1. Etappe: Maspalomas – Mirador de Ayagaures – Maspalomas, 31,1 km

Montag, 1. Dezember 2008

Heute geht es also richtig los, die erste Etappe, wohl mehr zum Einrollen gedacht mit ihren gerade mal 31 Kilometern, steht auf dem Programm. Und mit ihr einer der vor allem für Radtouristen wohl populärsten Anstiege der Insel, der Barranco del Ayagauros, hinauf auf den Mirador del Ayagaures, 11 km lang und bis zu 10 % steil. Ich bin nervös, ziemlich sogar, das Starterfeld ist riesig, an die 400 Fahrer stehen parat und setzen sich pünktlich um 11 Uhr in Bewegung. Meine Taktik? Heute abwarten und sehen, wie die Konkurrenz drauf ist.

Wichtig ist heute nur der Zieleinlauf, da heißt es beizeiten in Position fahren. Zunächst mal läuft alles wie erwartet, wir fahren geschlossen und neutralisiert hinter einem winzigen Vorausauto, einem Jeep, aus Maspalomas raus, queren die nördliche Umfahrungsstraße und sind sofort auf einer eher schmäleren Straße in Richtung Berge unterwegs, wenige Kilometer später sind wir auch schon im Hochtal des Barranco del Ayagaures, die Straße steigt gemächlich an, mit gerade mal 1 bis 2 %.

Miguel Indurain startet die erste Etappe, es geht zur Plaza de la Constitiucion in Maspalomas, wo die Etappe dann offiziell gestartet wird.

Den Berg selbst ignoriere ich völlig, das heißt, ich fahre langsam und bedächtig hinauf, gleichmäßig, und gleichmäßig falle ich auch zurück. Viele fahren an mir vorbei, und da kommen mir erstmals Bedenken, ob diese Taktik die richtige ist. Kann ich es mir überhaupt leisten, auf die Bergpunkte zu verzichten? Ist das nicht Größenwahn?? Egal, einmal eine Taktik im Kopf, muß ich mich auch daran halten, abgesehen davon, ist es jetzt sowieso zu spät, sie zu ändern.

Irgendwann bin auch ich oben am Aussichtspunkt und kann die Aussicht genießen, man sieht runter in den Barranco, mondähnliche Wüstenlandschaft, so weit das Auge reicht.

Ich habe trotz meiner langsamen Wutzlerei gerade mal 15 Minuten Rückstand aufgerissen. Natürlich keine Punkte. Und auch nur kurze Pause oben am großen Parkplatz, da sind mehrere Buffetstationen aufgebaut, da gibt es Trockenobst, Bananen, Nüsse, Biskuit, Schokolade, Energieriegel, Müeslischnitten, Mehlspeisen, Kuchen, Obst, Tee, Elektrolytgetränke, Orangensaft (natürlich frisch gepreßter!). Ich stopfe mir die Trikottaschen voll, schließlich soll das das Abendessen sein. Es dauert nicht lange, dann geht es wieder weiter, natürlich neutralisiert, den  Berg auf der anderen Seite runter, durch das Tal raus in Richtung Küste, nach Maspalomas zurück.

Jetzt ist die Plazierung im Ziel dann wichtig, also arbeite ich mich gleich nach der Abfahrt nach vorne in Richtung Auto. Das ist natürlich ein sehr begehrter Platz, den gibt niemand so leicht her, wenn er ihn einmal besetzt hat. Während ich um jeden Zentimeter kämpfe (die Sturzgefahr ist nur deshalb relativ gering, weil das Tempo so gering ist!), kommen wir dem Ziel immer näher und viel zu früh wird das Rennen freigegeben.

Da  beugt sich ein fetter Wicht aus dem Beifahrerfenster und schreit durchs Megaphon Vamos, vamos!!!, dann beschleunigt der Jeep langsam, 32 km/h, 35, 40, 45, 50, 60… usw. Wenn man da nicht gleich zu Beginn eine ausgezeichnete Position hat, ist jede Chance vorbei, ganz vorne zu landen. Man ist entweder zu weit hinten oder zu weit außen und ist zu früh abgerissen. Dieses Schicksal ereilt auch mich. Es zerreißt mich förmlich, als ich abreiße, ab er da hängen noch etwa 30 Mann am Auto dran.

Leider bin ich unmittelbar vor der Steigung abgerissen , die da zwischen den Dünen und Maspalomas liegt, den wir von der Küste kommend Richtung Maspalomas überwinden müssen. Viel zu lang, viel zu steil, obwohl er relativ flach und ganz kurz ist. Aber in dem Zustand der völligen Auflösung ist das zu viel. Ich trete förmlich auf der Stelle und weiß nicht mehr, wie ich ins Ziel gekommen bin. Ganz oben, im roten Bereich sozusagen, fehlt es mir ganz gewaltig, da fehlen einfach die Rennen der letzten Wochen. Auf den letzten 5 km flitzen noch einige Fahrer an mir vorbei, die schon vor mir abgerissen sind, die ich aber nicht halten konnte. Habe also noch ziemlich verloren. Ist jetzt die ganze Rundfahrt schon verloren? Platz 34 nach dieser 1. Etappe ist nicht gerade hoffnungsvoll.

Egal, jetzt muß ich das erst mal verdauen, dann sehe ich weiter. Morgen steht die Etappe auf dem Programm, auf die mich schon seit zwei Wochen konzentriert habe. Die Königsetappe im Norden der Insel mit insgesamt vier Bergen. Und auch das Ziel liegt oben am Berg. Da heißt es also endgültig die Karten aufdecken.

Ergebnisse, Gesamtwertung: 1. Enrique Sevilla Vecino (Spanien) 155 Punkte, – 2. José Pires (Portugal) 122, – 3. Viktor Hugo Santos(Portugal) 112, – 4. José-Juan Gonzales-Sanchez (Spanien) 108, – 5. Pedro Pulido Lopez (Spanien) 104,  weiters: 34. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl)  34 Punkte

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