Samstag, 11. Oktober 2008: Rundstreckenrennen in Pontepossero di Verona, 60,5 km

Ein langes Wochenende steht mir bevor, den Anfang macht das Rundstreckenrennen in Pontepossero. Laut Ausschreibung sollte es ein Straßenrennen sein, eine 11-km-Runde sollte fünfmal durchfahren werden, stattdessen stellt sich der Bewerb als Rundstreckenrennen heraus, eine 5,5-km-Runde bewältigen wir elfmal. Starke Konkurrenz, die meisten davon kenne ich nur flüchtig bis gar nicht, und ein Kurs, auf dem unwahrscheinliches Tempo gebolzt wird.

Ein Duo fällt mir gleich am Start auf,  die kenne ich sehr gut: Roberto Grisenti und Stefano Lucianer vom GS-Grisenti-Promelit-Team aus dem Trentino, die bilden ein sehr gut eingespieltes Tandem, das man nicht übersehen darf. Ich beschließe gleich mal, mich immer in der Nähe der beiden aufzuhalten, denn die fahren sicher nicht sehr oft so weit im Süden, werden vielleicht auch etwas unterschätzt und finden dann Möglichkeiten vor, aus denen sie zu zweit sicher mehr machen können als ich, der ich alleine bin.

Die ersten Runden werden in einer wahren Tempohatz heruntergespult,  viel tut sich nicht, das Feld wird kleiner, die Favoriten bleiben übrig, die beiden Trentiner sind immer dann vorne im Geschehen dabei, wenn es gefährlich wird. Ich hatte recht mit meinem Riecher, die sind mein heißester Tip heute. Bei dem hohen Tedmpo kann ich sowieso nichts anderes tun als vorne bleiben, da scheidet eine Soloattacke fast aus. Attackiert wird pausenlos, immer von anderen, immer zerreißt die Spitze, immer wieder findet sie aber auch zusammen. Das geht ganz gehörig an die Nerven, insgesamt dreimal muß ich auf den letzten drei Runden alleine nachfahren.

Dann die Entscheidung im Finale: Ich spüre förmlich, daß sich die Situation zuspitzt, das Tempo wird immer höher, immer öfter bricht die Gruppe auseinander, Grisenti und Lucianer sind abwechselnd die Tempomacher, dazu Maracani und Feltrin, bei denen muß ich unbedingt dranbleiben. Ich fahre also auch immer an der Spitze, gehe aber nie in den Wind, außer bei den drei Malen, als ich nachfahren mußte. Und mit einem Mal, so schnell kann ich gar nicht schauen, sind wir zu viert mit einem kleinen Vorsprung v orne.

Ich bete zu Gott, daß sie jetzt ordentlich fahren, vor allem gleichmäßig, aber Grisenti ist nicht dabei, Lucianer auch nicht, dafür Maracani und Konsorten. Nur dranbleiben, nehme ich mir vor, konsequent bleibe ich bei Maracani am Hinterrad. Wenn er wegschwenkt, dann ich auch. Er schaut mich finster an, aber es  bleibt keine Zeit für eine Konversation. Rasend hohes Tempo, gleichmäßig, da merkt man, da sind Klasseleute am Werk, die letzte Runde fahren wir mit dem Atem der Verfolger im Nacken.

Noch tausend Meter, noch fünfhundert Meter, wir sind wieder in Pontepossero, die lange Gerade, die schmale Straße, von hinten fliegt einer vorbei, Maracani geht sofort ans Hinterrad, zieht den dritten mit, ich bleibe übrig. Langgezogene und verteufelt schnelle Linkskurve, dann noch etwa 100 Meter geradeaus zum Zielstreifen.

Der Schwung durch die Kurve kommt mir wie gerufen, ich stehe auf und sprinte und erwische noch einen, der schon die Beine hochgenommen hat. Ja, das ist der dritte Platz, ich stehe am Podium, wieder einmal! Und das, ohne aktiv gefahren zu sein! Alfio Maracani (ASD Frenocar) gewinnt vor Enzo Serpelloni und mir, die Verfolger haben gerade mal 9 Sekunden Rückstand. Wie schnell das Rennen war, zeigt der Schnitt von 44,3 km/h!

Robert

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