Monatsarchive: November 2008

Ergebnisse November 2008

Samstag, 1. November 2008: Rundstreckenrennen in Buso di Rovigo, Memorial Pietro Favalli (I), 48 km

8. Robert Bartonek (Gentlemen)

 

Samstag, 8. November 2008: Straßenrennen um die Trofeo Festa Padana in Pramaggiore (I), 73,5 km

14. Robert  Bartonek (Gentlemen)

Sonntag, 30. November 2008

Gestern ist der Flug planmäßig gestartet worden, aber verspätet angekommen, nämlich erst um 21.30 Uhr. So ein Nachtflug ist sowas von fad, alles ist finster, draußen sowieso, aber nach kurzer Zeit schlafen auch im Flugzeug alle. Hatte sowieso so einen unguten Sitznachbarn, einen dicken, fetten, der geschnauft und gerochen (gestunken!) hat. Dann die Landung auf Gran Canaria, das Warten auf das Gepäck. Aber dann haben die Strapazen angefangen. Mußte mir erst mal einen Leihwagen organisieren.

Ist nicht sehr einfach, denn ich mußte ja mein Gepäck immer mitschleppen. Der Radkarton, vollgestopft mit Rad, Laufräder, Reservelaufräder, Werkzeugkiste, Ersatzmaterial, Reifen, Schläuche, Luftpumpe, Helm, Radschuhe, Zahnkränze, Speichen, Kette, Bremsbeläge, Seilzüge, den Rennrahmen habe ich mit Dämmaterial eingewickelt. Dazu eine große Sporttasche mit 20 kg Gepäck, dazu das Handgepäck, all das mußte ich mitschleppen auf der Suche nach einem Stand einer Leihwagenfirma. Weil die ganze Aktion so überhastet abgewickelt worden war, hatte ich nur den Flug gebucht, sonst nichts. Kein Leihwagen, kein Quartier. Das muß ich alles jetzt erst vor Ort machen.

Gegen 23 Uhr bin ich dann mit dem Wagen losgefahren. Ein Opel Commodore mit Bordcomputer und GPS ausgestattet, mein Gepäck im Kofferraum. Rauf auf die Autobahn, die einzige der Insel, die von Palma nach Süden bis Maspalomas führt, immer am Meer entlang. Ich also Richtung Süden, bin dann bald von der Autobahn runter, auf die Seite in die Wildnis gefahren, Auto geparkt, Sitzlehne runtergeklappt und geschlafen. Es war eine warme, um nicht zu sagen, heiße, Nacht. Nach kurzer Zeit mußte ich die Scheiben runterfahren, weil´s so heiß war. Hab dann bis halb acht geschlafen.

Bin dann bis Playa del Ingles weitergefahren, Auto auf einem großen Parkplatz im Zentrum geparkt, Rad zusammengebaut, Karton geleert und verstaut, umgezogen, dann bin ich eine kleine Trainingsrunde gefahren, und zwar die gesamte morgige erste Etappe. Es war ein herrlicher Tag, strahlend blauer Himmel, kein noch so kleines Wölkchen am Himmel, 24°, kurzärmelig, Windjacke eingesteckt, bin ich rein nach Maspalomas und dann rauf nach Ayagaures.

Der 10 km lange Anstieg, den bin ich locker und langsam, gleichmäßig und mit richtig wohltuendem Tempo raufgefahren, wichtig war mir dann der Zieleinlauf, über Sonnenland und Oasis de Maspalomas runter, auf der Rückfahrt rauf nach Maspalomas war da noch ein kurzer, aber steiler, knackiger Anstieg zu fahren, über den ich mich richtig plagen mußte. Der war nämlich gut 400 Meter lang. Wirklich erstaunlich, daß es hier im einzigen Flachland der Insel, so einen Anstieg gibt.

Der Barranco de Ayagaures mit dem Stausee, im Vordergrund ist auch die Straße zu sehen.

Danach habe ich mich in ein Strandrestaurant gesetzt und mal eine Portion Nudeln verdrückt, ehe ich mich aufgemacht habe, in den Süden von Maspalomas und mir ein Quartier gesucht habe. In der riesigen Appartment-Anlage bin ich dann fündig geworden, ich bekam die Nummer 475 c zugeteilt. Das war ein eigenes Haus, im Erdgeschoß ein WC, ein Abstellraum, eine Kochecke, ein Wohnzimmer, dann im ersten Stock oben ein Schlafzimmer, ein WC, ein Balkon, alles vollständig eingerichtet.

Am Nachmittag bin ich dann noch eine Einheit gefahren, diesmal auf einer anderen Rennstrecke, nämlich auf der nach Nordosten, der Küste entlang Richtung Palma, bin ich einfach eine Stunde lang gefahren, dann habe ich umgedreht und bin gegen den Wind zurückgefahren.

Maspalomas/Playa del Ingles

Als nächstes war dann ein Besuch im Hotel Oasis in Playa del Ingles am Programm, dort mußte ich mich einschreiben, die Startnummer mit Startpaket abholen, mit der Konkurrenz plaudern, die war ja da reichlich vorhanden. Ein kleines Buffet gab es da auch, und vor lauter Tratschen ist es dann schon fast finster geworden. Auf dem Rückweg habe ich noch schnell eingekauft, eine 6er-Packung Mineralwasser, Orangensaft, Nudeln, Pasta, Parmesan. Alles heimgeschleppt und schlafen gegangen.

Laut Programm sind auch drei Stargäste angekündigt, nämlich Miguel Indurain und Marino Lejaretta (beide Spanien) und Claudio Chiappucci (Italien). Bei der heutigen Nummernausgabe und dem anschließenden Bankett ist Chiappucci aber nicht erschienen, er hat sich entschuldigen lassen. Die beiden anderen aber waren anwesend. Dementsprechend sind sie auch vor allem mit Autogrammwünschen bedrängt worden. Angeblich soll Indurain morgen auch selber an den Start gehen. Es können schließlich nicht viele von sich sagen, daß sie Indurain in einem Rennen geschlagen haben.

Gran Canaria/Maspalomas

1. – 7. Dezember 2008

Hallo, Leute! Im sechsten und letzten Teil unserer Rennberichte über die Saison 2008 möchte ich euch in den sommerlichen Süden entführen, genauer gesagt nach Gran Canaria, den südlichsten Teil Europas, der schon südlicher liegt als Nordafrika. Ich habe erst vor zwei Wochen mich entschlossen, diese Rundfahrt zu bestreiten, als ich nach Beendigung der Saison gemerkt habe, daß ich immer noch in toller Form bin. Diese Form will ich jetzt unbedingt noch ausnutzen, wäre ja direkt ein Verbrechen, sowas im Winter langsam auslaufen zu lassen.

Ich bin diese Rundfahrt vor Jahren schon einmal gefahren, war damals Fünfter. Das Gelände ist sehr schwer, viele Berge, viele Höhenmeter. Der Modus dieser Rundfahrt ist eigenartig und ausgefallen: nicht wie üblich wird hier die Fahrtzeit der einzelnen Etappen addiert, sondern die Fahrtzeit wird nur für die Statistik hergenommen. Gewertet wird nach Punkten. In der Gesamtwertung scheint nur auf, wer alle Etappen auch beendet. Das heißt, man kann auch Etappen aufgeben oder überhaupt auslassen, scheint dann aber in der Gesamtwertung natürlich nicht auf.

Es gibt einen Start, gewertet wird in zwei Kategorien: bis 40 Jahre und über 40 Jahre. Vom Start weg wird neutralisiert gefahren, das heißt, das mit 26 bis 28 km/h fahrende Vorausauto darf nicht überholt werden. Zu Beginn der Steigung wird das Rennen freigegeben, es gibt einen Sprint den Berg hinauf, oben werden die ersten zwanzig der Bergwertung mit Punkten belohnt. Oben gibt es auch eine Zwangsrast mit Gratis-Verpflegung, danach wird neutralisiert den Berg runtergefahren und zurück zum Ziel. Etwa 10 bis 15 Kilometer vor dem Ziel wird das Rennen neuerlich freigegeben. Die ersten 50 im Ziel werden wieder mit Punkten bedacht. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

So weit, so gut. Jetzt gibt es aber noch ein paar Besonderheiten, die der Erwähnung bedürfen: Für die Gesamtwertung werden die Bergpunkte und die Zielpunkte addiert, die Bergpunkte aller Etappen werden für den Bergpreis addiert. Interessantes Detail: wenn ein über 40jähriger unter die ersten 50 der Tageswertung kommt, kassiert er doppelte Punkte, d.h. die der jüngeren Klasse gleich mit. Daher bin ich auch überzeugt, daß ein über 40jähriger die Gesamtwertung dieser Rundfahrt gewinnt.

Ein noch viel interessanteres Detail: wenn das Rennen freigegeben wird, passiert das nicht so, daß das Vorausauto wegschwenkt, sondern das beschleunigt ganz langsam und gleichmäßig, sodaß nicht alle Fahrer sofort alleine sind, sondern eine größere Gruppe direkt hinter dem Vorausauto am Pkw dranbleibt und den Windschatten ausnutzt. Während der weiter beschleunigt, fallen aus dieser Gruppe immer mehr zurück, so lange, bis niemand mehr übrigbleibt. Beim Zieleinlauf fallen dadurch z.B. die Fahrer nicht in Gruppen zurück, sondern einzeln, und das mit sehr hohem Tempo, denn bis 60 oder 70 km/h kann bald jemand mithalten. Erst wenn der Wagen dann mit 80 Sachen oder noch schneller fährt, fällt auch der letzte zurück, in einem bedauernswerten Zustand: man rast zwar mit gut 80 Sachen dahin, hat aber keine Luft, ist völlig blau und explodiert in dem Moment. Ist ein ganz lustiger Anblick. Und das Tag für Tag.

Meine Erwartung für diese Rundfahrt? Nachdem ich schon mal Fünfter gewesen bin, möchte ich schon gerne gewinnen. Man muß sich halt mit dieser seltsamen Art der Wertung arrangieren und das Beste daraus machen. Wenn man am Berg etwa eine Viertelstunde verliert, so verliert man in Wirklichkeit nur die Punkte, die der Sieger kassiert, eigentlich genauso viel, als wenn man eine halbe Stunde Rückstand hat. Wichtig ist nur der Zieleinlauf und der Umstand, daß ich nach Möglichkeit unter den ersten 50 sein muß, um doppelte Punkte zu kassieren.

Regnet es eigentlich auf dieser Insel auch? Weiß nicht, hoffentlich nicht im Dezember. Ich habe beim letzten Mal hier miterleben können, wie sie alle bei JEDER Wertung auf Biegen und Brechen hineingehalten haben. Wenn man jetzt also auswählt, die Bergwertungen zum Beispiel einfach ignoriert, sich auf den Zieleinlauf konzentriert und dort dann mehr investieren kann? Ob  ich am Berg 1 Minute Rückstand habe oder 20, ist sowieso egal, nachher geht es ja wieder neutralisiert weiter.

Hab mir auch schon eine Etappe rausgesucht, von der ich glaube, daß sie die entscheidende ist. Dort wird die Taktik geändert, denn dort sind mehrere Berge hintereinander zu fahren. Wenn ich da am ersten Berg mit der ersten Gruppe mithalte, bin ich automatisch beim zweiten Anstieg vorne, beim dritten vielleicht in den absolut schnellsten 20. Das wären dann die entscheidenden Zusatzpunkte. Naja, vielleicht täusche ich mich auch, und alle anderen kommen mit derselben Taktik und sind um Klassen stärker als ich.

In dieser Umgebung, ohne Ablenkung, wo ich nur mit Essen, Regeneration, Rennen, Taktik, Schlafen und der Konkurrenz beschäftigt bin, da werde ich wirklich richtig gut. Weil alles so überraschend schnell und improvisiert gegangen ist, habe ich mich gerade mal angemeldet und nach einem Flug Ausschau gehalten. An ein Quartier habe ich nicht gedacht, ist auch nicht so wichtig, das kann ich immer noch machen, wenn ich dann dort bin. Das Hinkommen ist viel wichtiger.

Der Flug geht jetzt also am Samstag, 29. November, um 16.45 Uhr, Ankunft Gran Canaria 21 Uhr,  vielleicht auch ein paar Minuten später. Dann ist Eile angesagt, denn ich habe dann so gut wie gar nichts. Muß mich erst um einen Leihwagen bemühen, dann ein Quartier finden. Den Sonntag habe ich dann noch frei, da ist Zeit für die Einschreibung, Startnummer und -paket abholen, eine lockere Trainingsrunde am Vormittag, eine am Nachmittag, Material überprüfen und mal anpassen an das Sommerwetter. Am Montag geht es dann richtig los, die erste Etappe, kurz, zum Einrollen, steht am Programm.

Samstag, 8. November 2008: Straßenrennen Trofeo Festa Padana in Pramaggiore (I), 72,5 km

Das voraussichtlich letzte Rennen der Saison, das Wetter ist noch immer sehr, sehr mild und warm, bei wolkenlosem Hiummel zeigt das Thermometer immer noch 19° an. Starker N-Wind macht das Rennen schwer. Wir fahren zehn Runden auf einem 7-km-Rundkurs mit Start und Ziel in Pramaggiore, der Rundkurs ist topfeben.

Bereits die erste Runde ist voller Action, viele Angriffe, viele Konter, aber alles bringt nichts ein, nach der ersten Runde Feld geschlossen. In den nächsten Runden ändert sich an diesem Bild nichts, und langsam kristallisiert sich – wieder einmal, welche Überraschung – Riccardo Tarlao als das Zentrum der Angriffe heraus. Wann immer er an die Spitze geht, wird´s hektisch. Ein paarmal kommt er in einer kleinen Gruppe weg, aber man spürt, daß die Zeit noch nicht reif ist, ert wird immer wieder zurückgeholt.

Zwischendurch tue ich mir immens schwer, aber als ich mich dann zusammennehme und richtig konzentriere, geht es wieder. Das Rennen ist schnell, man kommt einfach nicht zur Ruhe, es passiert andauernd was, und das heißt auch, man muß stets konzentriert und aufmerksam fahren, denn jede Attacke kann die entscheidende sein. Genau das macht diese italienischen Rennen ja so schwer.

Als dann die Konzentration etwas nachläßt, in der 8. Runde, kommt Tarlao prompt in einer kleinen Gruppe weg. Und diesmal ist er nicht mehr so einfach einzuholen, denn im Feld ist man sich nicht einig. So vergrößert die Spitze ständig ihren Vorsprung, und bald schon – eigentlich von Anfang an – wird klar, daß die den Sieg unter sich ausmachen.

Nachdem in den beiden letzten Runden auch aus dem Feld noch viele Attacken gekommen sind – die aber allesamt wieder zunichte gemacht wurden – gibt es da einen Massensprint, in dem ich mich an der 14. Stelle plaziere. Nicht schlecht für einen Nichtsprinter wie mich. Aber leider hatte ich während des Rennens nicht die Möglichkeiten, die ich gesucht habe. Für Einzelaktionen war es viel zu schnell, in der Gruppe hatte ich kein Glück. Irgendwie schade, daß die Saison jetzt zu Ende ist und ich mit einer so guten Form in die Winterpause gehen muß.

Samstag, 1. November 2008: Rundstreckenrennen in Buso di Rovigo, Memorial Pietro Favalli (I), 48 km

Es ist empfindlich kälter geworden, hat aber immer noch 14° – mit Österreich kein Vergleich. Wir starten etwas verspätet, kurz nach 12 Uhr, der Stadtrundkurs ist 4,8 km lang und wir müssen zehn Runden absolvieren.

Der Kurs ist nicht sonderlich eckig, aber ein paar Kurven sind dabei, die wirklich nicht ohne sind. Bei einem großen Starterfeld kann es da durchaus Probleme geben. Wir sind 65 Starter, und auch das sind schon viele. Gut, der Haufen zieht sich in die Länge, es reißen sofort die ersten Löcher und dadurch bilden sich gleich in den ersten zwei Runden einige Gruppen. Vorne bleibt eine etwa 30 Mann starke Gruppe beisammen. Anfangs habe ich durchaus Probleme, das hohe Tempo mitzugehen, aber ich gewöhne mich schnell daran.

Runde um Runde wird das Feld kleiner. Keiner schafft es, sich auf Dauer vorne abzusetzen. Es gibt zwar pausenlos Angriffe, aber die bringen alle nichts ein. Das Feld ist viel zu schnell unterwegs, als daß da jemand richtig wegkommen könnte. Ein paar Sekunden lang halten sich die Ausreißer vorne, ehe sie wieder gestellt werden. Es kostet einige Substanz, die vielen Antritte mitzufahren. Mit der Zeit wird es aber gleichmäßiger, die Angriffe weniger. Ich tue mir leichter, mitzuhalten.

So geht es bis zur 8. Runde. Der Rennverlauf ist bis dahin schon etwas einschläfernd, weil gleichmäßig und fade. Dann, plötzlich, ein Antritt, ein Angriff, und nichts ist mehr so wie vorher. Ich hatte mich auch von der allgemeinen Faulheit anstecken lassen und war dadurch auch überrascht worden, abgesehen davon war ich ja gar nicht in der Position gewesen, um zu reagieren. (Ich habe von hinten alles nur mitansehen können.) Einer hat angegriffen, zwei, drei andere ziehen nach, nach einer kurzen Schrecksekunde ein vierter, dann ein fünfter. Aber irgendwas ist anders als sonst. Sie nehmen die Beine nicht mehr hoch, nein, sie ziehen voll durch. Und das heißt vor allem eines: hier geht es um die Entscheidung!

Die 6-Mann-Gruppe ist erst mal weg, dahinter formieren sich umständlich die Verfolger, dann gibt es welche, die nicht so umständlich sind und gleich nachfahren, das gleiche Bild wie vorher: einer sprintet weg, zwei, drei andere hängen sich an, und dann reagiert man auch im restlichen Feld, und ich bin inzwischen auch schon an der Spitze des Feldes und mische mit. Als der nächste an mir vorbeisprintet, hänge ich mich an und bin sofort vor dem Feld.

Eine längere intensive Phase beginnt, wir hängen voll am Anschlag drin, hohes Tempo, 55 km/h, 53/13 oder 14. Langsam bildet sich eine Verfolgergruppe, da kann sich keiner von der Führungsarbeit drücken. Das Tempo ist auch so hoch, daß man da sofort weg ist, wenn man ein kleines Loch hat. Ich schaffe es gerade noch bis zu dem Zeitpunkt, da sich die Gruppe zusammengefunden hat. Als es in die 9. und vorletzte Runder geht, haben wir einen sicheren Vorsprung. Vor uns die Spitzengruppe, 6 Mann, die aber auch voll draufdrücken. Sie liegen etwa knappe 100 Meter vor uns.

Die ganze vorletzte Runde vergeht damit, daß wir uns Millimeter um Millimeter näher an die Spitze ranschieben. Ich frage mich immer öfter, ob das noch einen Sinn hat, denn wenn wir so weiterfahren, brauchen wir noch etwa 200 Runden, bis wir dran sind. Doch dann geht es doch schneller. Gong zur Schlußrunde, wir liegen etwa 5 Sekunden zurück, und da ist es klar, daß wir noch mal rankommen. Die Frage ist nur, wie, ob wir da gleichmäßig hinfahren oder es vorher eine Fetzerei gibt, unsere Gruppe zerfällt, und während ich das noch denke, passiert es auch schon. Attacke, Konter, nachfahren, und wir sind wieder mitten im ärgsten Streß.

Zwei Mann sprinten hin, velängern gleich, vorne schauen sie sich an, der letzte der Gruppe springt noch vorne hin, jetzt wird es unübersichtlich und hektisch. Die letzten drei Kilometer, noch einmal wird forciert. Ich habe nach wie vor ein kleines Loch zur Spitze, kann es aber nicht zufahren. Ich habe keine Luft mehr, hinter mir hängen noch drei Mann dran, die alle keine Anstalten machen. Also wieder altbewährte Methode, in einer Kurve trete ich an, beschleunige, setze mich aber gleich wieder hin, hinten hat einer sofort reagiert, ich schwenke weg, mache ihm Platz, hänge michn sofort an sein Hinterrad. Und wirkliuch, er fährt und zieht auch brav, und sofort sind wir vorne dran, doch in dem Moment wird dort wieder attackiert, die Gruppe zerfällt abermals. Wir passieren die 1000-m-Marke.

Großes Finale. Jeder gegen jeden. Offener Schlagabtausch. Das ist nichts für mich, ich habe keine Substanz mehr, ich hänge hinten drauf und hoffe, daß mein Vordermann das Richtige macht. Der fährt ein Loch zu, ein zweites aber nicht mehr. Ich erkenne sofort, daß das jetzt das entscheidende ist, ich erkenne es im Bruchteil einer Sekunde, aber ich kann nicht handeln. Nichts mehr in den Beinen. Und das ist auch wirklich die Entscheidung. Drei Mann sind vorne weg, dahinter nochmal drei, dann meine Gruppe, wir sind auch zu dritt. Abstand etwa 20 Meter von Gruppe zu Gruppe. Noch 400 Meter, ich sehe und weiß, daß es sich nicht mehr ausgeht, die Motivation fällt, doch dann raffe ich mich doch noch einmal auf, sprinte ins Ziel, mit voller Konsequenz, ein paar Meter vor dem Strich zwängt sich gerade mal noch ein Mann vorbei. Das ist der achte Platz.

Die 48 km haben wir in 61Minuten abgespult, das ist ein Schnitt von 46,9 km/h! Nicht ohne für ein Rennen im November! Ich habe auch an mir Defizite festgestellt, vor allem im obersten Pulsbereich ist die Form doch nicht mehr so gut wie noch vor einiger Zeit. Oder war das nur eine etwas schwächere Tagesform? Egal, das nächste Rennen am nächsten Wochenende, das letzte in dieser Saison, wird es sicherlich zeigen.