Sieg in Gran Canaria zum Saisonabschluß!

8. Dezember 2008: Sieg in Gran Canaria zum Saisonabschluß!

Robert Bartonek hat zum Saisonabschluß die 20. Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas gewonnen! An diesem Rennen über 6 Etappen nahmen an die 300 Fahrer aus 12 Nationen teil. Aus diesem aktuellen Anlaß bringen wir ein Interview mit dem 50jährigen Grazer.

Robert, zweite Teilnahme an der Vuelta Gran Canaria und gleich der Gesamtsieg. Ist deine Form im Dezember noch so gut gewesen? Zum einen das, zum anderen war es der Austragungsmodus nach Punkten und der Umstand, daß die meiste Zeit neutralisiert gefahren wurde. Dadurch waren Attacken, Solofahrten und Angriffe unmöglich gemacht, und dadurch hatte ich als Einzelfahrer auch keinen Nachteil gegen die größeren Mannschaften.

Du hast heuer 9 Siege in der Masterklasse errungen, im Vorjahr waren es 4 in der Hobbyklasse – worauf ist diese Steigerung zurückzuführen? Meine Knieverletzung ist wohl endgültig ausgeheilt, dadurch war ein qualitativ besseres Training im Winter möglich, dazu kam auch, daß es ein relativ milder Winter war, ich keine Infekte, keine Verletzungen hatte und dadurch ein kontinuierliches Training absolvieren konnte.

Wie weit hat da der Vereinswechsel mitgespielt? Sicher auch ein gutes Stück. Von Zeit zu Zeit braucht man einfach eine Änderung, wenn sich alles schon abgenutzt, ausgereizt und totgelaufen hat. Dann muß die Motivation wieder angekurbelt werden, und das geht halt am einfachsten, indem man irgendwelche Rahmenbedingungen ändert.

Zufrieden mit dem neuen Verein? Ein perfektes Umfeld ist kaum möglich. Aber wir sind ein Verein mit fast nur Fahrern der Masterklasse, wir haben mit dem Sigi Rothauer den Welt-, Europameister und Österreichischen Meister, und alle 4 Fahrer haben wir heuer Siege gefeiert. Das motiviert, spornt an, auszusetzen habe ich, daß mir einfach die Helfer fehlen. Ich bin in jedem Rennen auf mich allein gestellt, und das hat manchmal Nachteile.

Was wäre also realistisch zu verbessern? Man muß einfach mit kleinen Schritten zufrieden sein. Wenn jeder Neuzugang eine tatsächliche Verstärkung ist, dann hat man schon sehr viel erreicht.

Mit 50 Jahren bist du ja auch nicht mehr der Jüngste. Gibt es Momente, in denen du gerne jünger wärst? Im Rennen nicht, denn ich fahre ja in meiner entsprechenden Altersklasse, das heißt, wenn ich jünger wäre, würde ich ja auch in einer anderen Kategorie starten. Im Trainingsalltag aber merke ich nur allzu oft, daß das Alter ein Ballast ist, ich muß mich von Jahr zu Jahr stärker motivieren, es ist nicht mehr selbstverständlich, daß ich bei kaltem oder naßem Wetter meine Trainingsrunde fahre, die Regeneration dauert länger, mehrere schwere Trainhingseinheiten hintereinander werden da auch schon zum Problem.

Wie reagierst du darauf? Indem ich mein Alter akzeptiere, nicht so tue, als ob ich 25 wäre. Man kann auch viel mit Erfahrung und Routine ausgleichen. Wenn sich dann der Erfolg einstellt, ist das ein zusätzlicher Motivationsschub. Ich glaube, ich habe mir die Hörner genug abgestoßen, meine Sturm- und Drang-Zeit ist vorüber, jetzt fahre ich halt mehr mit Hirn. Schließlich bin ich in meiner Karriere schon so viele Rennen gefahren, habe da so viel gesehen und erlebt, daß mir absolut nichts mehr fremd ist. Mich kann nichts mehr überraschen.

Das klingt so, als wäre ein Sieg ein Kinderspiel und die logische Folge des Alters. Ha, so war das natürlich nicht gemeint. Schließlich bin ich auch nur ein Mensch und keine Maschine. Ich meine damit, daß man im Alter ein körperliches Manko eher mit Routine und Erfahrung ausgleichen kann als in jüngeren Jahren. Da hat man Kraft und Energie, aber keine oder wenig Erfahrung, daher verpufft die Kraft, da man sie nicht optimal einsetzt. Dieses Verhältnis ist im Alter eindeutig zugunsten der Erfahrung verändert.

Zurück zum Verein. Worin siehst du die Vorteile deines Vereinswechsels? Wir sind eine sehr, sehr starke Mannschaft, präsentieren uns nahezu optimal. Alle sind wir Siegfahrer, das kann ich gar nicht oft genug betonen, weil es genau das ist, was uns von anderen Vereinen unterscheidet. Die Fähigkeiten sind breit gestreut, wir können uns auf jedem Terrain durchsetzen. Wenn mal einer von uns ausfällt, springt halt ein anderer ein. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch. Wir sind Individualisten, haben in der Verganghenheit schon große Erfolge gefeiert, haben Routine und gelernt, uns alleine durchzusetzen.

Wie sehr bist du mit deiner persönlichen Saison 2008 zufrieden? Zufrieden ist ein Leistungssportler nie, denn man sieht immer genau die Punkte, die man verbessern kann und  muß. Den Erfolg oder Mißerfolg einer Saison beurteile ich eher damit, ob ich meine Möglichkeiten ausgeschöpft habe. Nach diesen Ansprüchen kann ich mich über das Jahr 2008 nicht beklagen, die Erfolgsbilanz ist eindeutig die beste seit meiner Knieverletzung 2003. Aber man muß auch im Erfolg bescheiden bleiben, darf nicht das Unmögliche verlangen.

Welche Ziele hast du für 2009? Mehrere, zunächst mal eine verletzungsfreie Saison. Die Ziele liegen wie immer in der zweiten Saisonhälfte, im Herbst. Ab August ist die Form wirklich gut, im September kann ich gewinnen. Und diese Form möchte ich in Ergebnisse ummünzen. Im Frühjahr habe ich auch kein Problem, einem Klubkollegen zum Erfolg zu verhelfen.

Welches waren deiner Meinung nach deine größten Erfolge der abgelaufenen Saison? Rein von den Zahlen her ist der Sieg natürlich das Höchste. Als meine sportlich wertvollsten Erfolge stufe ich den Sieg bei der Vuelta Gran Canara ein sowie den zweiten Gesamtrang im Lavanttaler Zeitfahr-Cup und den dritten im Ginner-Cup, weil es da hauptsächlich Zeitfahren und Kriterien gegeben hat, die mir eigentlich nicht so sonderlich gut liegen. Diese Disziplinen zählen nicht unbedingt zu meinen Stärken, daher ist mir ein Erfolg in einer solchen Sparte schon sehr, sehr wichtig.

Welches Rennen hast du heuer verhaut? Naja, auch da gibt es mehrere, wohl am meisten aber wurmt mich mein Abschneiden im Wachau-Marathon in Mautern, weil ich da im Finale so unglaublich viel eingebüßt habe.

Warum verhaut man ein Rennen? Weil man nicht in Form ist. Das äußert sich nicht nur in körperlichen Belangen, sondern auch in geistigen. Man ermüdet schneller, denkt nicht so klar, riskiert weniger, ist nicht so flexibel.

Wie siehst du das Problem der vielen Rennen, die alljährlich vom Terminkalender verschwinden? Das ist wirklich ein Problem, das ist ja bei uns in Österreich schon ganz deutlich zu spüren. Im Ausland gibt´s das Phänomen auch, aber bei uns halt ganz extrem.

Worauf ist das zurückzuführen? Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen wird das Angebot von den Fahrern ja gar nicht angenommen. Bei jeder traditionellen Veranstaltung gibt es rückläufige Teilnehmerzahlen. Wenn bei Österreichischen Meisterschaften keine zehn Starter pro Kategorie antreten, ist das ja eher peinlich. Der Grund? Sicherlich sind die Rennen nicht attraktiv genug. Bei Marathons etwa gibt es ja genug Starter. Es ist die gesamte Infrastruktur, sowohl die der Veranstalter, die an den Kosten der Veranstaltung scheitern, als auch die der Teilnehmer, die stark steigenden Benzinkosten, die allgemeine wirtschaftliche Lage, die Teuerung, aber auch die Arbeitslosigkeit, denn da hat man eher andere Sorgen als Rennen zu fahren. Die Sponsoren springen ab, wegen der gleichen Gründe, es ist immer weniger Geld da, die Infrastruktur ist im Radsport in Österreich sowieso nicht vorhanden, deshalb wirken sich diese Gründe alle sehr viel stärker aus als etwa im Ausland. Und wenn dann noch die vielen Dopingfälle dazukommen, ist das Image ohnehin negativ. Da will dann auch kaum jemand investieren.

Ist das Dopingproblem überhaupt in den Griff zu bekommen? Nein, sicher nicht. Durch Regeln nicht, denn die haben wir ja sowieso, durch Gesetze auch nicht, es macht keinen Sinn, Doping zu kriminalisieren, denn damit verhindert man gar nichts.

Also siehst du die Zukunft in dieser Hinsicht pessimistisch? Nein, realistisch. Doping hat es immer gegeben, wird es immer geben. Nur die Mitteln ändern sich.

Warum wird denn gedopt? Das liegt in der Natur des Athleten. Die Leute verstehen nicht, warum die Athleten gesundheitliche Risiken auf sich nehmen. Weil sie die Mentalität eines Athleten überhaupt nicht verstehen. Man bereitet sich auf die Rennen vor, man trainiert, man ändert die Lebensweise, man steckt so viel in dieses Leben hinein, so viel Geld, Energie, Zeit, Herzblut, so viel Leidenschaft, so viel Logik und so viel Besessenheit, und alles nur mit dem Ziel, die Leistung zu steigern. Nur darum geht es, nur darum nimmt man das alles auf sich. Alles definiert sich über die Leistungssteigerung. Da geht man jedes Risiko ein. Auch ein gesundheitliches. Und man nimmt und schluckt alles, was die Leistung steigert. Nur darum wird gedopt. Weil es die Leistung steigert.

Also eine eher pessimistischen Sichtweise. Nein, eine realistische. Man kann eine Entwicklung nicht zurückdrehen oder so tun, als ob es sie nicht gäbe. Fakten kann man nicht ignorieren.

Was kann man also tun? Vielleicht sollte man einfach akzeptieren, daß Österreich kein traditionelles Radsportland ist. Es ist unmöglich, daß ein so kleines, so unscheinbares Land, es schafft, den Radsport von Grund auf zu erneuern. Das ist Utopie. Man muß die Tests verfeinern, man kann nicht etwas verbieten, das man nicht mal nachweisen kann. Flächendeckende Tests, rigorose Strafen. Warum nicht eine lebenslange Sperre? Die zwei Jahre sitzen sie doch alle auf einer Arschbacke ab. Und danach sind sie alle stärker als je zuvor. Gedopt waren sie also schwächer als nachher, wenn sie angeblich sauber fahren. Für wie blöde schauen die alle an? Es müßten sehr viel mehr in die Pflicht genommen werden. Den Athleten zu sperren, wie lange auch immer, ist ja kontraproduktiv. Bei flächendeckenden Tests gehen einem doch irgendwann mal die Fahrer aus. Auch die Betreuer, Teamchefs, Rennställe,  vor allem die Ärzte und Pharmafirmen, gehören ebenfalls bestraft, und zwar empfindlich.

Was denkst und fühlst du, wenn du von einem Gedopten geschlagen wirst? Wenn ich mir das zu Herzen nehmen würde, dann dürfte ich kein einziges Rennen mehr fahren. Der ehemalige Marathonmeister war doch auch so einer, für den diverse verbotene Präparate schon zu den Grundnahrungsmitteln zählten. Es ist mir eine motivierende Freude, eine geradezu diebische Freude, solche aufgeblasenen Typen zu schlagen – manchmal halt. Interessant aber, daß ich, der ich nicht dope, mich dauernd damit beschäftigen muß, Rede und Antwort stehen muß, mich rechtfertigen muß, warum ich NICHT dope.

Also macht Doping Sinn? Natürlich, ich steigere ja die Leistung damit. Wenn das also der einzige Anspruch ist, dann würde ich auch dopen. Leider denken sehr viele halt nur von 12 Uhr bis mittags.

Man hört immer wieder die Argumente, daß eine große Tour ohne Doping nicht durchzustehen ist, bzw. daß die Fahrer unter solchem Druck stehen, der sie zu den Mitteln greifen läßt. Völliger Schwachsinn. Jedes Rennen ist auch sauber zu fahren. Und unter Druck stehen doch alle, auch die, die nicht dopen. Die haben sogar noch viel mehr Druck, müssen sich mit sehr viel mehr Aufwand dagegen wehren, als die, die schlucken und spritzen. Wenn alle sauber fahren würden, hätten wir dieselben Ergebnisse, nur die Fahrtzeit wäre halt langsamer. Aber wie gesagt, keiner kann eine Entwicklung zurücknehmen, und der, der den Anfang macht, ist der Beschissene.

Spätfolgen werden also ignoriert? So wie auch der Kettenraucher raucht, obwohl er weiß, daß Rauchen tödlich ist.

Kannst du dir vorstellen, deine Erfahrungen und dein Wissen an Nachwuchsfahrer weiterzugeben? Erfahrungen kann man nicht weitergeben, die muß jeder selber machen. Aber ich habe gemerkt, daß Spitzenfahrer meist nur sehr schlechte Trainer sind. Warum? Weil sie kompromißlos sind. Nur mit kompromißloser Arbeit kommt man an die Spitze. Und in der Trainerarbeit sind halt Kompromisse unumgänglich. Mit ein oder zwei Fahrer, die alle an einem Strang ziehen, könnte ich mir schon eine Arbeit vorstellen, mit einer ganzen Gruppe sicher nicht.

Wie lange willst du noch auf höchstem Niveau fahren? So lange es geht. Racer for life, wie der Amerikaner sagt. Radsport ist für mich Radrennsport, also untrennbar mit dem Wettkampf verbunden. Ein Leben ohne Radsport kann ich mir nicht vorstellen.

Ein passendes Schlußwort. Danke für das Gespräch.

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