Sonntag, 26. Oktober 2008: Straßenrennen um den Gran Pemio di Cittá die Caorle in Sansonessa di Caorle (I), 93,4 km

Wieder ein riesiges Starterfeld, das davon zeugt, welch ein Klassiker dieses Rennen ist.  293 Starter nehmen die lange Distanz in Angriff. Und wieder herrliches Radsportwetter, 21°, strahlend azurblauer Himmel, aber diesmal, wie hier in dieser Gegend üblich, sehr starker Wind. Immerhin sind wir hier in Caorle am Meeresufer.  Wieder sind die üblichen Favoriten dabei, damit ist es automatisch ein sehr stark besetztes Rennen.

Bereits die ersten Kilometer werden sehr schnell gefahren, und ich habe zu tun, um mich da nach vorne zu arbeiten. Langgezogen ist das Feld, einerseits durch das hohe Tempo von ca. 56 bis 58 km/h (wir fahren die ersten 8 km mit Rückenwind), andererseits durch den starken Wind. Man kommt einfach nicht mehr nach vorne, denn dazu müßte man im Wind fahren, was bei dem langgezogenen Feld unmöglich ist. Daher heißt es jetzt aufpassen und hoffen, daß nicht irgendwo vorne in der Reihe ein Loch reißt. Die zweite Gerade, 10 km lang, ist verteufelt schwer, denn jetzt bläst der Wind von schräg hinten. Die dritte Gerade, 4 km lang, ist noch schwerer, denn wir fahren jetzt ziemlich genau gegen den Wind. Viele Attacken und Bewegungen im Feld sorgen laufend für Unruhe und Hektik.

Immer, wenn es wirklich brenzlig wird, ist vorne Riccardo Tarlao beteiligt. Wenn der weiter hinten hängt, in den Tiefen des Feldes verborgen, besteht kaum Gefahr. Aber meist ist der Junge vorne und sorgt für Radau, und dann kann man sich hinten die Seele aus dem Leib strampeln und wird dennoch abgehängt. Die erste Runde geht gerade noch gut. Aber das Feld ist sehr viel kleiner geworden, und auf den letzten 9 km zurück nach Caorle wird schräg gegen den Wind gefahren, die Wirkung ist verheerend. Sofort bilden sich unzählige kleine Staffeln und Gruppen, dazwischen immer wieder Einzelfahrer, die aber auf verlorenem Posten stehen. Alleine schafft man gerade mal – bei vollem Einsatz – 30 bis 32 km/h, in der Gruppe doch 40 bis 44 km/h.

In der zweiten Runde ist es dann soweit. Unzählige Male hat Tarlao seine Attacke vorbereitet, jetzt ist es dann sehr schnell geschehen. Mit einem Mal, ganz unspektakulär, ist eine etwa 12köpfige Gruppe vorne weg, dahinter wird ganz kurz versucht, nachzufahren, aber niemand will sich investieren, und ohne Aufwand geht es halt nicht, verlorenes Terrain wieder zurückzuholen. Im Gegenteil, dazu muß man schneller fahren als die vordere Gruppe. Und weil die schon am Limit sind, ist es eigentlich nicht möglich, nochmal aufzuschließen.

Und nachdem die erste Gruppe weg ist, geht das Gemetzel munter weiter. Jetzt wird das restliche Feld durch viele – leider sinnlose – Attacken aufgerieben, immer wieder bilden sich kleine Gruppen, die Situation ist, wie nüblich, ziemlich unübersichtlich. Es kostet enorm viel Kraft, da gegen den Wind ein Loch zuzufahren, was aber v öllig sinnlos ist, denn sofort geht das nächste auf. Irgendwann fährt man keines mehr zu, dann ist man abgehängt. Ende der Geschichte.

Zwei Runden sind absolviert, wir haben mit einer ganz großen Gruppe etwa eineinhalb Minuten Rückstand auf die Spitze, auf der Rückenwind-Geraden versuchen sie noch einmal, vorne heranzufahren. Aber sie geben sich damit zufrieden, 55 km/h zu fahren, aber ich weiß, daß sie vorne 60 fahren, also wird der Abstand eigentlich größer statt kleiner. Spätestens, als es dann nach Norden geht, schräg mit dem Wind, merken sie die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens. Es ist einfach keine Kontinuität gegeben, was hilft es, wenn da einer in einem Wutanfall 300 Meter mit 60 km/h fährt, der nächste ist dann so blau, daß er einen Kilometer braucht, um am weggeschwenkten Fahrer überhaupt vorbeizukommen.

Es ist einfach viel zu unrhythmisch, im Grunde aber ist von den starken Fahrern dieser Gruppe keiner daran interessiert, den Haufen nochmal vorne ranzuführen. Also bleibt nur der Kleinkrieg. Mann gegen Mann, auf diese Art wird die Gruppe auch schnell kleiner. Mir geht es jetzt nicht mehr darum, vorne aufzuschließen, denn diese Chance ist endgültig vertan. Jetzt kann ich nur mehr den Schaden begrenzen, das heißt, versuchen, in einer der vorderen Gruppen unterzukommen.

Das aber bedeutet, entweder aktiv am Gemetzel teilzunehmen, oder passiv im Hintergrund warten, da kann es sich aber sehr leicht ergeben, daß eine Gruppe ohne mich geht. Was auch ein paarmal passiert. Kleine Gruppen, drei bis fünf Mann, die sich da einzeln nach vorne absetzen. Aber kaum geht es darum, ein kontinuierlich hohes Tempo gegen den Wind zu fahren, zeigen sich schnell die Grenzen der einzelnen Fahrer auf. Auf diese Weise kommt natürlich niemand entscheidend weg, aber der Vorsprung der Spitzengruppe vergrößert sich ständig.

Ein paarmal schalte ich mich dann im Finale auch noch ein, aber es ist jedesmal vergebens. Ich fahre ein Loch zu, mit dem letzten Dreck, pfeife aus dem letzten Loch, dann nehmen sie alle die Beine hoch und das Theater beginnt von neuem. Da ist viel Glück dabei, und 5 km vor dem Ziel ergreife ich endgültig die Initiative, fahre einfach drauflos, mache mich klein und windschlüpfrig, 53/15, ohes Trempo, viel Kraft, und ohne auf irgendwen zu achten, fahre ich. Es bildet sich einre kleine 5-Mann-Gruppe, wir kommen auch näher an die Gruppen vor uns heran, aber ganz holen wir sie nicht mehjr ein. Dann sind wir auch sch9on im Ziel.

Der Sieg geht an Luciano Guidolin (GS Aliplast Zerotino), der in 2:10:49 (Schnitt 41,5 km/h) im Sprint vor Dario Selmin (GS Frenocar Cicli Bilato), Fabbrizio Verza (Team Adige) und Riccardo Tarlao (GS De Luca Portogruaro) gewinnt, mir bleibt mit 3:31 Minuten Rückstand der 21. Platz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.