Gran Canaria/Maspalomas

1. – 7. Dezember 2008

Hallo, Leute! Im sechsten und letzten Teil unserer Rennberichte über die Saison 2008 möchte ich euch in den sommerlichen Süden entführen, genauer gesagt nach Gran Canaria, den südlichsten Teil Europas, der schon südlicher liegt als Nordafrika. Ich habe erst vor zwei Wochen mich entschlossen, diese Rundfahrt zu bestreiten, als ich nach Beendigung der Saison gemerkt habe, daß ich immer noch in toller Form bin. Diese Form will ich jetzt unbedingt noch ausnutzen, wäre ja direkt ein Verbrechen, sowas im Winter langsam auslaufen zu lassen.

Ich bin diese Rundfahrt vor Jahren schon einmal gefahren, war damals Fünfter. Das Gelände ist sehr schwer, viele Berge, viele Höhenmeter. Der Modus dieser Rundfahrt ist eigenartig und ausgefallen: nicht wie üblich wird hier die Fahrtzeit der einzelnen Etappen addiert, sondern die Fahrtzeit wird nur für die Statistik hergenommen. Gewertet wird nach Punkten. In der Gesamtwertung scheint nur auf, wer alle Etappen auch beendet. Das heißt, man kann auch Etappen aufgeben oder überhaupt auslassen, scheint dann aber in der Gesamtwertung natürlich nicht auf.

Es gibt einen Start, gewertet wird in zwei Kategorien: bis 40 Jahre und über 40 Jahre. Vom Start weg wird neutralisiert gefahren, das heißt, das mit 26 bis 28 km/h fahrende Vorausauto darf nicht überholt werden. Zu Beginn der Steigung wird das Rennen freigegeben, es gibt einen Sprint den Berg hinauf, oben werden die ersten zwanzig der Bergwertung mit Punkten belohnt. Oben gibt es auch eine Zwangsrast mit Gratis-Verpflegung, danach wird neutralisiert den Berg runtergefahren und zurück zum Ziel. Etwa 10 bis 15 Kilometer vor dem Ziel wird das Rennen neuerlich freigegeben. Die ersten 50 im Ziel werden wieder mit Punkten bedacht. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

So weit, so gut. Jetzt gibt es aber noch ein paar Besonderheiten, die der Erwähnung bedürfen: Für die Gesamtwertung werden die Bergpunkte und die Zielpunkte addiert, die Bergpunkte aller Etappen werden für den Bergpreis addiert. Interessantes Detail: wenn ein über 40jähriger unter die ersten 50 der Tageswertung kommt, kassiert er doppelte Punkte, d.h. die der jüngeren Klasse gleich mit. Daher bin ich auch überzeugt, daß ein über 40jähriger die Gesamtwertung dieser Rundfahrt gewinnt.

Ein noch viel interessanteres Detail: wenn das Rennen freigegeben wird, passiert das nicht so, daß das Vorausauto wegschwenkt, sondern das beschleunigt ganz langsam und gleichmäßig, sodaß nicht alle Fahrer sofort alleine sind, sondern eine größere Gruppe direkt hinter dem Vorausauto am Pkw dranbleibt und den Windschatten ausnutzt. Während der weiter beschleunigt, fallen aus dieser Gruppe immer mehr zurück, so lange, bis niemand mehr übrigbleibt. Beim Zieleinlauf fallen dadurch z.B. die Fahrer nicht in Gruppen zurück, sondern einzeln, und das mit sehr hohem Tempo, denn bis 60 oder 70 km/h kann bald jemand mithalten. Erst wenn der Wagen dann mit 80 Sachen oder noch schneller fährt, fällt auch der letzte zurück, in einem bedauernswerten Zustand: man rast zwar mit gut 80 Sachen dahin, hat aber keine Luft, ist völlig blau und explodiert in dem Moment. Ist ein ganz lustiger Anblick. Und das Tag für Tag.

Meine Erwartung für diese Rundfahrt? Nachdem ich schon mal Fünfter gewesen bin, möchte ich schon gerne gewinnen. Man muß sich halt mit dieser seltsamen Art der Wertung arrangieren und das Beste daraus machen. Wenn man am Berg etwa eine Viertelstunde verliert, so verliert man in Wirklichkeit nur die Punkte, die der Sieger kassiert, eigentlich genauso viel, als wenn man eine halbe Stunde Rückstand hat. Wichtig ist nur der Zieleinlauf und der Umstand, daß ich nach Möglichkeit unter den ersten 50 sein muß, um doppelte Punkte zu kassieren.

Regnet es eigentlich auf dieser Insel auch? Weiß nicht, hoffentlich nicht im Dezember. Ich habe beim letzten Mal hier miterleben können, wie sie alle bei JEDER Wertung auf Biegen und Brechen hineingehalten haben. Wenn man jetzt also auswählt, die Bergwertungen zum Beispiel einfach ignoriert, sich auf den Zieleinlauf konzentriert und dort dann mehr investieren kann? Ob  ich am Berg 1 Minute Rückstand habe oder 20, ist sowieso egal, nachher geht es ja wieder neutralisiert weiter.

Hab mir auch schon eine Etappe rausgesucht, von der ich glaube, daß sie die entscheidende ist. Dort wird die Taktik geändert, denn dort sind mehrere Berge hintereinander zu fahren. Wenn ich da am ersten Berg mit der ersten Gruppe mithalte, bin ich automatisch beim zweiten Anstieg vorne, beim dritten vielleicht in den absolut schnellsten 20. Das wären dann die entscheidenden Zusatzpunkte. Naja, vielleicht täusche ich mich auch, und alle anderen kommen mit derselben Taktik und sind um Klassen stärker als ich.

In dieser Umgebung, ohne Ablenkung, wo ich nur mit Essen, Regeneration, Rennen, Taktik, Schlafen und der Konkurrenz beschäftigt bin, da werde ich wirklich richtig gut. Weil alles so überraschend schnell und improvisiert gegangen ist, habe ich mich gerade mal angemeldet und nach einem Flug Ausschau gehalten. An ein Quartier habe ich nicht gedacht, ist auch nicht so wichtig, das kann ich immer noch machen, wenn ich dann dort bin. Das Hinkommen ist viel wichtiger.

Der Flug geht jetzt also am Samstag, 29. November, um 16.45 Uhr, Ankunft Gran Canaria 21 Uhr,  vielleicht auch ein paar Minuten später. Dann ist Eile angesagt, denn ich habe dann so gut wie gar nichts. Muß mich erst um einen Leihwagen bemühen, dann ein Quartier finden. Den Sonntag habe ich dann noch frei, da ist Zeit für die Einschreibung, Startnummer und -paket abholen, eine lockere Trainingsrunde am Vormittag, eine am Nachmittag, Material überprüfen und mal anpassen an das Sommerwetter. Am Montag geht es dann richtig los, die erste Etappe, kurz, zum Einrollen, steht am Programm.

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