trotzdem wehrt er sich verzweifelt und schafft es doch glatt, sich ins Ziel zu retten. Aber da er nur mehr einen knappen Meter Vorsprung hat, werden wir alle zeitgleich gewertet.

Leider kommt 2 km vor dem Ziel von hinten noch eine Gruppe heran, so sind wir dann 35 Mann, die um den Sieg fahren. Aber nur 19 davon waren auch am Vortag in der ersten Gruppe dabei, und da es hier keine Zeitgutschriften gibt, bin ich nach wie vor zeitgleich mit dem neuen Führenden, der jetzt Bojan Ropret heißt. Laut Ausschreibung entscheidet bei Zeitgleichheit die Summe der Platzziffer, und weil ich bei beiden Etappen ganz hinten in der Gruppe übern Zielstrich gefahren bin, liege ich auch nur am 19. Rang. Das Resümee bleibt aber dasselbe: ich habe bisher keine einzige Sekunde verloren, und so soll es dann auch am Nachmittag bleiben!

Robert

Freitag, 27. März 2009: Giro di Gorenjska, 1. Etappe: Nacht-Rundstreckenrennen in Kranj (SLO), 49 km

Start um 20.45 Uhr auf einem 3,5-km-Rundkurs (topfeben) in Kranj, leider sind so viele Nennungen (nämlich über 350!) eingegangen, daß die Veranstalter sich gezwungen sehen, die Kategorie Master 60+ ein eigenes Rennen fahren zu lassen. Um das doppelte Programm zeitlich überhaupt unterzubringen, startet meine Klasse Master 40+ um 20.45 Uhr über 14 statt 17 Runden, die Master 60+-Klasse fährt dann danach ab 22 Uhr gar nur mehr 5 Runden.

Den Rundkurs kenne ich noch von einem Eliterennen vor gut 15 Jahren, ein paar Kreisverkehre sind seitdem dazugekommen. Breite Straße, da sind die 245 Starter verhältnismäßig gut aufgehoben. Starter aus Slowenien, Kroatien, Mazedonien, Serbien, vor allem auch aus Italien sowie Deutschland haben sich eingefunden, die heimische Elite ist vollzählig versammelt.

Das merkt man vor allem beim horrenden Tempo, das vom Start weg gefahren wird. Die 43 km/h Schnitt der ersten Runde waren da nicht mehr als ein Aufwärmen. Ich bin endlich nach 6 Runden ständigen Nach-vorne-Fahrens an der Spitze angelangt, aber auch schon ziemlich kaputt. Dennoch kann ich mich dann erstaunlich schnell erholen, die Position auch sogar einigermaßen halten.

Erst ein Massensturz in der 10. Runde bringt wieder Chaos ins Rennen, es wird unrhythmisch, es folgt eine extrem schnelle Runde. Ich kriege gar nicht mit, als wir dann schon die 14. und letzte Runde erreicht haben und um den Sieg sprinten. Laut Ergebnisliste sind noch 54 Fahrer in der ersten Gruppe dabei, ich belege den 42. Rang, der Sieg geht an den slowenischen Meister Ales Hren, der sich vor Dan Gorisek und Milan Koic durchsetzt. Da es keine Zeitgutschriften gibt, liege ich in der Gesamtwertung nach dem ersten Tag auch zeitgleich mit dem Gesamtführenden. Das Resümee dieses Tages: noch ist nichts verloren!

Robert

Sonntag, 22. März 2009: Rundstreckenrennen um den Großen Feratel-Media-Technologies-Preis (H), 46,9 km

Das Wetter war frisch, aber sonnig (14°), leider hat ein unwahrscheinlicher Sturm geblasen. Und der Rundkurs über 3.350 Meter war auch alles andere als leicht. Am östlichen Stadtrand gelegen, hat sich der Kurs als wahre Kurvenorgie herausgestellt. Insgesamt 24 90-Grad-Kurven waren zu bewältigen, und dabei war die Zielgerade beinahe einen Kilometer lang. Der Straßenbelag war auch nicht der allerbeste, doch der Anstieg 800 Meter vor dem Ziel war das eigentliche selektive Hindernis.

Zunächst nach einer 90-Grad-Kurve bergab in einen Tunnel (Unterführung) rein, dann auf der anderen Seite hinauf, und wenn man dort aus dem Tunnel gekommen ist, ist man wie gegen eine Mauer gefahren: der Sturm ist genau von schräg links vorne gekommen, es waren dann etwa 25 Höhenmeter zu einer Überführung hinauf zu fahren, der gesamte Amnstieg war gute 250 Meter lang. Das Ganze war aber nur ein Verbindungsweg, daher keine zwei Meter breit, für Autos

Blick auf Zalaegerszeg

sowieso gesperrt. ES WAR EINE FUSSGÄNGERPASSAGE!!!

In der Altersklasse 40 Jahre aufwärts waren wir 48 Starter, und sofort ist es da mit ´Höchsttempo zur Sache gegangen. Nach dem Start waren wir noch 400 Meter lang geradeaus auf der Hauptstraße unterwegs, dann ist es links weg gegangen, und die Kuirvenorigie war eröffnet. Das Feld war zu dem Zeitpunkt schon langgezogen, bei der ersten Kurve hatte ich bereits 56 km/h, und das bei sehr starkem Gegenwind! Von da ab lest sich die Strecke wie das Gebetsbuch bei einem Rallyefahrer.

100 Meter geradeaus, dann links, hundert Meter geradeaus, dann rechts, nach 100 Meter wieder links, nach 200 Meter rechts, nach 100 Meter links, nach 100 Meter nochmals links, nach 50 Meter rechts, nach 100 Meter links, nach 200 Meter rechts, nach 150 m links, nach 100 m wieder links, und so weiter. Zu dem Zeitpunkt war das Feld aber schon über zwei bis drei Geraden auseinandergezogen, im Mittelfeld hat man da die Spitze schon gar nicht mehr gesehen. Ich habe innerlich fürchterlich geflucht und geschimpft, aber erst, als ich damit aufgehört habe, ist es besser gegangen.

Irgendwann war dann der Tunnel erreicht. Der eigentliche Grund, weshalb da alle so verrückt schnell weggefahren sind. Weil sie alle als Erste da rein wollten. Wenn sie das unbedingt wollen, dachte ich mir, sollte ich sie nicht aufhalten, also habe ich ihnen ihren Willen gelassen. Wie dumm das war, habe ich schnell gemerkt. Auf der schmalen Gasse sind die meisten dann stecken geblieben. Übersäuert, angeknackst sowieso, außer Atem, und bergauf obendrein, das war wohl für die kleinen ungarischen Herzchen zu viel.

Da sind furchtbare Löcher gerissen worden, einige sind überhaupt gleich still gestanden. Und weil die Gasse so schmal war, hat man da nicht mehr vorbei können. Vorne ist eine 15-Mann-Gruppe weggefahren, auf der Kuppe oben haben wir eine Vorrangstraße überquert, auf der anderen Seite ist es auf schmalem Weg wieder runter gegangen, diesmal aber schnurgerade, unten dann ein 90-Grad-Eck und wir waren auf der langen Zielgeraden.  Insgesamt 850 Meter lang, aber schon nach 450 Meter war der Zielstrich da. Vorsprung der Spitze: 25 Sekunden!

Über den Anstieg und die darauf folgende lange Gerade hat der Sturm darübergefegt, daß da kaum ein Weiterkommen war. Auf der Zielgeraden bin ich mit 32 km/h gefahren! Dummerweise war diese Passage sehr exponiert, die Gegengerade hingegen, die vielen Kurven, das war ziemlich verbaut und damit windgeschützt. Somit hat man vom Rückenwind kaum profitiert, durch die vielen Kurven hat man da auch nicht ordentlich schnell fahren können. Für mich stand fest, dieses Kaff sieht mich NIE MEHR WIEDER!!!

Zweite von 14 Runden, in den Kurven ist eine Verfolgergruppe vom Feld weg bzw. das Feld hat sich endgültig in mehrere kleinere Gruppen aufgelöst. Mit dem allerletzten Saft habe ich in der zweiten Gruppe mithalten können, wir waren 5 Mann, und die vier sind gefahren wie Mopeds. Bis zum Anstieg. Dort sind sie dann nicht mehr rauf gekommen, ich hatte oben auf einmal gute 100 Meter Vorsprung. Warten oder nicht? Ich bin weitergefahren, hätten die dummen Säcke doch gleich ordentlich fahren sollen! Auf der Zielgeraden ist die Spitze auch auseinander gebrochen, zwei Mann vorne, dann 5 Mann, dann 8, und dann bin ich gekommen. Auf die Achtergruppe vor mir hatte ich zu Beginn der Zielgeraden 30 Sekunden Rückstand, am Zielstrich waren es nur mehr 10, und bei der nächsten Kurve war ich dran.

In der dritten Runde hat sich dann nicht viel getan, weil alle schon ziemlich angeschossen waren. Die größeren Gruppen sind auch auseinander gefallen, es ist immer unübersichtlicher geworden, die Spitze habe ich samt Verfolger nicht mehr gesehen.

In der vierten Runde war plötzlich wieder alles beisammen, und postwendend ist mit hohem Tempo, also mit Brachialgewalt, wieder alles auseinander gefahren worden. Seltsame Taktik. 5 Mann vorne, dahinter 3 Mann, dann eine 6-Mann-Gruppe mit mir. Über den Anstieg war es in jeder Runde ausnahmslos anfangs ein schlimmes Gedränge, dann Stehversuche. Wieder ist zwei Runden später alles zusammengelaufen, und durch eine neuerliche Fetzerei gab es abermals eine neue Spitzengruppe, in der ich wieder nicht dabei war. Aus diesen Scharmützeln habe ich mich wohlweislich raus gehalten, bin statt dessen möglichst gleichmäßig und kräfteschonend gefahren.

Und es ist genauso gekommen, wie ich es mir gedacht habe: jeder neuerliche Ausreißversuch ist gefährlicher und erfolgversprechender als der vorhergegangene. Man muß nur Geduld beweisen, die Nerven behalten und den richtigen Zeitpunkt abwarten. Klingt einfach, funktioniert aber immer. Mit Fortdauer des Rennens bin ich immer besser in Schwung gekommen, während sich das Geschehen an der Spitze beruhigt hat.

Mit der 11. Runde ist es dann ans Eingemachte gegangen. In Führung war seit kurzem eine 3köpfige Spitze, dahinter zwei dreiköpfige Verfolgergruppen, dann eine sechsköpfige Gruppe, in der ich auch drin war. Weil die drei Gruppen weit vorne lagen, sind wir ziemlich gleichmäßig gefahren und dadurch der Spitze langsam aber stetig nähergekommen. Am Anstieg habe ich mich jedes Mal zurückgehalten, bin aber problemlos in der Gruppe drübergefahren.

An die Intervalle habe ich mich auch gewöhnt, und so bin ich in der 11. Runde am Anstieg voll drüber gefahren. Völlig überrascht haben sie anfangs mitgehalten, aber als ich dann oben auf der Kuppe angetreten habe, waren sie reif. Alleine runter und alleine auf die Zielgerade. Am Zielstrich hatte ich gut 20 Sekunden Vorsprung, die Gruppe vor mir war schon zum Greifen nahe. In der 12. Runde war ich dann in der dritten Gruppe drin, zu viert haben wir Jagd auf die zweite Gruppe gemacht. Am Anstieg war der Abstand dann schon ziemlich zusammengeschmolzen, aber das letzte Stück konnten die Säcke einfach nicht zu fahren – oder wollten sie nicht?

Also habe ich wieder die Initiative ergriffen und am Anstieg, wie schon in der Runde zuvor, mit einem scharfen Antritt oben auf der Kuppe die Gruppe auseinander gefahren. Mit hohem Tempo durch die Zielkurve auf die lange Zielgerade, und am Ende, kurz nach dem Zielstrich, war ich in der Verfolgergruppe drin. In der vorletzten Runde also drei Mann Spitze, vier Verfolger dahinter, Abstand ca. 30 Sekunden, gleichbleibend. Aber da war einfach der Wurm drin. Ich habe andauernd führen müssen, die anderen haben sich nicht gedrückt, die waren einfach tot. Der Abstand hat sich dann langsam wieder vergrößert. Was also tun?

Von hinten sind die die drei auch wieder näher herangekommen, also bin ich am Anstieg wieder weggefahren, doch diesmal war der Weg zur Spitze schon zu weit, auf der Zielgeraden bin ich nicht mehr herangekommen, bin dazwischen hängen geblieben. Letzte Runde. Manchmal hat es so ausgesehen, als würde ich vorne näher kommen, aber ich habe mich nur verzettelt, der Schwung war draußen, die Kraft weg, und etwa eineinhalb Kilometer vor dem Ziel waren die Verfolger wieder da. Und haben genau dann eine Fetzerei angefangen, als sie mich gestellt haben. Ergebnis: ich bin sofort abgerissen, habe etwas verschnauft und bin dann am Anstieg wieder voll drüber gehechelt. Auf der Kuppe oben habe ich zwei Fahrer eingeholt, die aber ihrerseits abgehängt waren.

Zieleinlauf: die dreiköpfige Spitze ist ungefährdet ins Ziel gekommen, die Verfolger dahinter waren ziemlich aufgesplittert, ich habe gerade mal einen einzigen niedersprinten können und bin Achter geworden. Nicht schlecht, aber nach den beiden Siegen der Vorwochen habe ich mir doch etwas mehr erwartet.

Robert

Wintereinbruch am Angerberg

21.März 2009: Wintereinbruch am Angerberg

Im Hause Unterguggenberger in Achleit am Angerberg ist der Winter wieder zurückgekehrt.

Das Training gestaltet sich unter solchen Witterungsverhältnissen natürlich zu einem Problem.

     

 

Sonntag, 15. März 2009: Straßenrennen um den Großen Preis des Casinos/Cabarets Mond in Sentilj (SLO), 54,3 km

Das Casino Mond (Werbeslogan Alles dreht sich um den Mond)

Nachdem ich die ganze Woche krank und verkühlt war, auch Fieber hatte, war natürlich klar, daß ich das geplante Straßenrennen Rund um den Gardasee streichen würde können. Nach längerer Internet-Suche bin ich dann aber doch noch fündig geworden, und nachdem ich gestern mal zum Test ein 80-km-Training gefahren bin, habe ich mich entschlossen, in Spielfeld auf der slowenischen Seite bei einem Straßenrennen an den Start zu gehen.

Eine seltsame Strecke war da ausgewählt worden (eigentlich gibt es hier ja keine!). Vom Start in Sentilj sind wir 9 km nach Süden gefahren, dann Wende und wieder 9 km zurück. Bei beiden Wendepunkten gab es eine klitzekleine Umkehrschleife, im Norden in Spielfeld sind wir über den Parkplatz des Casinos Mond gefahren, im Süden war es der Parkplatz eines klitzekleinen Bahnhofs.

Es gab nur eine einzige Altersklasse, von 15 bis 60 und älter sind alle in einer Gruppe gefahren, wir waren 37 Starter aus der näheren (ich) und ganz nahen Umgebung.

Im starken böigen Sturm sind alle nur geschlichen. Habe ich nicht verstanden, denn wir hatten Rückenwind. Erste Attacke also gleich nach dem Start, nachdem aber niemand reagiert hat, habe ich mich wieder einholen lassen. Danach habe ich mich darauf beschränkt, in den vordersten Positionen zu fahren und alle Löcher vor mir zuzufahren. Schon die erste Runde haben nur ganz wenige überlebt. Spätestens dann war mir klar, daß dieser Bewerb nicht mal Schüler-Niveau hat. Nicht mal die einfachsten Regeln des Hinterradfahrens haben sie beherrscht, haben wahllos nach rechts und links gewechselt. Als wir dann nur mehr 8 Mann waren, habe ich versucht, ihnen beizubringen, wie man am Hinterrad fährt und daß der Vordermann immer IN DEN WIND REIN wegschwenkt.

Das ist ungefähr 200 Meter lang gut gegangen, dann war es wieder so wie vorher. Zu viert sind wir in die Schlußrunde. Zunächst wieder mit Rückenwind, dann die letzten 9 km im Gegenwind. Die drei Schüler haben brav gewechselt, aber leider immer auf die falsche Seite, und in der Gruppe sind sie auch auf der falschen Seite gefahren. So sind wir alle vier schön brav voll im Wind gestanden.

Auf den letzten 4 km habe ich dann Ernst gemacht, auf einen Sprint wollte ich es nicht ankommen lassen, das erschien mir viel zu gefährlich. Als ich weg geschwenkt bin, habe ich beschleunigt, natürlich sitzend, Oberlenker, so daß der nachfolgende Fahrer gar nicht mehr vorbeigekommen ist. Ich gebe zu, da war mehr Gaudium als Kalkül dabei, ich habe mich dann umgedreht und mit einer resignierenden Handbewegung zu verstehen gegeben, daß ich dann halt alleine weiterfahre. Gesagt, getan.

Ich kann mich wirklich nicht erinnern, jemals einen Sieg derart aufgedrängt bekommen zu haben. Also habe ich das Geschenk angenommen. Zweites Rennen, zweiter Sieg. Ich glaube, das kann ein ganz interessantes Jahr werden.

Robert

Ostermontag, 13. April 2009: Straßenrennen in Grosuplje (SLO), 156 km

Heute steht eine 15,6 km lange Runde am Programm, es geht in Richtung Laibach bis Skofljica und wieder zurück, es wird wieder mit Vorgaben gefahren, diesmal haben wir 10 Runden (= 156 km) zu bewältigen. Gut, es ist wieder flach, aber die Distanz bleibt dennoch. Die Vorgaben: auf die Master 40+ haben wir 2:36, auf die Amateure 5:12 Minuten und auf die Elite ganze 7:48 Minuten. Klingt viel, ist es aber nicht wirklich.

Diesmal geht es ganz langsam los, so, als ob alle unbedingt so schnell wie möglich eingeholt werden möchten. In der zweiten Runde ist die jüngere Master-Klasse da, in der dritten Runde die Amateure, und in der 4. Runde dann schon die Elite. Die knapp 8 Minuten Vorgabe hat uns gerade mal 55 km weit gebracht! Teilweise führt der Rundkurs über sehr schmale Nebenstraßen, da wird unbarmherzig Tempo gemacht und selektiert, der Haufen wird sehr schnell kleiner, wobei heute bei weitem nicht so viele Starter waren als gestern. In meiner Klasse sind es heute jedenfalls nur 14 Fahrer, insgesamt tummeln sich gerade mal 122 Mann auf der Strecke! Da sieht man gleich, was doch ein paar Kilometer Distanz ausmachen!

Sieger Matej Stare

Die Runden 5 und 6 sind für mich die schwersten, denn ich muß den Tempounterschied zwischen Master 50+ und Elite mitfahren, und der ist nicht ohne! Dann habe ich mich so halbwegs daran gewöhnt, aber ich kann gerade mitfahren, aktive Fahrweise ist da nicht möglich. Daher muß ich auch trachten, immer schön im Feld zu bleiben, in der Gruppe, kein Loch aufzureißen, denn das könnte ich nicht zufahren. Ein paarmal ist es ganz, ganz knapp, vor allem in den engen Kurven, wenn abgebremst und danach scharf angetreten wird. Durch den Ziehharmonika-Effekt ist das in den hinteren Regionen des Feldes ganz schön brutal.

In der 9. und vorletzten Runde bin ich dann – leider doch – abgerissen, aber nicht alleine, und mit einer ganzen Gruppe kann ich postwendend wieder aufschließen. Gottseidank! Alleine hätte ich da das Kreuz machen können. Und herangekommen sind wir auch nur, weil das Feld die Beine hochgenommen hat, denn vorne ist eine 12köpfige Spitze auf und davon gefahren. Und in der letzten Runde kann ich mich dann durchaus im Hauptfeld behaupten und als 69. ins Ziel gfahren (im Feld haben wir 1:55 Minuten Rückstand auf den Solosieger Matej Stare (GS Perutnina Ptuj) und 1:32 auf die Verfolgergruppe.

Von meiner Kategorie (Master 50+) war außer mir niemand mehr im Feld dabei (gut, das Feld war auch nur mehr ca. 60 Mann stark), und somit konnte ich den Sonderpreis (Pokal und Blumenstrauß) für diese Kategorie in Empfang nehmen. Das Wetter war wieder ein Traum, 26° bei heiterem Himmel und nur ganz leichtem Wind.

 Robert

Sonntag, 8. März 2009: Großer Straßenpreis von Murska Sobota (Slowenien), 65 km

Saisonauftakt in Murska Sobota in Slowenien gleich hinter der österreichischen Grenze, eineinhalb Autostunden von Graz. In der Masterklasse (40 Jahre aufwärts) stehen 87 Fahrer am Start, für die Slowenen ist es bereits das zweite Rennwochenende der Saison. Bei idealem Wetter (heiter, 12°), aber sehr starkem NO-Sturm werden die ersten Kilometer abgespult, und der Wind ist auch der gefürchtete Scharfrichter dieses Rennens.

Vom Start weg halte ich mich ganz vorne auf, und zu Recht, denn der Wind zieht das Feld in die Länge und schon nach wenigen Kilometern reißt die lange Reihe an einigen Stellen. So wird die Spitzengruppe immer kleiner und bei der Wende in Lendava sind wir noch etwa 50 Mann, die im Rückenwind einen Schnitt von gut 48 km/h gefahren sind.

Panoramablick auf Murska Sobota

Die zweite Rennhälfte ist wegen des nunmehr von vorne kommenden Windes eindeutig schwieriger. Und sofort geht es hier um Leben und Tod, denn wenn man jetzt zurückfällt, kommt man sicher nie mehr ganz nach vorne. Als wir kurz hinter Lendava nach links auf eine Nebenstraße abbiegen, sind wir nur mehr 24 Mann.

Vorentscheidende Situation bei Renn-km 42: plötzlich sind 12 Mann vorne, und da auch Fahrer vom NK Maribor und vom KK Adria Mobili, dem stärksten slowenischen Klub, dabei sind, ist hinten im Feld niemand mehr, der für die Nachführarbeit sorgt. Diesen Vorstoß habe ich leider übersehen, erkenne aber sofort, daß ich da unbedingt dabei sein muß, um meine Chancen zu wahren. Im starken Gegenwind ist es sehr schwer, da alleine nach zu fahren, und trotz aller Bemühungen komme ich nur auf 38 km/h. So brauche ich 4 km (!), um dieses Loch von knapp 150 Metern zu zu fahren. Aber dann bin ich dran, und 19 km vor dem Ziel sind wir 13 Mann an der Spitze.

Ich reihe mich brav hinten ein und verhalte mich ruhig, muß auch verschnaufen und harre der Dinge, die da kommen. Von hinten hat man auch sehr viel mehr Überblick. Zweite vorentscheidende Situation bei km 56: nachdem wir mit schnellen Wechseln einen beruhigenden Vorsprung herausgefahren haben, beginnen die Einzelaktionen, und da ist es für mich sehr schwer, eine Orientierung zu finden, denn ich kenne die Säcke ja allesamt kaum.

Und wichtig und stark tun sie alle, das ist ein Imponiergehabe wie bei den Tieren. Ein Marburger greift an, ein Adria-Mobili-Fahrer hinterher, ein zweiter schließt postwendend auf. Zwei Adria-Fahrer vorne, zwei weitere setzen sich bei den Verfolgern an die Spitze. Ehe die sich halbwegs organisiert haben, bin ich zum zweiten Mal alleine unterwegs. Das riecht jetzt förmlich nach Entscheidung, ich bin diesmal auch sehr schnell an den dreien dran. Vier-Mann-Spitze 8 km vor dem Ziel.

Noch wechseln sie sich schön ab, ich halte mich da raus, hechle fürchterlich und pfeife aus dem letzten Loch, schneide erbarmungswürdige Grimassen,verdrehe die Augen, daß ich beinahe die Augäpfel verliere, spucke, röchle, und tatsächlich, nach einem ersten mitleidigen Blick beachten sie mich nicht weiter. Man glaubt ja nicht, wie anstrengend es ist, einen solch kaputten Eindruck zu erwecken, und beinahe glaube ich selber schon, daß ich mich übernommen habe. Zu dritt arbeiten sie, während ich sie mir genau betrachte. Viel Zeit habe ich nicht mehr, das Ziel kommt rasend schnell näher.

Ich gehe mal davon aus, daß einer der beiden Adria-Fahrer für seinen Teamkollegen den Sprint anziehen wird, und das dürfte logischerweise auch der sein, der jetzt noch arbeitet. Die Chancen des Marburgers sind demnach nicht sehr groß, der muß unbedingt versuchen, die beiden abzuschütteln. Er wird es – hoffentlich – dann versuchen, wenn der Adria-Fahrer aus der Führung geht, und das ist der Moment, in dem auch ich die Karten auf den Tisch legen muß. Bei meinen Sprintfähigkeiten bleibt mir in dieser Gruppe nur der 4. Rang, vielleicht mit viel Glück der dritte. Will ich mehr, muß ich aktiv werden.

Es wird ein nervenzerfetzendes Finale, keiner will den Tanz eröffnen. Ist ja auch logisch bei dem starken Wind. Wer wird als erster die Nerven wegschmeißen? Noch 3 km, ich habe mir die letzten 10 km beim Aufwärmen ganz genau angesehen, kenne jeden Kreisverkehr und jede Kurve. Die beiden Adria-Fahrer wirken nicht nervös, man merkt ihnen die Routine an, das macht sie gefährlich. Der Marburger blickt sich plötzlich um und sieht mir genau in die Augen, ich spucke aus und wende den Blick ab. Nein, nein, ich bin beileibe keine Gefahr für ihn. Ich scheine ihn überzeugt zu haben, es sind nur mehr 2 km. Ich habe nichts zu verlieren, ich kann warten. Je länger, desto besser für mich, denn desto kürzer ist der Weg zum Ziel. Ich fahre mit 53/16, die anderen mit 15. Ich schalte nicht, das verräterische Geräusch könnte sie auf dumme Gedanken bringen.

Als der Adria-Mann wegschwenkt, mit seinem Teamkollegen am Hinterrad, tritt der Marburger an. Ha, für sowas habe ich eine Nase – beinahe gleichzeitig hebe ich auch meinen Hintern. Der Adria-Helfer ist jetzt der nächste, kann aber nicht reagieren, und sein Kapitän hat den weiteren Weg. Der Marburger entwickelt angesichts der Zielgeraden erstaunliche Kräfte, macht aber den Fehler, alles in die Waagschale zu werfen, was er hat. Und dafür ist der Weg ins Ziel dann doch zu lang. Zwangsläufig wird er langsamer, unmerklich nur, aber ich kann auch diesmal warten. Fraglich, ob er überhaupt gemerkt hat, daß er nicht alleine ist. Nach hinten verschwende ich keinen Blick. Als sein Tempo von 44 km/h auf 42 und dann auf 40 fällt, warte ich noch ein paar Sekunden, er werkt ziemlich unruhig am Rad, und das, was er an Spucke verliert, ist auch vielsagend.

Ich sprinte ganz auf die linke Seite raus, in den Wind hinein, und beschleunige. Ohne mich umzusehen, weiß ich, daß er weg ist, reißen lassen  mußte. Wenig später bin ich unter der 1000-m-Marke durch. Keine Ahnung, ob es sich ausgehen wird, knapp wird es auf alle Fälle. Ich tippe mal darauf, daß die beiden Adria-Fahrer den Marburger bald schnappen, ich mache mich ganz klein, halte das Tempo bei ca. 47 bis 48 km/h, habe jetzt auch den Schutz der ersten Häuser von Murska Sobota, die den Wind etwas abschwächen.

Dann langsam und kontrolliert Tempo rausnehmen, bis runter auf 42 km/h, eine Kurve, ein Kreisverkehr, noch eine Kurve, dann ist da die lange Zielgerade, ich drücke mich links an die Absperrgitter, noch 500 Meter, noch 200 Meter, dann stehe ich auf und sprinte ins Ziel. Eine goldrichtige Entscheidung, denn nur Augenblicke später schießen sie an mir vorbei, einer rechts, einer links, die zwei Adria-Mobili-Fahrer. Ich kann ihre wütenden Gesten verstehen, denn schließlich ist das erst hinter der Ziellinie passiert.

Ein Saisonauftakt, wie ich ihn besser nicht hätte hinkriegen können: erstes Rennen, erster Sieg.

Robert