Monatsarchive: Dezember 2008

Ergebnistabelle 2008

 

Tiroler Landermeisterschaft

BERG

1. Hans Unterguggenberger (Master 5/6)

3. Robert Bartonek (Master 3/4)

 

Österreichische Meisterschaft

STRASSE

2. Siegfried Rothauer (Master 6)

3. Hans Unterguggenberger (Master 6)

5. Johann Schweighofer (Master 3)

15. Robert Bartonek (Master 3)

KRITERIUM

1. Siegfried Rothauer (Master 6)

2. Johann Schweighofer (Master 3)

3. Hans Unterguggenberger (Master 6)

8. Robert Bartonek (Master 3)

BERG

4. Siegfried Rothauer (Master 6)

13. Robert Bartonek (Master 3)

 

 

Europameisterschaft

ZEITFAHREN

8. Siegfried Rothauer (Master 9)

STRASSE

1. Siegfried Rothauer (Master 9)

12. Hans Unterguggenberger (Master 8)

 

 

Weltmeisterschaft

ZEITFAHREN

20. Hans Unterguggenberger (Master 6)

STRASSE

1. Siegfried Rothauer (Master 70)

43. Hans Unterguggenberger (Master 9)

 

Ergebnisse Dezember 2008

Montag, 1. Dezember 2008: Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas,

1. Etappe: Maspalomas – Mirador del Ayagaures (E), 31,1 km

25. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

 

Dienstag, 2. Dezember 2008: Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas,

2. Etappe: Las Palmas de Gran Canaria – Agaete – Moya (E), 70 km

1. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

 

Mittwoch, 3. Dezember 2008: Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas,

3. Etappe: Maspalomas – Mogan – Presa de las Ninas – Maspalomas (E), 89,4 km

9. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

 

Donnerstag, 4. Dezember 2008: Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas,

4. Etappe: Maspalomas – Telde – Lomo Magulo – Telde – Maspalomas (E), 118,5 km

18. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

 

Freitag, 5. Dezember 2008: Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas,

5. Etappe: Maspalomas -Soria – Maspalomas (E), 68 km

12. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

 

Samstag, 6. Dezember 2008: Bergrennen Ingenio – Picos de las Nieves (E), 27,6 km

6. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

 

Sonntag, 7. Dezember 2008: Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas,

6. Etappe: Maspalomas – Guayadeque – Maspalomas (E), 89,2 km

18. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

 

Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas, Großer Bergpreis

8. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

 

Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas, Gesamtwertung Endstand (474,2 km)

1. Robert Bartonek (45-55 Jahre)

Termine für 2009

25. Dezember 2008: Termine für 2009

Hier ein paar Termine für den April 2009: 1. 4. Straßenrennen in Schwanenstadt, 18.4. Zeitfahren in Ybbs, 19.4. Kirschblütenrennen in Wels, 25.4. Lavanttaler Rundfahrt in Wolfsberg

Weihnachtsgrüße

23. Dezember 2008: Weihnachtsgrüße

Der RC UNION Unterguggenberger Wörgl wünscht allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern ein gesegnetes Fest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und eine sportlich erfolgreiche Saison 2009.

Und der Konkurrenz sei ins Stammbuch geschrieben, daß der ganze Trainingseifer an der Tatsache nicht rütteln kann, daß der RC UNION Unterguggenberger Wörgl auch 2009 WIEDER der stärkste Master-Verein Österreichs sein wird!!

Nachwuchs-Omnium-Bahnmeisterschaften im Rahmen der Internationalen Track Challenge in Wien

18./19. Dezember 2008: Nachwuchs-Omnium-Bahnmeisterschaften im Rahmen der Internationalen Track Challenge in Wien

Im Rahmen dieses zweitägigen internationalen Bahnrennens im Wiener Ferry-Dusika-Hallenstadion fanden auch die Nachwuchs-Omnium-Meisterschaften auf der Bahn statt. Im Mittelpunkt dieses fünfteiligen Rennens stand die erst 14jährige Niederösterreicherin Stephanie Strobl, die in der nächsten Saison für den UNION Unterguggenberger Wörgl an den Start gehen wird.

Nach den drei Bewerben des ersten Tages führte Stephanie mit 6 Punkten Vorsprung, aber am Finaltag belegte sie in den beiden Rennen nur den dritten Rang und wurde damit in der Gesamtwertung von der Wienerin Nadja Heigl (RLM Wien) knapp mit nur einem Punkt Differenz noch abgefangen. Nichtsdestotrotz ein Super-Erxgebnis für unser zukünftiges Vereinsmitglied! Gratulation nach Etsdorf am Kamp!

Das Endergebnis: 1. und Österreichische Meisterin Nadja Heigl (RLM Wien) 66 Punkte, – 2. Stephanie Strobl (RC UNION Langenlois) 65, – 3. Marlene Schilling (RLM Wien) 62 Punkte

 

Zwei Neuzugänge beim UGB Wörgl

12. Dezember 2008: Zwei Neuzugänge beim UGB Wörgl

In der neuen Saison 2009 wird es beim RC UNION Unterguggenberger Wörgl zwei neue Fahrer geben: Stephanie Strobl und Manfred Koch sind die beiden Neuzugänge, beide kommen vom RC Union Langenlois. Die 14jährige Stephanie Strobl hat sich in der abgelaufenen Saison 2008 als sehr vielversprechendes Talent erwiesen, sowohl auf der Straße als auch auf der Bahn. Drei Siege beim Rundstreckenrennen in Ried/Innkreis, beim Kriterium in Viehofen sowie beim Saisonabschluß in Graz-Seiersberg sowie viele Podiumsplätze lassen für die Zukunft große Hoffnungen aufkommen. Bei den Österreichischen Bahnmeisterschaften eroberte Stephanie im Sprintberwerb mit dem dritten Rang die Bronzemedaille.

Ihr Vater Manfred Koch eroberte bei den Österreichischen Zeitfahrmeisterschaften in Trieben die Bronzemedaille in der NÖ-Landesmeisterschaft, in der Paarzeit-Meisterschaft belegte er den 5. Rang. Leider hat im Herbst eine Schulterverletzung seine Saison abrupt beendet.

Und schon wieder ein Anschlag auf den UGB-Obmann!!!

11. Dezember 2008: Und schon wieder ein Anschlag auf den UGB-Obmann!!!

Der wievielte Anschlag war das jetzt schon in dieser Saison??? Wer hat mitgezählt? Wieder einmal wurde der UGB-Obmann Hans Unterguggenberger im Alltag von den hinterhältigen Attacken der Bösewichte überrascht, aber er ist zäh. Wieder einmal ist er glimpflich davongekommen. Aber wie lange noch? Um ein Haar hätte das diesmal böse ausgehen können. Aber lesen Sie selbst seinen Bericht:

Sehr geehrte Damen und Herren!  Nachgehend die Schilderung des mir am 11. Dezember 2008 widerfahrenen Ungemachs in Wörgl:

Am selbigen Tag um 16.35 Uhr verließ ich die Fa. Foto Lamprechter im sogenannten City Center, woselbst ich ein auf einem digitalen Aufnahmegerät vorhandenes Gespräch auf eine CD übertragen ließ. Mit meinem Fahrrad (vorne ein durch einen Dynamo gespeistes Licht nebst einem am Lenker aufgesteckten, weißen Blinklicht, sowie einem roten batteriebetriebenen Schlußlicht – allesamt in Betrieb) verließ ich das oben erwähnte Areal.

In Richtung Kommerzialrat-Martin-Pichler-Straße fuhr ich nach vorschriftsmäßigem Halten bei der Stoptafel mit ca 15 bis 20 km/h in Richtung Wörgler Hauptbahnhof; so weit kam ich aber nicht, denn als ich nach ca. 50 Metern die Ausfahrt eines rechts  befindlichen Parkplatzes, nichts Böses ahnend, passierte, fuhr plötzlich ein das dort angebrachte Vorrangzeichen 1/1c StVO § 52, cP24 negierender Lenker mit seinem PKW heraus und rammte mich samt Fahrrad seitlich hinten. Nachdem ich ohne mein Zutun das Fahrrad verlassen hatte, knallte ich auf die Straße und sah gerade noch, wie mich das Schlußlicht meines Rades überholte und ca. 20 Meter weiter vorne, immer noch brav leuchtend, zu liegen kam. Ich wollte mich erheben, ließ es aber ob der sogleich verspürten Schmerzen lieber bleiben. Ein freundlicher, mir bis dahin unbekannter Herr half mir dann aus dem Dreck, barg auf meine Bitte hin das einsam vor sich hinleuchtende Schlußlicht, legte es neben das Rad und mich auf den neben der Fahrbahn befindlichen Randstein. Derselbe Herr dürfte dann auch Rettung und Polizei verständigt haben.

Sodann erschien plötzlich der Lenker des beteiligten Fahrzeuges, offenbar ein hier eingesickerter Kleinasiate und tat sehr betroffen – nicht ohne mir vorher ein mit einem Kopftuch bewehrtes weibliches Wesen mit den Worten Das ist meine Frau vorzustellen. Ich tröstete ihn insoferne, als ich ihm sagte, das könne doch jedem außer mir passieren und außerdem hab es ja nur einen Einheimischen getroffen. Ob er es verstanden hatte, konnte ich nicht mehr feststellen, denn schon waren Rettung und Polizei zur Stelle. Ich wurde, nachdem ich zuvor noch bat, mir mein mit allerlei Nützlichem versehenes am Lenker des Fahrrades befindliches Behältnis zu bringen, in das Rettungsauto bahrlich verfrachtet. Darin angekommen suchte Herr Doktor Oberosler, der Arzt, nach einer geeigneten  Vene und leitete allerlei Flüssigkeiten in dieselbe. Auch scheint er mehrere kleine Röhrchen mit meinem Blut befüllt zu haben. Während er so vor sich hinwerkte, erschien in der geöffneten Seitentür ein Polizist, wie ich erfuhr, ein Herr Inspektor Friedl, ließ mich in ein mit einem (hoffentlich neuem und sauberem) Kunststoffröhrchen versehenes Kästchen blasen, mit dem Bemerken, in dem, wie mir schien, leises Bedauern mitschwang, Null komma Null, was immer das bedeutet haben mag. Bevor die anscheinend gewollt benebelnden Medikamente sich in mir ausbreiteten, gab ich noch Herrn Friedl auf dessen Verlangen den Schlüssel meines Radschlosses.

Dann fuhren wir los. Im KH Kufstein wurde ich durchleuchtet, betastet und mit Ultraschall traktiert. Man machte Anstalten, mich zu behalten, zumal das rechte Knie, da die Schmerzmittel langsam an Wirksamkeit einbüßten, bedenklich zu schmerzen begann.

Langsam konnte ich wieder klare Gedanken fassen und mit Entsetzen fiel mir ein, daß ich meinen mit fossilen Brennstoffen bestickten Ofen vor dem Verlassen meines Hauses (ich wollte ja nur kurz zur Familie Lamprechter und zum Bahnhof) bis oben mit Holz gefüllt hatte, damit es bei meiner Rückkehr schön warm wäre; nicht genug damit, hatte ich auf dem E-Herd einen Häfen Erdäpfel bei Schaltposition 1 zum Weichkochen stehen. Somit mußte ich abwägen, entweder die fürsorgliche Annehmlichkeit eines Krankenhausaufenthaltes zu genießen und damit die Möglichkeit eines Kaminbrandes (bereits erlebt) nebst einem wildgewordenen und schlußendlich in Brand geratenen Kochtopfes in Kauf zu nehmen, oder auf schnellstem Wege nach Hause zu gelangen. Ich entschied mich gegen die Annehmlichkeit und für ein nicht abgebranntes Haus, unterzeichnete einen Revers, ließ ein Taxi kommen und begab mich nach Hause, woselbst ich feststellen mußte, daß der Ölbrenner seine bis dahin klaglose Mitarbeit eingestellt hatte, nicht jedoch die Ölpumpe, die fleißig weiterpumpte. Einzelheiten will ich mir ersparen.

Bereits im Krankenhaus stellte ich das Fehlen eines noch leidlich gefüllten Parodontal-Fläschchens und des
Diktiergerätes fest. Beides muß mich wohl, in der Weste aufbewahrt, beim Flug vom Rad verlassen haben. Die Hose glutear und die Weste am Ärmel waren eingerissen. Hinzuzufügen ist noch, daß ich noch im Liegen auf der Straße mit meinem stets schußbereiten Fotoapparat eine Aufnahme des Unfallortes machte. Ein ärztliches Attest werde ich, sobald ich wieder mobil sein werde, so Gott will, nachreichen.

Mit freundlichem Gruß

Hans Unterguggenberger

Sieg in Gran Canaria zum Saisonabschluß!

8. Dezember 2008: Sieg in Gran Canaria zum Saisonabschluß!

Robert Bartonek hat zum Saisonabschluß die 20. Vuelta Ciclistica Gran Canaria/Maspalomas gewonnen! An diesem Rennen über 6 Etappen nahmen an die 300 Fahrer aus 12 Nationen teil. Aus diesem aktuellen Anlaß bringen wir ein Interview mit dem 50jährigen Grazer.

Robert, zweite Teilnahme an der Vuelta Gran Canaria und gleich der Gesamtsieg. Ist deine Form im Dezember noch so gut gewesen? Zum einen das, zum anderen war es der Austragungsmodus nach Punkten und der Umstand, daß die meiste Zeit neutralisiert gefahren wurde. Dadurch waren Attacken, Solofahrten und Angriffe unmöglich gemacht, und dadurch hatte ich als Einzelfahrer auch keinen Nachteil gegen die größeren Mannschaften.

Du hast heuer 9 Siege in der Masterklasse errungen, im Vorjahr waren es 4 in der Hobbyklasse – worauf ist diese Steigerung zurückzuführen? Meine Knieverletzung ist wohl endgültig ausgeheilt, dadurch war ein qualitativ besseres Training im Winter möglich, dazu kam auch, daß es ein relativ milder Winter war, ich keine Infekte, keine Verletzungen hatte und dadurch ein kontinuierliches Training absolvieren konnte.

Wie weit hat da der Vereinswechsel mitgespielt? Sicher auch ein gutes Stück. Von Zeit zu Zeit braucht man einfach eine Änderung, wenn sich alles schon abgenutzt, ausgereizt und totgelaufen hat. Dann muß die Motivation wieder angekurbelt werden, und das geht halt am einfachsten, indem man irgendwelche Rahmenbedingungen ändert.

Zufrieden mit dem neuen Verein? Ein perfektes Umfeld ist kaum möglich. Aber wir sind ein Verein mit fast nur Fahrern der Masterklasse, wir haben mit dem Sigi Rothauer den Welt-, Europameister und Österreichischen Meister, und alle 4 Fahrer haben wir heuer Siege gefeiert. Das motiviert, spornt an, auszusetzen habe ich, daß mir einfach die Helfer fehlen. Ich bin in jedem Rennen auf mich allein gestellt, und das hat manchmal Nachteile.

Was wäre also realistisch zu verbessern? Man muß einfach mit kleinen Schritten zufrieden sein. Wenn jeder Neuzugang eine tatsächliche Verstärkung ist, dann hat man schon sehr viel erreicht.

Mit 50 Jahren bist du ja auch nicht mehr der Jüngste. Gibt es Momente, in denen du gerne jünger wärst? Im Rennen nicht, denn ich fahre ja in meiner entsprechenden Altersklasse, das heißt, wenn ich jünger wäre, würde ich ja auch in einer anderen Kategorie starten. Im Trainingsalltag aber merke ich nur allzu oft, daß das Alter ein Ballast ist, ich muß mich von Jahr zu Jahr stärker motivieren, es ist nicht mehr selbstverständlich, daß ich bei kaltem oder naßem Wetter meine Trainingsrunde fahre, die Regeneration dauert länger, mehrere schwere Trainhingseinheiten hintereinander werden da auch schon zum Problem.

Wie reagierst du darauf? Indem ich mein Alter akzeptiere, nicht so tue, als ob ich 25 wäre. Man kann auch viel mit Erfahrung und Routine ausgleichen. Wenn sich dann der Erfolg einstellt, ist das ein zusätzlicher Motivationsschub. Ich glaube, ich habe mir die Hörner genug abgestoßen, meine Sturm- und Drang-Zeit ist vorüber, jetzt fahre ich halt mehr mit Hirn. Schließlich bin ich in meiner Karriere schon so viele Rennen gefahren, habe da so viel gesehen und erlebt, daß mir absolut nichts mehr fremd ist. Mich kann nichts mehr überraschen.

Das klingt so, als wäre ein Sieg ein Kinderspiel und die logische Folge des Alters. Ha, so war das natürlich nicht gemeint. Schließlich bin ich auch nur ein Mensch und keine Maschine. Ich meine damit, daß man im Alter ein körperliches Manko eher mit Routine und Erfahrung ausgleichen kann als in jüngeren Jahren. Da hat man Kraft und Energie, aber keine oder wenig Erfahrung, daher verpufft die Kraft, da man sie nicht optimal einsetzt. Dieses Verhältnis ist im Alter eindeutig zugunsten der Erfahrung verändert.

Zurück zum Verein. Worin siehst du die Vorteile deines Vereinswechsels? Wir sind eine sehr, sehr starke Mannschaft, präsentieren uns nahezu optimal. Alle sind wir Siegfahrer, das kann ich gar nicht oft genug betonen, weil es genau das ist, was uns von anderen Vereinen unterscheidet. Die Fähigkeiten sind breit gestreut, wir können uns auf jedem Terrain durchsetzen. Wenn mal einer von uns ausfällt, springt halt ein anderer ein. Dem Erfolg tut das keinen Abbruch. Wir sind Individualisten, haben in der Verganghenheit schon große Erfolge gefeiert, haben Routine und gelernt, uns alleine durchzusetzen.

Wie sehr bist du mit deiner persönlichen Saison 2008 zufrieden? Zufrieden ist ein Leistungssportler nie, denn man sieht immer genau die Punkte, die man verbessern kann und  muß. Den Erfolg oder Mißerfolg einer Saison beurteile ich eher damit, ob ich meine Möglichkeiten ausgeschöpft habe. Nach diesen Ansprüchen kann ich mich über das Jahr 2008 nicht beklagen, die Erfolgsbilanz ist eindeutig die beste seit meiner Knieverletzung 2003. Aber man muß auch im Erfolg bescheiden bleiben, darf nicht das Unmögliche verlangen.

Welche Ziele hast du für 2009? Mehrere, zunächst mal eine verletzungsfreie Saison. Die Ziele liegen wie immer in der zweiten Saisonhälfte, im Herbst. Ab August ist die Form wirklich gut, im September kann ich gewinnen. Und diese Form möchte ich in Ergebnisse ummünzen. Im Frühjahr habe ich auch kein Problem, einem Klubkollegen zum Erfolg zu verhelfen.

Welches waren deiner Meinung nach deine größten Erfolge der abgelaufenen Saison? Rein von den Zahlen her ist der Sieg natürlich das Höchste. Als meine sportlich wertvollsten Erfolge stufe ich den Sieg bei der Vuelta Gran Canara ein sowie den zweiten Gesamtrang im Lavanttaler Zeitfahr-Cup und den dritten im Ginner-Cup, weil es da hauptsächlich Zeitfahren und Kriterien gegeben hat, die mir eigentlich nicht so sonderlich gut liegen. Diese Disziplinen zählen nicht unbedingt zu meinen Stärken, daher ist mir ein Erfolg in einer solchen Sparte schon sehr, sehr wichtig.

Welches Rennen hast du heuer verhaut? Naja, auch da gibt es mehrere, wohl am meisten aber wurmt mich mein Abschneiden im Wachau-Marathon in Mautern, weil ich da im Finale so unglaublich viel eingebüßt habe.

Warum verhaut man ein Rennen? Weil man nicht in Form ist. Das äußert sich nicht nur in körperlichen Belangen, sondern auch in geistigen. Man ermüdet schneller, denkt nicht so klar, riskiert weniger, ist nicht so flexibel.

Wie siehst du das Problem der vielen Rennen, die alljährlich vom Terminkalender verschwinden? Das ist wirklich ein Problem, das ist ja bei uns in Österreich schon ganz deutlich zu spüren. Im Ausland gibt´s das Phänomen auch, aber bei uns halt ganz extrem.

Worauf ist das zurückzuführen? Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen wird das Angebot von den Fahrern ja gar nicht angenommen. Bei jeder traditionellen Veranstaltung gibt es rückläufige Teilnehmerzahlen. Wenn bei Österreichischen Meisterschaften keine zehn Starter pro Kategorie antreten, ist das ja eher peinlich. Der Grund? Sicherlich sind die Rennen nicht attraktiv genug. Bei Marathons etwa gibt es ja genug Starter. Es ist die gesamte Infrastruktur, sowohl die der Veranstalter, die an den Kosten der Veranstaltung scheitern, als auch die der Teilnehmer, die stark steigenden Benzinkosten, die allgemeine wirtschaftliche Lage, die Teuerung, aber auch die Arbeitslosigkeit, denn da hat man eher andere Sorgen als Rennen zu fahren. Die Sponsoren springen ab, wegen der gleichen Gründe, es ist immer weniger Geld da, die Infrastruktur ist im Radsport in Österreich sowieso nicht vorhanden, deshalb wirken sich diese Gründe alle sehr viel stärker aus als etwa im Ausland. Und wenn dann noch die vielen Dopingfälle dazukommen, ist das Image ohnehin negativ. Da will dann auch kaum jemand investieren.

Ist das Dopingproblem überhaupt in den Griff zu bekommen? Nein, sicher nicht. Durch Regeln nicht, denn die haben wir ja sowieso, durch Gesetze auch nicht, es macht keinen Sinn, Doping zu kriminalisieren, denn damit verhindert man gar nichts.

Also siehst du die Zukunft in dieser Hinsicht pessimistisch? Nein, realistisch. Doping hat es immer gegeben, wird es immer geben. Nur die Mitteln ändern sich.

Warum wird denn gedopt? Das liegt in der Natur des Athleten. Die Leute verstehen nicht, warum die Athleten gesundheitliche Risiken auf sich nehmen. Weil sie die Mentalität eines Athleten überhaupt nicht verstehen. Man bereitet sich auf die Rennen vor, man trainiert, man ändert die Lebensweise, man steckt so viel in dieses Leben hinein, so viel Geld, Energie, Zeit, Herzblut, so viel Leidenschaft, so viel Logik und so viel Besessenheit, und alles nur mit dem Ziel, die Leistung zu steigern. Nur darum geht es, nur darum nimmt man das alles auf sich. Alles definiert sich über die Leistungssteigerung. Da geht man jedes Risiko ein. Auch ein gesundheitliches. Und man nimmt und schluckt alles, was die Leistung steigert. Nur darum wird gedopt. Weil es die Leistung steigert.

Also eine eher pessimistischen Sichtweise. Nein, eine realistische. Man kann eine Entwicklung nicht zurückdrehen oder so tun, als ob es sie nicht gäbe. Fakten kann man nicht ignorieren.

Was kann man also tun? Vielleicht sollte man einfach akzeptieren, daß Österreich kein traditionelles Radsportland ist. Es ist unmöglich, daß ein so kleines, so unscheinbares Land, es schafft, den Radsport von Grund auf zu erneuern. Das ist Utopie. Man muß die Tests verfeinern, man kann nicht etwas verbieten, das man nicht mal nachweisen kann. Flächendeckende Tests, rigorose Strafen. Warum nicht eine lebenslange Sperre? Die zwei Jahre sitzen sie doch alle auf einer Arschbacke ab. Und danach sind sie alle stärker als je zuvor. Gedopt waren sie also schwächer als nachher, wenn sie angeblich sauber fahren. Für wie blöde schauen die alle an? Es müßten sehr viel mehr in die Pflicht genommen werden. Den Athleten zu sperren, wie lange auch immer, ist ja kontraproduktiv. Bei flächendeckenden Tests gehen einem doch irgendwann mal die Fahrer aus. Auch die Betreuer, Teamchefs, Rennställe,  vor allem die Ärzte und Pharmafirmen, gehören ebenfalls bestraft, und zwar empfindlich.

Was denkst und fühlst du, wenn du von einem Gedopten geschlagen wirst? Wenn ich mir das zu Herzen nehmen würde, dann dürfte ich kein einziges Rennen mehr fahren. Der ehemalige Marathonmeister war doch auch so einer, für den diverse verbotene Präparate schon zu den Grundnahrungsmitteln zählten. Es ist mir eine motivierende Freude, eine geradezu diebische Freude, solche aufgeblasenen Typen zu schlagen – manchmal halt. Interessant aber, daß ich, der ich nicht dope, mich dauernd damit beschäftigen muß, Rede und Antwort stehen muß, mich rechtfertigen muß, warum ich NICHT dope.

Also macht Doping Sinn? Natürlich, ich steigere ja die Leistung damit. Wenn das also der einzige Anspruch ist, dann würde ich auch dopen. Leider denken sehr viele halt nur von 12 Uhr bis mittags.

Man hört immer wieder die Argumente, daß eine große Tour ohne Doping nicht durchzustehen ist, bzw. daß die Fahrer unter solchem Druck stehen, der sie zu den Mitteln greifen läßt. Völliger Schwachsinn. Jedes Rennen ist auch sauber zu fahren. Und unter Druck stehen doch alle, auch die, die nicht dopen. Die haben sogar noch viel mehr Druck, müssen sich mit sehr viel mehr Aufwand dagegen wehren, als die, die schlucken und spritzen. Wenn alle sauber fahren würden, hätten wir dieselben Ergebnisse, nur die Fahrtzeit wäre halt langsamer. Aber wie gesagt, keiner kann eine Entwicklung zurücknehmen, und der, der den Anfang macht, ist der Beschissene.

Spätfolgen werden also ignoriert? So wie auch der Kettenraucher raucht, obwohl er weiß, daß Rauchen tödlich ist.

Kannst du dir vorstellen, deine Erfahrungen und dein Wissen an Nachwuchsfahrer weiterzugeben? Erfahrungen kann man nicht weitergeben, die muß jeder selber machen. Aber ich habe gemerkt, daß Spitzenfahrer meist nur sehr schlechte Trainer sind. Warum? Weil sie kompromißlos sind. Nur mit kompromißloser Arbeit kommt man an die Spitze. Und in der Trainerarbeit sind halt Kompromisse unumgänglich. Mit ein oder zwei Fahrer, die alle an einem Strang ziehen, könnte ich mir schon eine Arbeit vorstellen, mit einer ganzen Gruppe sicher nicht.

Wie lange willst du noch auf höchstem Niveau fahren? So lange es geht. Racer for life, wie der Amerikaner sagt. Radsport ist für mich Radrennsport, also untrennbar mit dem Wettkampf verbunden. Ein Leben ohne Radsport kann ich mir nicht vorstellen.

Ein passendes Schlußwort. Danke für das Gespräch.

6. Etappe: Maspalomas – Barranco di Guayadeque – Maspalomas, 82,3 km

Sonntag, 7. Dezember 2008

Hurra, es ist geschafft! Heute bei der sechsten und letzten Etappe gab  es noch dreimal Alarmstufe rot: Hinterraddefekt kurz nach dem Start, Massensturz bei der bereits freigegebenen Auffahrt auf den Guayadeque, den schwersten Anstieg der Rundfahrt, und dann im Finale bin ich aus dem Windschatten hinter dem Vorausfahrzeug gedrängt worden, mußte mich wieder zurückkämpfen, aber es ist sich ganz knapp ausgegangen – Sieg bei der 20. Auflage der Vuelta Gran Canaria di Maspalomas!!!

Die Taktik war klar: Sevilla Vecino und Mascaro Gomila, die beiden Spanier, die auf den Plätzen 2 und 3 der Gesamtwertung lagen, nicht aus den Augen lassen, beim 12 km langen Anstieg am Guayadeque mit 100 % mitfahren und, wenn irgend möglich, die beiden oben im Barranco abhängen, vor allem aber beim Zieleinlauf vor den beiden klassiert sein. Die Hauptfrage aber: wie habe ich das gestrige Bergrennen verdaut??? Eigentlich wäre es besser gewesen, zwei, drei Stunden irgendwo in Strandnähe herumzurollen, anstatt über 100 km abzuspulen, 30 davon steil bergauf. Durchdacht war es nicht, gescheit auch nicht. Und das alles für einen 6. Platz! Wenn ich gewonnen hätte, gut, es wäre ein Sieg gewesen, aber so…

Alarm gab es dann bereits nach 8 km, bei einem kleinen, aber steilen Anstieg an der Küstenstraße Richtung Las Palmas: ich bin hinten plattgefahren, habe im Anstieg gemerkt, daß die Luft langsam rausgeht, habe kühlen Kopf  bewahrt, bin mit dem letzten Rest von Luft im Reifen noch ganz nach vorne gefahren, an der rechten Seite abgestiegen, das Hinterrad rausgenommen, den Mantel runter (ich fahre mit Drahtreifen), den Schlauch raus, dann war das Feld erst vorbeigefahren. Ich habe den neuen Schlauch auch schon in der Hand, da bleibt der Mechanikerwagen stehen, schließlich fahre ich ja im Gelben Trikot mit dem riesengroßen blauen Logo der Vuelta Gran Canaria auf der Brust, da bleibt auch schon mal ein Materialwagen stehen, wenn es denn sein muß.

Es wart eine Eingebung heute früh gewesen, daß ich einen Reserveschlauch, die Reifenheber und eine kleine Preßluftflasche in der Trikottasche mitgenommen habe. Bisher hatte ich ja keinerlei Reservematerial mitgehabt, nur einen Satz Laufräder im eigenen Wagen im Startbereich, der mitfahrende Mechanikerwagen hat täglich ca. 15 bis 20 Sätze Laufräder mitgeführt und bei Bedarf die defektgeplagten Fahrer damit versorgt. Diesmal aber, weil ja der Anstieg für mich so wichtig ist, will ich es nicht darauf ankommen lassen, mit einem fremden Hinterrad diese Steigung fahren zu müssen, die immerhin bis zu 16 % steil ist.

Sofort springt ein Mechaniker mit einem Hinterrad in der Hand auf mich zu, drückt das Laufrad in den Rahmen, schiebt mir diesen unter den Hintern und mich an, und ich fahre schon wieder. Im letzten Moment drücke ich ihm noch den neuen Reserveschlauch in die Hand und sage ihm, er solle mir mein eigenes Hinterrad herrichten, ich würde sofort wieder zurück wechseln. Und ich tat recht daran, denn beim spanischen Hinterrad, das mit Zeus-Kränzen bestückt ist, springt die Kette. Und die Übersetzung ist auch nicht die ideale für mich. In diesem Fall ist es natürlich ein Geschenk des Himmels, daß das Feld nur mit 26 bis 28 km/h dahin rollt, ich bin in wenigen Minuten wieder ganz locker ran gefahren, und ungefähr 5 Minuten später bekomme ich das Signal vom Materialwagen, daß mein eigenes Laufrad wieder fahrbereit ist und wechsle wieder zurück.

Ich bin schnell wieder mit meinem eigenen Hinterrad im Feld, muß mich dann in der langen Reihe ganz nach vorne fahren, denn wir nähern uns langsam aber sicher Vecindario, wo wir links abbiegen ins Landesinnere und der Anstieg nicht mehr weit ist. Dann ist es soweit. Der Anstieg beginnt, anfangs noch ganz flach und moderat, 3 bis 4 %, aber bereits auf der schmalen Straße, die durch den Barranco später dann steil nach oben führt. Und genau diese schmale Straße ist das Problem, alle wollen direkt hinter dem Vorausauto einen Platz finden, ich natürlich auch.

Es gibt ein Gedränge und ein Gerangel, da sind Hände und Füße im Spiel, da wird schon mal gezogen und geschubst, und wie es auch manchmal so kommt, mit einem Mal liegen ein paar Fahrer auf der Nase, reißen im Fallen noch ein paar andere mit, und weil sich das alles ganz vorne abspielt, direkt hinter dem Wagen, fliegen auch aus der zweiten Reihe noch ein paar darüber. Ich komme auch zum Handkuß, habe zwar schon abgebremst und ausgesteuert, aber fast im Stehen falle ich dann doch noch um. Das sind die teuflischsten Stürze, weil sie immer die unangenehmsten Folgen haben.

Aufstehen, aufspringen, nachfahren, es sind jetzt ungefähr 50 Fahrer vor mir. Wo die beiden Spanier sind, die meine Konkurrenten sind, weiß ich in dem Moment nicht. Aber ich weiß, daß es ein Vorteil ist, wenn man ganz vorne in diesen Barranco reinfährt. Ich fahre über meine Verhältnisse, ich muß nach vorne hin, zu den Spaniern. Aber jetzt ist schon der Vorauswagen weggeschwenkt, das Rennen freigegeben, und die erste Fetzerei zieht das Feld in die Länge, reißt die ersten Löcher, die sofort gewaltig schnell aufgehen.

Da bin ich hinten auf verlorenem Posten. Ich kann nicht so lange fahren, bis es mich zerreißt, ich muß mein eigenes Tempo fahren, also langsamer. Schnell bilden sich kleine Gruppen, dazwischen ein paar röchelnde und hechelnde Einzelfahrer, irgendwo bin auch ich. Vorne sind die Spanier versammelt, denn es geht im Großen Bergpreis hier um die endgültige Entscheidung.

Da ist nämlich noch gar nichts entschieden, im Gegenteil, es sind sehr viele Fahrer, die da noch Chancen auf den Sieg haben, auch meine Wenigkeit zählt dazu. Ich muß mein Tempo fahren, darf mich nicht übernehmen, es steht zu viel auf dem Spiel. Ich kann nur hoffen, daß ich um einen Wimpernschlag schneller bin als die beiden Spanier, die ich übrigens noch immer nicht sehe. Sind die etwa noch vor mir? Muß wohl so sein.

Ich fahre hier mit 39/21, dann mit 39/23, und dann wird es richtig steil. Und ich bin bei 39/25 angelangt. Damit kann ich schön flüssig und rund kurbeln, und ich bin schneller als die Fahrer rund um mich herum, ich hole auf. 16 Prozent Steigung auf den letzten 4 km bis hinauf zum Restaurant in der Felsenhöhle, dort oben wird auch die Gedenktrophäe Antonio Martin entschieden, die der Sieger am Guayadeque erhält. Lange Gerade prägen hier das Bild, es sieht in etwa so aus wie am Hahntenjoch, um mal einen Vergleich zu strapazieren.

Vor mir sehe ich Jaime Font, den Spanier im Bergtrikot. Wenn ich so gut platziert bin, können doch meine beiden spanischen Freunde nicht mehr weit sein. Vor mir fährt eine Gruppe, zu der Font soeben aufschließt, er attackiert auch gleich, reißt diese Gruppe damit auseinander. Noch 3 km, hoffentlich zieht er jetzt nicht die falschen Leute mit sich mit. Es wird steiler, ich muß mich schinden und quälen, halte aber das Tempo, ich komme näher an die Gruppe ran, dann bin ich plötzlich an der Seite von Vescino, Mascaro entdecke ich weiter vorne. Wenigstens sind sie nicht außer Reichweite, das ist auf den letzten beiden Kilometern alles zu schaffen. Hoffe ich halt.

Das Finale. Der letzte Kilometer. Eine lange Gerade, vorne setzt sich Luis Alberto Garcia durch, wird Zweiter und gewinnt damit den Bergpreis. Jose Manuel Gallego heißt der spanische Sieger am Guayadeque. Gomila Mascaro sprintet bei der 500-m-Marke von mir weg, ich kann nicht mehr mithalten, und er zieht das hohe Tempo voll durch, fährt sogar noch bei ein paar anderen Fahrern vorbei. Im ersten Moment versuche ich, nachzusetzen, merke aber gleich, daß ich es nicht mehr drauf habe, setze mich wieder hin, und in dem Moment fliegt von hinten Vecino vorbei.

Aber diesmal gebe ich nicht klein bei, der ist ja auch der gefährlichere Fahrer. Ich denke nicht, ich sprinte an sein Hinterrad. Zusammen fliegen wir an Jimenez und Ortega vorbei, dann ist der erlösende Zielstrich da. Ich komme nicht mehr an ihm vorbei, aber wenigstens ist auch niemand zwischen uns. Der Pulsmesser zeigt mir später dann in dem Moment 197 Puls an.

Oben bei der Zwangsrast wird gerechnet. Wie sieht jetzt die Gesamtwertung aus? Hier am Guayadeque, dem schwersten Berg der gesamten Rundfahrt, ist Mascaro Gomila 13.  geworden, Jaime Font 14., Sevilla Vecino 17. und ich 18. Der Bergpreis geht an Alberto Garcia, der sich mit 127 Punkten durchsetzt. Die Gesamtwertung hat jetzt folgendes Bild: ich führe mit 464 Punkten vor Vecino mit 458 und Mascaro Gomila mit 433. 6 Punkte Vorsprung sind nicht wirklich viel, vor allem nicht beruhigend. Da ist noch alles offen.

Übrigens: Claudio Chiappucci ist auch auf  den Guayadeque raufgefahren und war etwa zweieinhalb Minuten hinter mir.

Rückfahrt, neutralisiert. Und weil es heute die letzte Etappe ist, wird das Rennen schon knappe 20 km vor dem Ziel freigegeben, und die letzten Kilometer hinter der Motorführung sind auch schon mit 40 km/h gewesen, der Wagen beschleunigt dann, 50 Sachen, 55, 60, dann sind schon nur mehr knappe 30 Mann in einer Traube hinten dran. Gut 20 Mann davon sind schon haarscharf am Abreißen, die können sich zwar noch halten im Moment, wenn sie dieses Tempo aber noch 20 Sekunden fahren müssen, sind sie weg.

Und dumm wie sie sind, halten sie so lange hin,  bis sie explodieren. Ich bin irgendwo am Rand dieser Traube, also auch schon fürs Abreißen vorgesehen. Keine Chance, da irgendwie in die Mitte rein zu kommen. Die eine Taktik wäre gewesen, sich in der Idealposition festzusetzen, und diese so lange wie möglich zu behaupten. Gut, das war nicht drin, da hatte ich nie eine Chance, dorthin zu kommen, weil dort schon die Spanier waren. Die andere Taktik ist, den richtigen Moment zu erwischen, und freiwillig ab zu reißen, um dann noch stark genug zu sein, alleine ein paar Positionen gutzumachen, an ein paar Abgerissenen vorbei zu fahren.

Man merkt in jeder Phase, daß das die Schlußetappe ist, in der das Endklassement gemacht wird, denn es wird mit wahnsinnig hohem Risiko gefahren, jeder hat eine Risikobereitschaft, die einfach unwahrscheinlich ist. Da wird wieder gerangelt und gedrückt, gezogen, geschubst und gedrängt. Ich sehe meine beiden Spanier irgendwo in der Mitte, die können also auf Grund ihrer Position noch ein paar Plätze raus schinden, als ich unvermutet einen harten Schlag aufs Hinterrad bekomme, was mich völlig aus der Spur wirft und um gut einen Meter nach links raus in Richtung Straßenmitte versetzt. Eigentlich ein Wunder, daß ich da nicht gestürzt bin, und das bei dem horrenden Tempo von gut 60 km/h. Damit ist auch schon alles geregelt, ich reiße ab, mehr unfreiwillig als freiwillig, aber eigentlich doch freiwillig.

Dann heißt es, so lange wie möglich das Tempo zu halten. Ich komme nicht weit. Mit 53/13 kurble ich, aber beim etwa 1,5 km langen Anstieg kurz vor Maspalomas ist Endstation. Dort komme ich natürlich mit Schwung nicht mehr drüber, aber am Fuße der Steigung hole ich Enrique Sevilla Vecino ein, meinen schärfsten Konkurrenten. Da habe ich auf einmal wieder alle Kräfte, die ich kurz vorher schon nicht mehr hatte, um an ihm wie ein Geschoß vorbei zu fliegen. Er hat ja so lange hingehalten, bis er explodiert ist, dementsprechend bewegungsunfähig ist er jetzt. Natürlich hat er nicht den Funken einer Chance, da einzusteigen. Als ich mich nach 100 Metern nach ihm umdrehe, sehe ich ihn 90 Meter hinter mir, wie er mit hochrotem Kopf verzweifelt nach Luft schnappt. Wie ein Fisch am Trockenen.

Meine Motivation steigt wieder ins Unermessliche. Das ist genau der Anblick, den ich gebraucht habe. Da geht es nicht nur um den Sieg. Sicher, in erster Linie schon. Aber es geht auch darum, zu zeigen, daß ich eben doch der Stärkere bin, es geht auch darum, zu beweisen, daß meine Taktik die bessere ist, es geht um Genugtuung. Ich fliege den Anstieg förmlich hinauf, hole auf diesen eineinhalb Kilometern noch fünf Fahrern ein, dann geht es dahinter bergab ins Ziel nach Maspalomas, und da hole ich mir noch einen. Ich bin richtig aufgestachelt, beinahe am Zielstrich hole ich mir noch einen. Insgesamt 9 Positionen also nach dem Abreißen gut gemacht! So viel habe ich noch nie geschafft, im Normalfall gewinnt oder verliert man höchstens einen. Aber dennoch muß ich noch zittern, denn der andere, Antonio Mascaro Gomila, darf nicht unter die ersten drei kommen!

Ein Stein fällt mir vom Herzen, als ich etwa 100 Meter nach dem Zielstrich, als ich noch nach Luft ringe und ausrolle, ihn plötzlich vor mir sehe, wie er völlig außer Atem halbtot zwei Plätze vor mir durchs Ziel gerollt ist! Noch einen halben Kilometer weiter, und ich hätte ihn auch gehabt! Damit müßte der Gesamtsieg sicher sein.

Ergebnisse, Großer Bergpreis (10 Wertungen): 1. Luis Alberto Garcia (Spanien) 127 Punkte, – 2. Omar Marentes (Argentinien) 126, – 3. Marti Coll Reus (Spanien) 122, – 4. Jaime Font (Spanien) 122, – 5. Jose-Manuel Gallego (Spanien) 121, – 6. Bernat Vincente Colmillo (Spanien) 118, – 7. Cesar Mendonca (Brasilien) 106, – 8. ROBERT BARTONEK (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 102, – 9. Angel Gonzalez Garcia (Spanien) 94, – 10. Gabriel Angel Ripoll (Spanien) 86

Ergebnisse, Endstand Vuelta Gran Canaria di Maspalomas: 1. ROBERT BARTONEK (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 513 Punkte, – 2. Antonio Mascaro Gomila (Spanien) 488, – 3. Enrique Sevilla Vecino (Spanien) 488, – 4. Jose Manuel Gallego (Spanien) 487, – 5. Omar Marentes (Argentinien) 466, – 6. Edgar Medellin (Kolumbien) 452, –  7. Pedro Pulido Jimenez (Spanien) 444, – 8. Javier Pupo Jimenez (Spanien) 439, – 9. Viktor Hugo Santos (Portugal) 436, – 10. Jose Pires (Portugal) 435, – 11. Jose-Luis Blanco Soto (Spanien) 419, – 12. Francisco Sanchez (Spanien) 366, – 13. Cesar Mendonca (Brasilien) 359, – 14. Jose Juan Gonzalez Sanchez (Spanien) 340, – 15. Luis Alberto Garcia (Spanien) 324, – 16. Jose Nicolau (Portugal) 306, – 17. Antonio Ortega Lombardo (Spanien) 278, – 18. Antonio Pujol (Spanien) 276, – 19. Jaime Font (Spanien) 270, – 20. Manuel Costa Pinho (Portugal) 213

Letztlich hatte ich also 25 Punkte Vorsprung, die Plätze 2 und 3 haben noch getauscht, und Gallego ist auch bis auf einen Punkt an das Podium herangekommen. Marentes war der wohl gefährlichste, der war in den letzten Tagen in einer Überform. Noch ein oder zwei Etappen mehr und er wäre wohl der Gesamtsieger gewesen. Da habe ich noch mal Glück gehabt. Am heutigen Schlußtag hat sich das Klassement noch einmal ziemlich zusammen geschoben. Um meinen Vorsprung von 25 Punkten mal etwas zu verdeutlichen: an einer Bergwertung wäre das der Abstand zwischen dem 1. und dem 9. Rang gewesen, im Tagesklassement war der Unterschied zwischen 1. und 4. Rang bereits 31 Punkte. Also ist es wirklich nicht übertrieben, wenn ich sage: DAS WAR VERDAMMT KNAPP!

Bergrennen Ingenio – Pico de las Nieves, 27,6 km

Samstag, 6. Dezember 2008

Jetzt habe ich mich also doch entschieden! Ja, ich starte beim Bergrennen, dem schwersten Europas, wie es der Veranstalter bewirbt, und das auch mit Zahlen belegt, der Anstieg ist steiler, länger, schwerer als etwa Stilfser Joch, Angliru, Mortirolo oder Alpe d´Huez. Gut, das ist natürlich maßlos übertrieben, unterm Strich bleibt die Tatsache, daß es ein sehr schwerer Anstieg ist. Das reicht ja auch. Sollte ich morgen die Rundfahrt noch vergeigen, habe ich die Arschkarte.

Ist mir auch klar. Aber ich kann´s halt auch nicht ändern, mich interessiert der Anstieg, mich interessiert die Möglichkeit, gegen Ex-Profis zu fahren, natürlich möchte ich morgen dann die Vuelta gewinnen. Und es gibt noch einen Grund für meinen Start: ich bin gestern sehr oft darauf angesprochen worden, daß ich ja nur deshalb im Gelben Trikot fahre, weil die zwei Spanier im entscheidenden Moment Defekt hatten. Nicht nur, daß ich gar kein richtiger Führender bin, mir wird auch das Gefühl gegeben, als hätte ich denen was GESTOHLEN!

Ich möchte halt auch beweisen, daß meine Führung zu Recht besteht, daß ich es durchaus drauf habe, daß ich auch dieses schwere Bergrennen fahren kann. Ich bin KEINE Eintagsfliege, und das sollen alle Ungläubigen heute und vor allem morgen dann sehen.

Naja, schon am Streckenprofil sieht man, daß das KEIN Honigschlecken wird! In Maspalomas wird um 10 Uhr gestartet, dann geht es neutralisiert knappe 30 km bis Ingenio, wo der offizielle Start mit der Zeitnehmung erfolgt. 27,6 km, 1855 Höhenmeter, der schwerste Berg Spaniens (angeblich).

Am Start gab es heute also noch Probleme. Anmeldungsschuß war nämlich gestern Abend gewesen, für heute waren gar keine Anmeldungen mehr vorgesehen. Erst nach langem Hin und Her, bei dem ich absolut kein Entgegenkommen der Veransalter erkennen konnte (ich kann zu wenig Spanisch, bei Deutsch, Englisch oder Italienisch stellte man sich auf  beiden spanischen Ohren taub!), bekam ich die Startnummer 88 zugewiesen, die bis zum Start niemand abgeholt hatte.

Irgendein Spanier hat sich angemeldet, dann aber den Schwanz eingezogen. Naja, so mutierte ich innerhalb kürzester Zeit zum Spanier Hilario Garcia. Kurz vor 9 Uhr sind wir in Maspalomas gestartet, 177 Fahrer sind ins Rennen gegangen. Neutralisierte Anfahrt über 30 km bis Ingenio, diesmal sind wir knapp 30 km/h gefahren, es ist ja auch flach gewesen, erst die letzten 3 km bis Ingenio sind bergauf gegangen. Mit dabei waren auch die beiden Ex-Profis Claudio Chiappucci und Marino Lejaretta

Das Wetter war nicht mehr so schön und warm wie in den vergangenen Tagen. Es hatte empfindlich abgekühlt, dicke, tiefhängende Wolken haben mich schon das Schlimmste befürchten lassen. Viele sind sogar langärmelig gefahren. Sollte es am Ende jetzt mit dem Schönwetter vorbei sein??? Pünktlich um 10 Uhr jedenfalls sind wir in Ingenio an der Plaza del Ayuntamiento gestartet. Sofort hohes Tempo, zwar gleichmäßig, aber grausam schnell. Bereits nach 2 km hat sich eine etwa 30köpfige Gruppe abgesetzt, zu der ich gerade noch mit dem allerletzten Dreck hinspringen konnte. Lejaretta und Chiappucci waren auch dabei.

Das Feld zieht sich in die Länge, das Tempo ist so hoch, daß da laufend welche zurückfallen. Es ist natürlich auch unrhythmisch, Löcher muß man selbstverständlich auch andauernd zufahren. Bis La Pasilla (km 6) kenne ich die Strecke, da bin ich vor Jahren schon mal raufgefahren. Danach beginnt für mich das Niemandsland. In La Pasilla haben sich schon 5 Mann abgesetzt, zunächst hat Antonio Bolano attackiert, sich abgesetzt, verfolgt von Francisco Fermin Herrera, Pedro Rovira, Joaquin David Martin und Jose Ramon Alvarez. Claudio Chiappucci und Marino Lejaretta sind noch bei mir.

Ich schere mich einen Teufel um irgendwen, fahre mein konstantes Tempo den Berg hinauf, so schlecht fahre ich damit nicht. Ein paar Meter vor mir fährt Chiappucci, mindestens genauso gleichmäßig wie ich, daher ist er für mich in dieser Phase ein sehr guter Anhaltspunkt. Er liegt etwa 80 bis 100 Meter vor mir, Lejaretta ist hinter mich zurückgefallen. Etwas später merke ich, wie ich anscheinend schnell schwächer werde, und zwar paßt es mit der Atmung einfach nicht mehr. Wahrscheinlich ist es die übergroße Fünf Mann Spitze quälen sich durch den dicken Nebel nach oben.

Luftfeuchtigkeit, schließlich fahren wir seit etwa 1 km nach dem Start in einer dicken Nebelsuppe. Es ist auch nicht leicht für mich, nachdem ich schon am Start gemerkt habe, daß NIEMAND von meinen Rundfahrts-Konkurrenten hier heute dabei ist! Die sind alle bestenfalls Zuschauer, wahrscheinlich stehen sie irgendwo am Straßenrand und zeigen lachend mit ihren Fingern auf mich! Das heißt aber auch, daß die Starter hier alle bei der Rundfahrt nicht dabei waren, nur wegen diesem Bergrennen hie her gekommen sind und natürlich alle ausgesprochene Bergspezialisten sind!

Antonio Bolanos führt nach wie vor solo, dahinter die Verfolger, die aber bald schon aufschließen und dann zu fünft sich durch den dicken Nebel kämpfen. So vergehen ein paar Kilometer, dahinter zerfällt das Feld immer mehr, die Positionen pendeln sich ein, man sieht jetzt immer wieder dieselben Gesichter, wenn man nach vorne schaut oder sich umdreht. Ich fahre das folgende Steilstück gleich mit 39/25 und hoher Frequenz, versuche erst gar nicht, mit da mit dem 23er herumzuquälen. Doch die hohe Luftfeuchtigkeit macht mir einen Strich durch die Rechnung. Ich kann die hohe Frequenz nicht mehr fahren, muß dann doch sehr bald aufs 23er gehen, wenn ich härter fahre, fällt es mir in der hohen Luftfeuchtigkeit etwas leichter. Falls man in dem Zusammenhang überhaupt von LEICHTER sprechen kann.

Die Entscheidung fällt in Caldera de los Marteles nach 17 km. Jose Ramon Alvarez greift an, nutzt einen Moment der Schwäche seiner Konkurrenten und setzt sich alleine in Führung. Bei km 20 liegt er bereits 42 Sekunden vor den Verfolgern. Und auch bei mir ist das ein besonders schweres Stück, kurz vor dem Flachstück in Caldera de los Marteles muß ich ziemlich hinhalten, ich quäle mich förmlich in die flache Passage rein, habe natürlich vorher am Streckenprofil gesehen, daß es hier deutlich flacher wird und so geglaubt, ich kann mich da durchaus mit etwas mehr Einsatz über die Kuppe wuchten.

Hat auch gestimmt, ich habe auf diesem einen knapp halben Kilometer vier Positionen gutgemacht. Ausgelöst aber wurde das durch Chiappucci, der – als langjähriger Canaria-Liebhaber kennt er diesen Anstieg natürlich ganz genau – plötzlich das Tempo verschärft hat und mich dadurch indirekt und ungewollt auch animiert und motiviert hat.

Die letzten 5 km sind dann nur mehr ein Verteidigen und Position halten. Chiappucci ist außer Sicht, ich kann ihn auch auf längeren Geraden nicht mehr sehen. Vorne verteidigt Alvarez seine Führung, und auch ich bin jetzt nur mehr bestrebt, meinen Platz zu halten. Es wird auch eine Spur flacher auf den letzten 2 Kilometern, aber die Distanz und vor allem die Luftfeuchtigkeit setzen mir und sehr vielen anderen auch schwer zu.

Vorne gewinnt Alvarez, Fermin Herrera wird so wie im Vorjahr Zweiter. An den Streckenrekord von 1:10  Stunden kommt bei diesem Wetter aber niemand auch nur annähernd heran. Alvarez siegt in 1:19:54, das ist die mit Abstand langsamste Siegerzeit aller bisherigen Austragungen. Chiappucci kommt mit seiner Schlußoffensive in 1:23  noch auf den ausgezeichneten 12. Platz, ich belege in 1:32 den auch nicht so schlechten 22. Platz.

In meiner Altersklasse 45 bis 55 Jahren bedeutet das den immerhin sehr guten 6. Rang, da ist Chiappucci Dritter geworden. Da sieht man wieder, daß ein Ex-Profi halt doch auch Jahre nach seiner aktiven Karriere noch einiges drauf hat und vor allem, was eine solide Grundlage alles möglich macht.

Alles in allem bin ich heilfroh, im Ziel zu sein, mein Platz war relativ eindeutig und klar, denn eine gute halbe Minute vor und hinter mir war niemand. Ob ich es bereut habe, hier gestartet zu sein? Das kann ich morgen erst sagen, im Moment möchte ich mich nur ausruhen. Aber es steht mir ja noch einiges bevor: die letzte Etappe folgt noch, das Ausrollen, runter zum Start.

Mit einem Kleidertransport habe ich ein paar warme Sachen zum Anziehen ins Ziel transportieren lassen, ich ziehe mich jetzt um und fahre dann direkt vom Picos de las Nieves, der seinem Namen alle Ehre macht (Gipfel im Nebel), runter nach Maspalomas. Sind auch wieder 49 km, und zusammen mit der neutralisierten Anfahrt (30 km) und dem Rennen (28 km) bin ich heute auch wieder auf 107 km gekommen.

Ergebnisse Tageswertung: 1. Jose Ramon Alvarez Gutierrez (Spanien) 1:19:54, – 2. Francisco Fermi Herrera Rodriguez (Spanien) -0:32, – 3. Joaquin David Martin Hernandez (Spanien) -0:56, – 4. Pedro Rovira Alba (Spanien) -1:17, – 5. Alessandro Raisoni (Italien) -1:44, – 6. Pablo Munoz Retamal (Spanien) -1:45, – 7. Marcos Manuel Garcia Ortega (Spanien) -2:04, – 8. Antonio Bolano Dominguez (Spanien)  -2:17, – 9. Doroteo Martinez Lopez (Spanien) -2:35,  10. Luis Alberto Garcia Landa (Spanien) – 3:10, – weiters: 12. Claudio Chiappucci (Italien) -3:49, – 22. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -12:43, – 46. Marino Lejaretta (Spanien) -21:24

Ergebnisse Altersklasse 45-55 Jahre: 1. Francisco Fermi Herrera Rodriguez (Spanien) 1:20:26, – 2. Luis Alberto Garcia Landa (Spanien) -2:38, – 3. Claudio Chiappucci (Italien) -3:17, – 4. Eduardo Suarez Diaz (Spanien) -6:31, – 5. Michael Fenske (BRD) -7:50, – 6. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -12:11

Gruppenfoto im Ziel am Pico de las Nieves: hintere Reihe von links: Marino Lejaretta, Joaquin David Martin Hernandez (3.), Jose Ramon Alvarez Gutierrez (Sieger), Francisco Fermi Herrera Rodriguez (2.), Claudio Chiappucci, vorne von links: Joanne Merritt (3.), Rosemary Byde (Siegerin), Christine Ladkin (2.)

Ein paar Zahlen noch zu diesem Bergrennen: Maximalpuls 192 (gut, da kann man nicht mehr von einer lockeren Partie sprechen), Durchschnittspuls 178

Am späten Nachmittag wieder daheim im Quartier, habe ich mich mal eine halbe Stunde unter die Brause gestellt, danach bin ich fein essen gewesen (im Erdgeschoß meines Appartments), habe mir die Papas arrugadas gekocht, das sind winzige Süßkartoffeln mit einer Salzkruste, die werden ungeschält im Meersalz gekocht und dann getrocknet, bis sie schrumpelig werden, dazu Yamswurzel, Kichererbsen und Curryreis mit Bananen, Mandarinen, Rosinen und Mangos.

Naja, ziemlich exotisch, ich hab  halt alles verwertet, was ich noch in der Küche gefunden habe. Danach noch mal eine halbe Stunde unter der Dusche, das hat verdammt gut getan. Als Abschluß dann noch ein frischgepreßter Orangensaft. In Gedanken war ich schon beim morgigen Finale der Vuelta.

 

5. Etappe: Maspalomas – Soria – Maspalomas, 68 km

Freitag, 5. Dezember 2008

Mal das Wichtigste zuerst: DAS IST NOCH MAL GUTGEGANGEN! Führung knapp verteidigt! Aber es ist eng geworden, und noch ist nichts gegessen! Das wird ein ganz, ganz schwerer und hart umkämpfter Schlußtag werden! Vom Rennverlauf her war diese Etappe eigentlich ganz, ganz leicht. Zunächst am Anstieg zuur Wende, hinauf nach Soria, in diesem 22 km langen Barranco, gab es einen ganz, ganz wilden Kampf um die Bergpunkte. Daran habe ich mich nicht beteiligt, habe mich da völlig rausgehalten und bin mit gut 20 Minuten Rückstand oben in Soria angekommen.

Habe mich bei der folgenden Zwangsrast gut erholt, habe gegessen und mit ein paar Deutschen und Belgiern nett und zwangslos geplaudert. Leider war es mir nicht möglich, sie für meinen Plan zu gewinnen, mich im Finale zu unterstützen. Die sind einfach zu ahnungslos und gar nicht an Streß interessiert. Die wollen einfach eine ruhige Kugel schieben und zum Saisonausklang mit ihren Familien ein paar nette und anspruchslose Kilometer runterradeln. Schade.

Also alleine ins Finale! Die Abfahrt durch den Barranco runter zum Meer war wieder wie üblich, ich habe oben noch etwas gewartet, alleine die Aussicht genossen und bin dann hinterhergefahren, habe die Räder rollen lassen und war sehr schnell wieder im großen Pulk. Im Gelben Führungstrikot ist man natürlich gekennzeichnet, nicht nur für die Zuschauer oder fürs Fernsehen, sondern vor allem auch für die Gegner. DAS IST DER TYP, DEN WIR ANGREIFEN MÜSSEN!

Es war wieder eine hügelige Fahrt an der Küstenstraße zurück nach Maspalomas, dann die Freigabe des Rennens, die große Schleife runter zum Faro di Maspalomas, zum Leuchtturm am Rande der Dünen, wieder zurück hinauf Richtung Zentrum, über den gefürchteten kurzen Anstieg, ein paar Rondellas, die Kreisverkehre, und dann die Zielgerade. War natürlich nicht so leicht und einfach, wie sich diese Kurzform hier liest.

Ich habe heute erstmals gemerkt, daß da im Finale geschoben und paktiert wird wie sonst auch. Da setzen sich irgendwelche Helfer auf die optimale Position hinter dem Führungsauto, und kurz bevor das Rennen freigegeben wird, übergeben sie diese Position an ihre Kapitäne. Und da ich alleine hier bin, habe ich natürlich niemanden, der für mich fährt, ich muß mich selber an die richtige Stelle kämpfen.

Das ist beinahe unmöglich, denn es sind viel zu viele, die diese Position wollen. Und es sind halt nur knapp 10 bis 12 Fahrer, die den Windschatten optimal ausnutzen können, und das auch nur bis ca. 50 km/h. Wenn es dann schneller wird, sind auch das zu viele, dann fliegen sie rechts und links aus dem Windschatten raus, dahinter bleiben dann sehr schnell nur mehr zwei, drei Fahrer übrig, die reißen dann meist gemeinsam ab und sprinten sich den Tagessieg aus.

So auch diesmal. Aber als Gesamtführender möchte ich natürlich meine Position verteidigen, da muß ich dann aufpassen, wo die schärfsten Konkurrenten sind. Das ist für mich ganz, ganz schwer, denn ich kenne die Typen alle ja erst seit vier Tagen und von hinten weiß ich nie, wer welcher ist, weil sie da alle gleich aussehen. Also heißt es dranbleiben an  dieser Traube hinter dem Auto, Abraham Sampel ist vor mir abgerissen, Viktor Hugo Santos auch, Mendonca, der Brasilianer, Castello und Pires auch, die Lücke habe ich dann noch zufahren können, aber dann war ich weg.

Wenn da einer auf der Seite außen abreißt, entsteht für die dahinter Fahrenden ein Schlag ins Gesicht, der Fahrtwind, und der ist dann ja bei 70 bis 80 km/h gigantisch, bläst einen auch förmlich aus der Reihe raus. Die Steherfahrer auf der Radrennbahn können ein Lied davon singen. Alleine überhole ich noch drei Fahrer, die alle schon schwer angeschlagen sind, und in dem Moment natürlich gar nicht reagieren können. Heute ist der Großangriff der gestern Geschlagenen auf den neuen Führenden, also auf mich.

4. Etappe: Maspalomas – Telde – Lomo Magullo – Maspalomas, 118,5 km

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Heute war ein ganz großer Tag für mich! Völlig überraschend, ohne es beabsichtigt zu haben, bin ich heute ins Goldtrikot des Gesamtführenden gefahren! Ein schwerer Fehler und Defektpech bei den Spaniern hat dieses überraschende Ergebnis möglich gemacht. Mit einem 18. Platz in der Tageswertung habe ich jetzt einen großen und relativ beruhigenden Vorsprung für die beiden letzten Etappen herausgefahren. Aber auch im Bergpreis bin ich durch eine Attacke, die ich im ersten Anstieg gefahren bin, in Führung gegangen!

Alles das ist nur durch ein Mißverständnis, durch einen dummen Eigenfehler, zuustande gekommen. Natürlich nicht mein Fehler, ich habe meine Hausaufgaben gemacht! Der Anstieg nach Era del Catrdon, das ist der erste Anstieg oben im Streckenprofil nach ca. 25 km, hatte ursprünglich keine Bergwertung, es war an dem Tag nur eine, nämlich am Anstieg nach Lomo Magullo, vorgesehen. Erst am Start ist verlautet worden, daß es auch hier eine Wertung gibt. Und das haben im Trubel und der Hektik anscheinend nicht mehr viele mitbekommen.

Ich bin also davon ausgegangen, daß es hier Bergpunkte gibt, bin deshalb ganz vorne gefahren, war schon erstaunt, als ich gemerkt habe, daß ich anscheinend einer von ganz wenigen bin, die diese Chance wahrnehmen. Umso besser, habe ich mir gedacht, also voll reinhalten und so viele Punkte als möglich holen. Dazu muß man wissen, daß dieser Anstieg relativ flach und sehr kurz ist. Das war mir bekannt, ich kannte ihn ja schon vom letzten Mal, da sind wir auch hier hinaufgefahren. Als ich gesehen habe, daß niemand fährt, habe ich sofort angegriffen, bin mit 53/21 hochgespurtet.

Ich bin raufgeknallt, mit allem, was ich hatte, dennoch sind einige Fahrer mitgegangen, die mich dann auch oben abgesprintet haben. Der Spanier Jesus Alzala hat vor dem Argentinier Omar Marentes gewonnen, ich bin Fünfter geworden, das waren 23 goldrichtige Punkte, damit habe ich die Führung im Bergpreis erobert. Meine härtesten und unmittelbaren Konkurrenten sowohl im Bergpreis als auch in der Gesamtwertung haben diese Chance verpaßt.

Zwangspause, dann auf hügelig schwerem Gelände rüber nach Telde, dort ist das Rennen wieder freigegeben worden, und es ging im Höllentempo die Steigung nach Lomo Magullo hoch. Dort habe ich gepaßt, schließlich wollte ich nicht alle meine Reserven einsetzen. Die 23 Bergpunkte im ersten Anstieg waren sowieso wie ein Weihnachtsgeschenk, ich habe mich dann ganz auf den Zieleinlauf verlassen. Antonio Galmes hat sich da durchgesetzt, vor dem Argentinier Omar Marentes und dem Belgier Foubert Diederik. Oben dann wieder Zwangspause, danach neutralisierte Abfahrt wieder runter nach Telde. In der Gesamtwertung bin ich zu dem Zeitpunkt an der zweiten Stelle gelegen.

Die Rückfahrt war dann irgendwie euphorisch. Mir war klar, daß das eine Wende in dieser Rundfahrt war, diese 23 Punkte waren Goldes wert für mich. Mit einer Konterattacke beim Zieleinlauf mußte ich jetzt natürlich rechnen, diesen Fehler mußten schließlich ganz viele wieder ausbügeln. Die ganze Rückfahrt über war es eine gespannte Atmosphäre, das Knistern war beinahe physisch spürbar. Und es war sicherlich nicht ungefährlich, denn wenn sich 40 bis 50 Mann um die 8 Plätze hinter dem Pkw matchen, kann das schon mal ins Auge gehen. Und ich bin nun mal nicht der Typ, der da ohne Rücksicht auf Verluste draufhält. Daher ist es – für mich – schon mal sehr gut, wenn ich vorher schon eine relativ klare Entscheidung zu meinen Gunsten habe.

Von dieser Seite aus – vom Flughafen her kommend – ist etwa 5 km vor Playa del Ingles ein relativ schwerer Anstieg, ca 1 km lang, zu bewältigen. Als dann das Rennen etwa 12 km vor dem Ziel immer schneller wird, die Neutralisation aufgehoben ist, bin ich heilfroh, im letzten Moment einen Platz hinter dem Pkw gesichert zu haben. Die Spanier, die den ersten Anstieg übersehen haben, sind mit aller Härte, Risiko und Konsequenz bei der Sache. Und bei dem Gerangel, wo mit Händen, Füßen und Ellenbogen gearbeitet wird, gestoßen, geschoben, geschubst und gedrängt, ist irgendwer mit irgendwem aneinandergeraten, im Nachhinein kann man das natürlich nicht mehr genau nachvollziehen, jedenfalls hat es ganz gewaltig gescheppert und geknallt.

Gut zehn Mann lagen am Asphalt, ein paar weitere sind drübergeflogen, einige konnten aufs Bankett ausweichen, sind natürlich aus dem Windschatten geflogen, die zweite Reihe ist dann sozusagen nachgerückt, und da war ich dann drinnen. Es war unglaublich unübersichtlich, obwohl ich nie direkt im Windschatten war, sind wir mit gut 60 km/h dahingeflogen, ich bin dann bald abgerissen, aber zum Glück war niemand von meinen unmittelbaren Konkurrenten vor mir.

Über den Anstieg konnte ich noch gut zehn Plätze gutmachen. Ich hatte mitbekommen, daß die Konkurrenz schwer geschlagen war, deshalb habe ich da mehr Risiko als üblich genommen, ich wußte, das ist wieder so eine Chance, die man nur ein einziges Mal bekommt. Im Ziel war ich dann völlig geschafft, aber auch heilfroh, einerseits dem Sturz entgangen zu sein, andererseits jetzt einen ganz gewaltigen Schritt in Richtung Toursieg gemacht zu haben.

Omar Marentes aus Argentinien hat heute einen phantastischen Tag gehabt, Zweiter bei beiden Bergwertungen und jetzt der Etappensieg, da hat er mit einem Schlag über 200 Punkte gemacht. Wenn der so weiterfährt, wird er noch zuu einem ganz großen Problem für mich werden. Zweiter wurde José Alfaro, Dritter der Kolumbianer Edgar Medellin.

Naja, mehr kann ich jetzt noch gar nicht sagen, muß erst das genaue Ergebnis abwarten und durchdenken, wie es jetzt weitergeht. Zwei Etappen stehen noch aus, darunter die Schlußetappe mit dem mörderischen Anstieg am Guayadeque, dem schwersten Berg der Rundfahrt. Mein Vorsprung ist sehr groß, viel größer, als ich anfangs dachte. Ich muß mir jetzt ernsthafte Gedanken machen, diesen Vorsprung zu verteidigen, denn jetzt geht es in jeder Wertung um den Toursieg.

Wie ich nach dem Zieleinlauf gehört habe, hatten sowohl der Gesamtführende, Enrique Sevilla Vecino, als auch der Viertplazierte, Javier Pupo Jimenez, bei der Baustelle kurz vor dem Ziel, etwa 400 Meter vor Beginn des Finales, wo das Rennen freigegeben wurde, Reifendefekt. Das ist natürlich großes Pech, der Gesamtführende ist noch auf den 50. Tagesrang gekommen. Aber eine blöde Frage muß ich da schon allen stellen: Was, zum Teufel, hat das mit mir zu tun??? Soll ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, weil ich KEINEN Defekt hatte?Oder anders gefragt: wer hat mit mir Mitleid, wenn ich morgen Defekt habe?

Es stimmt schon, für mich bleibt immer ein schaler Nachgeschmack: DER FÜHRT JA NUR, WEIL DER ANDERE DEFEKT HATTE! Und es stimmt auch, daß heutzutage ein Defekt ja kaum mehr eine Rundfahrt entscheidet. Andererseits stimmt es aber auch, daß der Zeitpunkt des Defektes sehr wohl über Sieg oder Niederlage das Wort führt. Langer Rede kurzer Sinn: ich wäre auch gerne auf andere Weise ins Führungstrikot geschlüpft, aber da ich nachher sowieso der Sieger sein werde, egal auf welche Weise, habe ich da absolut KEIN schlechtes Gewissen. Ich glaube, ich habe hinlänglich bewiesen, daß es KEIN Zufall ist, daß ausgerechnet ICH von diesem Mißgeschick profitieret habe!

Gesamtwertung nach 4 Etappen: 1. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 394 Punkte, – 2. Enrique Sevilla Vecino (Spanien) 356,  – 3. Antonio Mascaro Gomila (Spanien) 355, – 4. Edgar Medellin (Kolumbien) 315, – 5. José Pires (Portugal) 305, – 6. Javier Pupo Jimenez (Spanien) 305, – 7. José Luis Blanco Soto (Spanien) 285, – 8. Viktor Hugo Santos (Portugal) 279

Bergpreis nach 4 Etappen (nach 8 Wertungen): 1. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 99 Punkte, – 2. Jaime Font (Spanien) 97, – 3. Luis Alberto Garcia (Spanien) 92, – 4. Bernat Vincente Colmillo (Spanien) 86

3. Etappe: Maspalomas – Presa de las Ninas – Maspalomas, 89,7 km

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Heute war wieder mal so eine typische Etappe für zwischendurch, nicht Fisch, nicht Fleisch, ich habe mich ausgeruht, so gut es eben ging, bin Tagesneunter geworden, habe aber in der Gesamtwertung einen Platz verloren, bin auf den dritten Rang zurückgerutscht, punktegleich mit dem neuen Zweiten, dem Spanier Antonio Moscaro Gomila. Mein Rückstand auf den Führenden, den Spanier Enrique Sevilla Vecino, ist auf 32 Punkte angewachsen.

Aber keine Angst, ich habe heute nichts verloren, sondern im Gewgenteil, viel gewonnen: ich habe mir – hoffentlich entscheidend – an Substanz bewahrt, die die anderen investiert und verbraucht haben. Eine Rundfahrt muß man mit noch sehr viel mehr Hirn fahren als ein Eintagesrennen, besonders, wenn man erfolgreich sein will. Es geht doch nur darum, an entscheidenden Stellen so frisch wie möglich zu sein.

Es war eine eigentlich ganz einfache Etappe: neutralisiert bis zum Berg, volle Fetzerei hinauf, ich gemütlich hintennach, oben Zwangsrast, dann neutralisiert wieder zurück und die letzten 12 km wieder volles Rohr, da ging es um das Tagesklassement. Und da hatte ich mir einen ganz besonderen Plan zurechtgelegt, der aus folgender Überlegung resultierte: die Spanier sind am Berg einsame Klasse, da reiche ich ihnen bei weitem nicht das Wasser, andererseits sind sie bei so technischen Entscheidungen wie diesem Rennen hinter Motoren deutlich schwächer als ich. Am Berg aus Rücksicht wegen dem Zieleinlauf  zu passen, ist sicherlich eine gute Entscheidung, vorausgesetzt, daß dann im Ziel auch wirklich eine Spitzenplazierung rausspringt.

Und das ist das nächste Problem, denn beim Zieleinlauf von dieser Seite her geht es wieder runter zum Faro di Maspalomas, zum großen Leuchtturm, und von dort entlang der Dünen wieder nordwärts, und da ist ein ganz giftiger Anstieg zu fahren, der fürchterlich ist, wenn man kurz vorher explodiert ist. Wie wäre es daher, wenn ich freiwillig etwas früher abreißen lasse, um dann in der Solofahrt noch frischer zu sein und vielleicht sogar ein paar Plazierungen aufholen kann??

Anfangs also fahren wir wieder einmal neutralisiert rüber bis Puerto de Mogan, das ist sehr schweres Gelände, denn es geht dauernd rauf und runter, und zwar ziemlich steil rauf. Ein Glück für die schwächeren Fahrer, daß es da neutralisiert ist. Dann wenden wir uns rechts landeinwärts, in den Barranco nach Mogan hinauf, und dort wird dann gleich der Wagen beschleunigen und das Rennen zur Höllenqual machen. Auf schöner Straße geht es nach Mogan hinauf, sanfte Steigung, viele Kurven, immer wieder spektakuläre Aussichten. Und diese Landschaft habe ich mir ganz genau angesehen, denn ich habe mir viel Zeit gelassen, bin gleichmäßig zügig hinaufgefahren, dabei natürlich immer weiter zurückgefallen.

Viele Aussichtspunkte gibt es auf diesem Anstieg, und alle diese Miradores sind ja hier auf Gran Canaria mit  der gesamten Infrastruktur ausgestattet, man kann sich verpflegen, findet die sanitären Anlagen, Parkplätze, usw. 3 km hinter Mogan geht es dann rechts weg, wir verlassen die Hauptstraße, und von dem Moment an sind wir in einer einsamen mondähnlichen Landschaft, aber auch hier tun sich hinter jeder Kurve atemberaubende Aussichten und Einblicke auf. Wir fahren auf einer ganz neuen Straße, die sich schmal und kurvig Meter um Meter höher schlängelt.

Das Regenwasser auf Gran Canaria sammelt sich in den Presas, wie man hier die Stauseen nennt. Über 60 davon gibt es hier auf dieser Insel. Wir erreichen die Presa Cuevas de las Ninas, am Ufer haben sich schon touristisache Einrichtungen etabliert. Das Rennen ist hier herauf eine rein spanische Angelegenheit: Bernat Vincente Comillo gewinnt vor seinen Landsleuten Antonio Pujol, Miguel Angel Cirer, José Alfaro und Angel Gonzalez Garcia. Ich komme etwa 15 Minuten später zum Parkplatz rauf, bin aber bei weitem nicht so erschöpft wie diejenigen, die schon hier heroben sind.

Nachdem wir uns verpflegt haben, ich meine Ration für den Nachmittag und Abend eingesteckt habe, saetzt sich der Troß dann wieder in Bewegung, neutralisiert den Barranco di Arguineguin hinunter in Richtung Strand. Ich mag dieses gebremste Abfahren nicht in der riesigen Gruppe, das ist ja stupide. Da muß man hochkonzentriert, die Hände an den Bremsen, die ganze Strecke runterquietschen.

Und wenn man es dann einmal laufenlassen möchte, ist wieder die Neutralisiation im Weg, die ein Tempo von höchstens 30 km/h vorgibt. Also warte ich hier heroben noch eine Viertelstunde, und fahre dann alleine hinterher. Da kann man schön zu Tal jagen, die Straße hat ja hier in diesem Barranco nur ganz heroben ein paar Kurven, unten dann nur mehr lange, lange Gerade, auf denen man auch 100 km/h fanhren könnte. Das ist gleich was ganhz anderes als dieses Gebremse.

Oben am Stausee habe ich mich lange auf Englisch mit einem Spanier unterhalten, ohne zu wissen, daß es sich dabei um Antonio Mascaro Gomila handelte, den potentiellen Anwärter auf den Toursieg. Aber instinktiv habe ich vorgesorgt, habe ihm gesagt, daß ich natürlich keinerlei Ambitionen in Richtung Gesamtwertung habe, die zweite Etappe nur gewonnen habe, um wenigstens mit einem kleinen Erfolg nach Hause zu kommen, damit es nicht heißt, ich hätte hier faul in der Sonne gelegen.

Und die vielen Berge hier sind auch nicht meines, ich bin auch schon ziemlich geschwächt, in dieser Jahreszeit bin ich ja normalerweise schon lange im Winterschlaf. Und diesen Wertungsmodus hätte ich bis jetzt noch nicht durchschaut. Dafür interessiere ich mich sehr viel mehr für die Landschaft, die Leute, vor allem für das Nachtleben. Und da ich in Maspalomas wohne, wo es in dieser Hinsicht völlige tabula rasa ist, muß ich dauernd in die Nachtklubs und Discos nach Playa del Ingles pendeln. Und diese Nachtetappen schlauchen natürlich auch gewaltig. Ich glaube, am Ende hatte er dann schon Mitleid mit mir.

Kurz vor Arguineguin habe ich das Feld wieder eingeholt, arbeite mich gleich nach vorne und setze mich an die Spitze, wo ich auch den Spanier wieder treffe. Ich lächle ihm zu, aber er nimmt mich gar nicht wahr, denn er ist bereits ganz konzentriert auf einem idealen Platz gleich hinter dem Vorausauto. Wir sind nur kurz auf der Küstenstraße in Richtung Maspalomas unterwegs, als der Wagen bereits beschleunigt, sein übliches Vamos, vamos! in unsere Richtung schmettert und auf die Tube drückt. Schnell wird die Gruppe hinter dem Wagen kleiner, ich bin mittendrin, habe zwar nicht die ideale Position, aber auch nicht gerade eine ungünstige.

Es wird enger, das Tempo immer höher, wir fahren jetzt schon 60 km/h, dann 65, wir sind keine zwanzig Mann mehr, es geht bereits neben Maspalomas und den Dünen runter Richtung Strand, dann schwenke ich weg und lasse es gut sein. Bis 68 km/h bin ich gekommen, das leuchtet auf meinem Computer auf. Und jetzt heißt es, dieses Tempo nutzen, so lange es geht, ich fahre mit 53/12 und nutze den Schwung aus, so gut ich eben kann. Bis zum bewußten Anstieg etwa 3 km vor dem Ziel habe ich schon zwei Fahrer ein- und überholt. Im Anstieg packe ich den dritten, wenig später den Vierten. Das habe ich hier noch nie geschafft, nach dem Abreißen noch vier Positionen gut gemacht! Das muß ich mir merken, diese Taktik ausfeilen und morgen gleich wieder anwenden.

Ich erreiche das Ziel als Neunter, leider für mich ist Mascaro Gomila als Vierter hier eingetroffen, und Sevilla Vecino, der Gesamtführende, als Sechster. Beide nehmen mir wichtige Punkte ab, Mascaro Gomila schließt zu mir auf, ist punktegleich und wegen der besseren Etappenplazierung liegt er jetzt an der zweiten Stelle. Ich lasse ihm die Freude, he, abgerechnet wird am Schluß, und bis dahin fließt noch viel Wasser die Barrancos hinunter. Und, Freundchen, auch du kochst nur mit Wasser und wirst auch noch erkennen müssen, daß man seine Reserven nicht ungestraft antastet.

Gesamtwertung nach der dritten Etappe: 1. Enrique Sevilla Vecino (Spanien) 355 Punkte, – 2. Antonio Mascaro Gomila (Spanien) 323, – 3. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 323 Punkte, – 4. Javier Pupo Jimenez (Spanien) 305, – 5. Viktor Hugo Santos (Portugal) 264, – 6. Jose-Luis Blanco Soto (Spanien) 229

2. Etappe: Las Palmas de Gran Canaria – Agaete – Moya, 70 km

Dienstag, 2. Dezember 2008

Habe ich gestern noch mutlos geklungen und davon gesprochen, daß die Rundfahrt schon verloren ist? Ha, so schnell wendet sich das Blatt: Heute habe ich die Königsetappe gewonnen, die über 4 Berge und 70 km nach Moya führte. Es war ein taktisches Meisterstück, und ich bin wirklich stolz auf meine Leistung. In der Gesamtwertung verteidigte der gestrige Etappensieger, Enrique Sevilla Vecino (Spanien), seine Führung, ich habe meinen Rückstand von 121 Punkten auf  18 verkürzt und liege jetzt an der zweiten Stelle!

Die Hauptstadt der Kanaren, Las Palmas, war heute Startort der zweiten Etappe, der Königsetappe, drei Berge, und nach dem vierten war das Ziel oben in Moya. Bin mit dem Auto auf der Autobahn nach Las Palmas raufgefahren und habe dort das Startgelände gesucht. Das hat alles nur eine knappe Stunde gedauert. Gestern hatte ich einen Dämpfer erhalten, ich war etwas frustriert und enttäuscht über das Ergebnis. Nur Rang 34!

Heute also vier Bergwertungen mit Punkten für den Bergpreis, der mir ziemlich egal ist, aber auch für die Gesamtwertung. Die letzte Bergwertung liegt nur 11 km vor dem Zielstrich, und diese 11 km sind auch sehr selektiv. Da kommt diesem Anstieg entscheidende Bedeutung zu. Ich muß heute unbedingt Bergpunkte holen. Und auch im Ziel möchte ich ganz vorne sein. Im Moment liege ich noch 121 Punkte hinter dem Führenden, aber wenn ich diese Rundfahrt gewinnen will, muß ich diesen Rückstand heute ganz entscheidend verkürzen.

Den ersten Anstieg bei Punta la Salina nach 11 km sind wir noch neutralisiert gefahren, der war da nicht besonders schwer, etwa 5 km lang und relativ flach. War zum Aufwärmen ganz gut. In der Abfahrt habe ich dann schon versucht, ganz nach vorne zu kommen, direkt hinter den Vorauswagen der Veranstalter. Das ist gar nicht einfach, wenn so viele Starter alle dasselbe wollen.

Heute ist der wohl wichtigste Tag für mich, gilt es doch, den gestrigen Rückstand zu verkürzen, und dazu ist heute eine ausgzeichnete Gelégenheit, denn es gibt gleich 4 Bergwertungen und den Zieleinlauf. Und neutralisiert wird heute auch nicht viel gefahren, denn es folgt Berg auf Berg. Um am Ende vorne zu sein, ist es unbedingt erforderlich, schon vorher bei den Anstiegen vorne zu sein. Die heutige zweite Etappe führt an der Nordküste entlang und endet hoch oben über dem Meer in Moya auf knapp 500 Metern Seehöhe.  Und die letzte Bergwertung, die nur 11 km vor dem Ziel liegt, hat auch entscheidenden Einfluß auf den Tagessieg.

Erste Bergwertung am El Pagador, ähnlich wie die erste Steigung ist auch diese hier sehr gleichmäßig, es wird konstant schnell und zügig drübergefahren. Weil da vorher neutralisiert gefahren wurde, sind natürlich alle noch extrem frisch, alle wollen sich profilieren und ihr Können und ihre Form beweisen, und das können sie eben nur bergauf. Ich reihe mich ganz vorne ein und versuche so lange wie möglich mitzuhalten.

Der Niederländer Ton Walters gewinnt diese erste Wertung vor Jacques Castan. Ich hole den 13. Rang und damit 8 Bergpunkte, die auch für die Gesamtwertung zählen. Nach der Abfahrt geht es runter nach Galdar und gleich wieder rauf auf den Almagro. Ungefähr ein ähnlicher Berg wie der vorige. Ohne Pause, ohne Neutralisation die Abfahrt und der nächste Anstieg. Diesmal holt sich der Spanier Bernat Vicente Colmillo die Bergpunkte, ich werde Dritter. Es war ein relativ flacher Anstieg, genau richtig für mich.

Jetzt gibt es die Zwangspause, alles kommt wieder zusammen, doch ich habe jetzt schon 38 Punkte geholt! Wir rollen danach geschlossen auf einer kleinen Nebenstraße nach Agaete hinunter, fahren dort eine große Wendeschleife und dann geht es wieder den Berg hinauf, das Rennen wird wieder freigegeben, eine wilde Fetzerei beginnt, Viktor Hugo Santos (Portugal) setzt sich schließlich durch, ich belege den 7. Rang, knappe 10 Sekunden dahinter.

Jetzt erhöhe ich mein Punktekonto heute auf 56 Zähler. Und ein Berg ist noch ausständig. Die Abfahrt, da schließt sich wieder eine größere Gruppe zusammen, danach durch Galdar geht die wilde Jagd und rüber nach Guia, wo wir rechts wegbiegen und sofort im Schlußanstieg sind. Es geht jetzt rauf nach Moya. Die Spitzengruppe ist inzwischen wieder auf gut 40 Mann angewachsen.

Dieser letzte Anstieg ist 8,5 km lang, danach geht es hügelig, aber mit einigen brutal schweren Steilpassagen nach Moya rein, 11 km nach der Bergwertung wartet der Zielstreifen. Und dazwischen keine Neutralisation! Das ist die Chance, das Klassement noch einmal umzudrehen. Aber da darf jetzt nichts danebengehen, da muß alles passen! Kaum in der Steigung, platzt die Gruppe auseinander.

Ich wähle meine altbewährte Methode, mein gleichmäßiges Tempo zu fahren, es ist nicht sehr steil, 7 bis 8 Prozent, ich fahre eine leichte Übersetzung, ich kurble 39/23. Anfangs zieht sich der Pulk auseinander, dann reißen die ersten Löcher, es bilden sich kleine Gruppen, ich fahre ungefähr in der Mitte, schiebe mich dann aber nach etwa der Hälfte des Anstieges näher an die vorderen Gruppen heran. Und sofort steigt die Motivation, ich drücke aufs Tempo, forciere, beschleunige, aber ich bleibe bei meiner Übersetzung von 39/23.

In dieser Phase mache ich viele Plätze gut, es läuft heute ausnehmend gut. Die hohe Frequenz macht mir keine Probleme, das herrlich warme, blaue Sommerwetter tut sein übriges dazu, um meine Motivation anzustacheln. So erreiche ich mit der zweiten Gruppe die Anhöhe und fahre den letzten Kilometer zur Bergwertung. Der Spanier Luis Alberto Garcia holt sich diese Wertung, ich belege den 6. Rang und kassiere weitere 20 Punkte. Jetzt ist nur mehr der Zieleinlauf ausständig.

Meine gute Plazierung darf ich nicht mehr aufs Spiel setzen, ich versuche, an die erste Gruppe ranzukommen, forciere neuerlich, der Abstand beträgt ja nur etwa 25 Sekunden. Es ist der einzige Zieleinlauf ohne Neutralisation vorher. Es gelingt mir nach einem steilen kurzen Anstieg, mich zusammen mit zwei weiteren Fahrern aus der Gruppe abzusetzen und so pendeln wir zwischen den beiden Gruppen. Vorne wird natürlich auch am Anschlag gefahren, denn das Ziel rückt jetzt schnell näher. Der zweite Anstieg, etwa 500 Meter lang, zerreißt aber beide Gruppen.

Vorne zerlegen sie sich selbst, fahren dann kurzfristig alleine durch die Gegend, ehe wieder alles zusammenrückt. Auf den letzten 200 Metern dieses Anstieges setze ich alles auf eine Karte, schalte auf das große Blatt, auf 53/21und sprinte einfach über die Kuppe. Wenn ich schon nicht vorne rankomme, dann möchte ich wenigstens meine Begleiter abhängen. Die Kurbeln scheinen sich durchzubiegen, die Lunge sticht und ächzt, die Beine brennen, die Schläfen und die Stirn pochen ganz entsetzlich, in meiner Brust hämmert das Herz, und als ich die Kuppe erreicht habe, bin ich alleine, es sind noch 4 km und direkt vor mir fahren zwei der ursprünglich vier Spitzenreiter.

Die Beine versagen ihren Dienst, ich muß sie zwingen, ich muß mich zusammenreißen, irgendwie motivieren, gegen die Milchsäure zu fahren, die meinen Körper überschwemmt. Vor mir sehe ich, zum Greifen nahe, die Ortschaft Moya. Also wieder aus dem Sattel, Schwung holen, die müden Knochen auf Touren bringen, nicht langsamer werden, an irgendeinem fliege ich vorbei, ich sehe nicht, ob und wie der reagiert. Ich sehe nur vor mir die restlichen drei Fahrer. Also liege ich an der vierten Stelle. An sich schon eine tolle Plazierung, aber ich weiß, daß ich hier meinen Punktevorrat ganz deutlich erhöhen muß, mich nicht zufriedengeben darf damit, ganz vorne zu sein.

Wieder fahre ich an einem halbtoten Fahrer vorbei, der sich kaum mehr regt, ich fahre, ohne zu atmen, denn das kann ich gar nicht mehr. Zu sehr sticht es in der Brust, in der Lunge, pfeifend sauge ich die Luft in die Bronchien. Oder bilde ich mir das alles nur ein? Es zieht sich noch, diese 3 km bis ins Ziedl, denn die Häuser sind wirklich zum Greifen vor mir. Aber die Straße schlägt einen Bogen nach dem anderen, eine Kehre nach der anderen, wir fahren permanent Kurven, da sind kaum ein paar gerade Meter dazwischen.

Dann habe ich es geschafft. Ich bin dran. Wir sind zu dritt, ich kenne die Typen nicht, der Sieger der letzten Bergwertung ist dabei, Luis Alberto Garcia. Ein kleiner, drahtiger Spanier von vielleicht 50 Kilo. Sofort greife ich an, lasse ihnen nicht eine Sekunde zum Überlegen. Jetzt den Schwung ausnutzen, das möchte ich. Nicht nachher noch einmal antreten, ich weiß, daß ich das nicht mehr schaffe. Ich bin von hinten herangeflogen gekommen, war deutlich schneller als die beiden, und das MUSS man einfach ausnutzen, keine 2 km vor dem Ziel. Ich reiße ein gewaltiges Loch, ich spüre, daß ich alleine bin. Ich setze mich hin, mache mich aerodynamisch klein und gebe alles, was noch in meinen verkrampften Beinen ist.

Noch 1 km. Jetzt fahre ich wie in Trance. Bin ich alleine? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Kraft mehr, irgendeinen Gedanken zu fassen. Nur so schnell wie möglich ins Ziel kommen. Viele Zuschauer säumen die Rennstrecke, die wissen ganz genau, daß sie hier den wohl normalsten Zieleinlauf dieser Woche erleben dürfen. Noch ein paar hundert Meter. Da erst bemerke ich, daß irgendso ein Lümmel an meinem Hinterrad hängt.

Das ist kein Schlag für mich, wie man vielleicht annehmen könnte. Nein, das kann ich gar nicht denken. Ohne irgendeine bewußte Überlegung zu fassen, stehe ich auf und trete nochmals an, anscheinend war da doch noch Kraft. Es geht nur darum, um einen Wimpernschlag schneller zu sein, stärker zu sein, wuchtiger zu sein als der andere. Ich weiß, daß ich das gar nicht kann mit normalen Mitteln, aber ich bin jetzt in einer solchen Euphorie, da ist es völlig belanglos, wieviel Energie mir noch geblieben ist. Einen Tritt, nur einen einzigen, schnellen, kräftigen Tritt mehr machen als der Gegner.

Wenn ich es physisch nicht kann, dann zwinge ich meinen Körper dazu, ich zwinge ihn, indem ich es ihm befehle. Es klappt, ich schieße als Erster durchs Ziel, und ich weiß, daß das der wohl wichtigste Schritt zum Toursieg war. Aber in dem Moment überwiegt die Freude, die mich absolut und überall durchdringt. Ich habe keine Ahnung, was dieser Tagessieg für die Gesamtwertung bedeutet, wie das Klassement jetzt aussieht, aber ich weiß, daß ich ganz vorne mit dabei bin.

Ich stehe irgendwo nach dem Zielband am Straßenrand, atme, versuche wenigstens, zu atmen, und von allen Seiten kommen wildfremde Menschen auf mich zu, klopfen mir auf die Schulter, beglückwünschen mich und gratulieren mir. Bis zur Siegerehrung (es gibt ja pro Etappe nur 3 Preise) habe ich mich einigermaßen erfangen. Die Abschlußetappe des heutigen Tages aber steht noch aus, ich muß noch 25 km teils bergab zurück nach Las Palmas zum Auto fahren.

Ergebnisse, Gesamtwertung nach der 2. Etappe: 1. Enrique Sevilla Vecino (Spanien) 263 Punkte, – 2. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 245, – 3. Antonio Mascaro Gomila (Spanien) 219, – 4. Javier Pupo Jimenez (Spanien) 207, – 5. José Pires (Portugal) 207, – 6. Luis Alberto Garcia (Spanien) 204

Ergebnisse, Gesamtstand im Bergpreis nach 2 Etappen (5 Bergwertungen): 1. Luis Alberto Garcia (Spanien) 92, – 2. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 76, – 3. Cesar Mendonca (Brasilien) 75, – 4. Jaime Font (Spanien) 65

1. Etappe: Maspalomas – Mirador de Ayagaures – Maspalomas, 31,1 km

Montag, 1. Dezember 2008

Heute geht es also richtig los, die erste Etappe, wohl mehr zum Einrollen gedacht mit ihren gerade mal 31 Kilometern, steht auf dem Programm. Und mit ihr einer der vor allem für Radtouristen wohl populärsten Anstiege der Insel, der Barranco del Ayagauros, hinauf auf den Mirador del Ayagaures, 11 km lang und bis zu 10 % steil. Ich bin nervös, ziemlich sogar, das Starterfeld ist riesig, an die 400 Fahrer stehen parat und setzen sich pünktlich um 11 Uhr in Bewegung. Meine Taktik? Heute abwarten und sehen, wie die Konkurrenz drauf ist.

Wichtig ist heute nur der Zieleinlauf, da heißt es beizeiten in Position fahren. Zunächst mal läuft alles wie erwartet, wir fahren geschlossen und neutralisiert hinter einem winzigen Vorausauto, einem Jeep, aus Maspalomas raus, queren die nördliche Umfahrungsstraße und sind sofort auf einer eher schmäleren Straße in Richtung Berge unterwegs, wenige Kilometer später sind wir auch schon im Hochtal des Barranco del Ayagaures, die Straße steigt gemächlich an, mit gerade mal 1 bis 2 %.

Miguel Indurain startet die erste Etappe, es geht zur Plaza de la Constitiucion in Maspalomas, wo die Etappe dann offiziell gestartet wird.

Den Berg selbst ignoriere ich völlig, das heißt, ich fahre langsam und bedächtig hinauf, gleichmäßig, und gleichmäßig falle ich auch zurück. Viele fahren an mir vorbei, und da kommen mir erstmals Bedenken, ob diese Taktik die richtige ist. Kann ich es mir überhaupt leisten, auf die Bergpunkte zu verzichten? Ist das nicht Größenwahn?? Egal, einmal eine Taktik im Kopf, muß ich mich auch daran halten, abgesehen davon, ist es jetzt sowieso zu spät, sie zu ändern.

Irgendwann bin auch ich oben am Aussichtspunkt und kann die Aussicht genießen, man sieht runter in den Barranco, mondähnliche Wüstenlandschaft, so weit das Auge reicht.

Ich habe trotz meiner langsamen Wutzlerei gerade mal 15 Minuten Rückstand aufgerissen. Natürlich keine Punkte. Und auch nur kurze Pause oben am großen Parkplatz, da sind mehrere Buffetstationen aufgebaut, da gibt es Trockenobst, Bananen, Nüsse, Biskuit, Schokolade, Energieriegel, Müeslischnitten, Mehlspeisen, Kuchen, Obst, Tee, Elektrolytgetränke, Orangensaft (natürlich frisch gepreßter!). Ich stopfe mir die Trikottaschen voll, schließlich soll das das Abendessen sein. Es dauert nicht lange, dann geht es wieder weiter, natürlich neutralisiert, den  Berg auf der anderen Seite runter, durch das Tal raus in Richtung Küste, nach Maspalomas zurück.

Jetzt ist die Plazierung im Ziel dann wichtig, also arbeite ich mich gleich nach der Abfahrt nach vorne in Richtung Auto. Das ist natürlich ein sehr begehrter Platz, den gibt niemand so leicht her, wenn er ihn einmal besetzt hat. Während ich um jeden Zentimeter kämpfe (die Sturzgefahr ist nur deshalb relativ gering, weil das Tempo so gering ist!), kommen wir dem Ziel immer näher und viel zu früh wird das Rennen freigegeben.

Da  beugt sich ein fetter Wicht aus dem Beifahrerfenster und schreit durchs Megaphon Vamos, vamos!!!, dann beschleunigt der Jeep langsam, 32 km/h, 35, 40, 45, 50, 60… usw. Wenn man da nicht gleich zu Beginn eine ausgezeichnete Position hat, ist jede Chance vorbei, ganz vorne zu landen. Man ist entweder zu weit hinten oder zu weit außen und ist zu früh abgerissen. Dieses Schicksal ereilt auch mich. Es zerreißt mich förmlich, als ich abreiße, ab er da hängen noch etwa 30 Mann am Auto dran.

Leider bin ich unmittelbar vor der Steigung abgerissen , die da zwischen den Dünen und Maspalomas liegt, den wir von der Küste kommend Richtung Maspalomas überwinden müssen. Viel zu lang, viel zu steil, obwohl er relativ flach und ganz kurz ist. Aber in dem Zustand der völligen Auflösung ist das zu viel. Ich trete förmlich auf der Stelle und weiß nicht mehr, wie ich ins Ziel gekommen bin. Ganz oben, im roten Bereich sozusagen, fehlt es mir ganz gewaltig, da fehlen einfach die Rennen der letzten Wochen. Auf den letzten 5 km flitzen noch einige Fahrer an mir vorbei, die schon vor mir abgerissen sind, die ich aber nicht halten konnte. Habe also noch ziemlich verloren. Ist jetzt die ganze Rundfahrt schon verloren? Platz 34 nach dieser 1. Etappe ist nicht gerade hoffnungsvoll.

Egal, jetzt muß ich das erst mal verdauen, dann sehe ich weiter. Morgen steht die Etappe auf dem Programm, auf die mich schon seit zwei Wochen konzentriert habe. Die Königsetappe im Norden der Insel mit insgesamt vier Bergen. Und auch das Ziel liegt oben am Berg. Da heißt es also endgültig die Karten aufdecken.

Ergebnisse, Gesamtwertung: 1. Enrique Sevilla Vecino (Spanien) 155 Punkte, – 2. José Pires (Portugal) 122, – 3. Viktor Hugo Santos(Portugal) 112, – 4. José-Juan Gonzales-Sanchez (Spanien) 108, – 5. Pedro Pulido Lopez (Spanien) 104,  weiters: 34. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl)  34 Punkte