Monatsarchive: Oktober 2008

Ergebnisse Oktober 2008

4. Oktober 2008: Bergrennen Kolsass – Kolsassberg, 5,8 km, zugleich Tiroler Bergmeisterschaft

1. Hans Unterguggenberger (Master 5/6)

3. Robert Bartonek (Master 3/4)

 

5. Oktober 2008: Steirisches Saisonfinale, Kriterium Rund um den Burger King in Graz-Seiersberg, 21,6 km

5. Robert Bartonek (Master 3/4)

 

11. Oktober 2008: Rundstreckenrennen um den Gran Premio di Artigiani di Via Bosco,

Memorial Vittorio Malagnini in Pontepossero di Sorga (I), 56,1 km

3. Robert Bartonek (Gentlemen)

 

11. Oktober 2008: Rundstreckenrennen um die Trofeo Banca Credito Cooperativo Santa Maria Assunta

im Autodromo Adria International Raceway (I), 40,5 km

1. Robert Bartonek (Gentlemen)

 

12. Oktober 2008: Straßenrennen um den Gran Premio di Comune di Stra (I), 93,5 km

6. Robert Bartonek (Gentlemen)

 

18. Oktober 2008: Rundstreckenrennen um die Trofeo Memorial Enrico Rossi

in Busco di Ponte di Piave (I), 55,6 km

19. Robert Bartonek (Gentlemen)

 

19. Oktober 2008: Bergzeitfahren Montecchio Maggiore – San Urbano um die Coppa Santa Eurosia

und die Trofeo Calpeda Pompe, 4,6 km, zugleich Regional-Bergmeisterschaft Provinz Verona (I)

3. Robert Bartonek (Gentlemen)

 

Samstag, 25. Oktober 2008: Dreiländer-Straßenrennen in Lenti (Ungarn), 90 km, zugleich Saisonabschluß-Rennen

1. Robert Bartonek (Master 50)

 

Sonntag, 26. Oktober 2008: Straßenrennen in Sansonessa di Caorle, Memorial Aldo Sartori (I), 93,1 km

21. Robert Bartonek (Gentlemen)

Sonntag, 26. Oktober 2008: Straßenrennen um den Gran Pemio di Cittá die Caorle in Sansonessa di Caorle (I), 93,4 km

Wieder ein riesiges Starterfeld, das davon zeugt, welch ein Klassiker dieses Rennen ist.  293 Starter nehmen die lange Distanz in Angriff. Und wieder herrliches Radsportwetter, 21°, strahlend azurblauer Himmel, aber diesmal, wie hier in dieser Gegend üblich, sehr starker Wind. Immerhin sind wir hier in Caorle am Meeresufer.  Wieder sind die üblichen Favoriten dabei, damit ist es automatisch ein sehr stark besetztes Rennen.

Bereits die ersten Kilometer werden sehr schnell gefahren, und ich habe zu tun, um mich da nach vorne zu arbeiten. Langgezogen ist das Feld, einerseits durch das hohe Tempo von ca. 56 bis 58 km/h (wir fahren die ersten 8 km mit Rückenwind), andererseits durch den starken Wind. Man kommt einfach nicht mehr nach vorne, denn dazu müßte man im Wind fahren, was bei dem langgezogenen Feld unmöglich ist. Daher heißt es jetzt aufpassen und hoffen, daß nicht irgendwo vorne in der Reihe ein Loch reißt. Die zweite Gerade, 10 km lang, ist verteufelt schwer, denn jetzt bläst der Wind von schräg hinten. Die dritte Gerade, 4 km lang, ist noch schwerer, denn wir fahren jetzt ziemlich genau gegen den Wind. Viele Attacken und Bewegungen im Feld sorgen laufend für Unruhe und Hektik.

Immer, wenn es wirklich brenzlig wird, ist vorne Riccardo Tarlao beteiligt. Wenn der weiter hinten hängt, in den Tiefen des Feldes verborgen, besteht kaum Gefahr. Aber meist ist der Junge vorne und sorgt für Radau, und dann kann man sich hinten die Seele aus dem Leib strampeln und wird dennoch abgehängt. Die erste Runde geht gerade noch gut. Aber das Feld ist sehr viel kleiner geworden, und auf den letzten 9 km zurück nach Caorle wird schräg gegen den Wind gefahren, die Wirkung ist verheerend. Sofort bilden sich unzählige kleine Staffeln und Gruppen, dazwischen immer wieder Einzelfahrer, die aber auf verlorenem Posten stehen. Alleine schafft man gerade mal – bei vollem Einsatz – 30 bis 32 km/h, in der Gruppe doch 40 bis 44 km/h.

In der zweiten Runde ist es dann soweit. Unzählige Male hat Tarlao seine Attacke vorbereitet, jetzt ist es dann sehr schnell geschehen. Mit einem Mal, ganz unspektakulär, ist eine etwa 12köpfige Gruppe vorne weg, dahinter wird ganz kurz versucht, nachzufahren, aber niemand will sich investieren, und ohne Aufwand geht es halt nicht, verlorenes Terrain wieder zurückzuholen. Im Gegenteil, dazu muß man schneller fahren als die vordere Gruppe. Und weil die schon am Limit sind, ist es eigentlich nicht möglich, nochmal aufzuschließen.

Und nachdem die erste Gruppe weg ist, geht das Gemetzel munter weiter. Jetzt wird das restliche Feld durch viele – leider sinnlose – Attacken aufgerieben, immer wieder bilden sich kleine Gruppen, die Situation ist, wie nüblich, ziemlich unübersichtlich. Es kostet enorm viel Kraft, da gegen den Wind ein Loch zuzufahren, was aber v öllig sinnlos ist, denn sofort geht das nächste auf. Irgendwann fährt man keines mehr zu, dann ist man abgehängt. Ende der Geschichte.

Zwei Runden sind absolviert, wir haben mit einer ganz großen Gruppe etwa eineinhalb Minuten Rückstand auf die Spitze, auf der Rückenwind-Geraden versuchen sie noch einmal, vorne heranzufahren. Aber sie geben sich damit zufrieden, 55 km/h zu fahren, aber ich weiß, daß sie vorne 60 fahren, also wird der Abstand eigentlich größer statt kleiner. Spätestens, als es dann nach Norden geht, schräg mit dem Wind, merken sie die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens. Es ist einfach keine Kontinuität gegeben, was hilft es, wenn da einer in einem Wutanfall 300 Meter mit 60 km/h fährt, der nächste ist dann so blau, daß er einen Kilometer braucht, um am weggeschwenkten Fahrer überhaupt vorbeizukommen.

Es ist einfach viel zu unrhythmisch, im Grunde aber ist von den starken Fahrern dieser Gruppe keiner daran interessiert, den Haufen nochmal vorne ranzuführen. Also bleibt nur der Kleinkrieg. Mann gegen Mann, auf diese Art wird die Gruppe auch schnell kleiner. Mir geht es jetzt nicht mehr darum, vorne aufzuschließen, denn diese Chance ist endgültig vertan. Jetzt kann ich nur mehr den Schaden begrenzen, das heißt, versuchen, in einer der vorderen Gruppen unterzukommen.

Das aber bedeutet, entweder aktiv am Gemetzel teilzunehmen, oder passiv im Hintergrund warten, da kann es sich aber sehr leicht ergeben, daß eine Gruppe ohne mich geht. Was auch ein paarmal passiert. Kleine Gruppen, drei bis fünf Mann, die sich da einzeln nach vorne absetzen. Aber kaum geht es darum, ein kontinuierlich hohes Tempo gegen den Wind zu fahren, zeigen sich schnell die Grenzen der einzelnen Fahrer auf. Auf diese Weise kommt natürlich niemand entscheidend weg, aber der Vorsprung der Spitzengruppe vergrößert sich ständig.

Ein paarmal schalte ich mich dann im Finale auch noch ein, aber es ist jedesmal vergebens. Ich fahre ein Loch zu, mit dem letzten Dreck, pfeife aus dem letzten Loch, dann nehmen sie alle die Beine hoch und das Theater beginnt von neuem. Da ist viel Glück dabei, und 5 km vor dem Ziel ergreife ich endgültig die Initiative, fahre einfach drauflos, mache mich klein und windschlüpfrig, 53/15, ohes Trempo, viel Kraft, und ohne auf irgendwen zu achten, fahre ich. Es bildet sich einre kleine 5-Mann-Gruppe, wir kommen auch näher an die Gruppen vor uns heran, aber ganz holen wir sie nicht mehjr ein. Dann sind wir auch sch9on im Ziel.

Der Sieg geht an Luciano Guidolin (GS Aliplast Zerotino), der in 2:10:49 (Schnitt 41,5 km/h) im Sprint vor Dario Selmin (GS Frenocar Cicli Bilato), Fabbrizio Verza (Team Adige) und Riccardo Tarlao (GS De Luca Portogruaro) gewinnt, mir bleibt mit 3:31 Minuten Rückstand der 21. Platz.

Schaffung einer neuen AMATEUR-Kategorie, STREICHUNG der Kategorie Master-Elite

25. Oktober 2008: Schaffung einer neuen AMATEUR-Kategorie, STREICHUNG der Kategorie Master-Elite

Es wird ab der Saison 2009 eine neue ÖRV-Kategorie geben, nämlich die der Amateure. Gestrichen werden dafür die C-Klasse und die Kategorie Master-Elite. Damit soll einem (neuen?) Trend Rechnung getragen werden, nämlich dem, daß immer mehr Fahrer aus den verschiedensten Gründen in den Eliteklassen A, B und C nicht mehr konkurrenzfähig sind. Ein erster Schritt in dieser Richtung (?) war ja laut ÖRV die Einführung einer Marathon-Meisterschaft im Jahr 2007.

Diese neue Amateurklasse betrifft jetzt alle jene A- und B-Fahrer, die glauben, daß sie nicht mehr konkurrenzfähig sind, betrifft die schwächeren U-23-Fahrer, betrifft vor allem die ehemaligen Fahrer der Sportklasse, Master-Elite und Amateure C. Die Distanzen dieser neuen Amateurklasse sind mit 120 km (Straßenrennen) und 30 km (Zeitfahren) gegeben, es wird sogar in diesen beiden Disziplinen Österreichische Meisterschaften geben, allerdings dürfen diese Starter dann bei den Elite-Staatsmeisterschaften nicht an den Start gehen.

Kommentar: es gibt also – wieder einmal – eine Nivellierung nach unten. Hauptgrund der Schaffung dieser neuen Kategorie werden wohl die niedrigen Starterzahlen in den einzelnen Kategorien gewesen sein.

 

Samstag, 25. Oktober: Dreiländer-Straßenrennen in Lenti (Ungarn), zugleich Ungarisches Saisonabschlußrennen, 90 km

Nachdem ich im Vorjahr bei diesem Rennen am Stockerl gestanden bin, möchte ich diesmal den Sieg – angesichts meiner nach wie vor guten Form hoffentlich keine Träumerei! So muß ich leider vor Ort dann erst feststellen, daß wir heuer auf ganz anderer Strecke fahren, ich also den selektiven Kurs des Vorjahrs heuer nicht mehr vorfinden werde. Die aktuelle Strecke ist dem Dreiländer-Marathon nachempfunden, den der rührige Radsportklub aus dieser Ecke Ungarns auch jährlich veranstaltet, aber das wiederum hilft mir nichts, weil ich diesen Kurs nicht kenne. Schnell die Karte hervorgeholt und nachgeschaut, muß ich feststellen, daß es wahrscheinlich ein ganz flaches Rennen sein wird. Der einzige Trost: die relativ lange Distanz.

Am Start stehen dann auch hauptsächlich Ungarn, dazu aber auch Slowenen und Kroaten, ein Deutscher (wird wohl hier irgendwo Urlaub machen) und ein Österreicher (nämlich ich). Ein gemächlicher Beginn soll wohl in trügerischer Hoffnung wiegen, daß das alles ein Spaziergang wird. Ich weiß es besser, und als nach knapp 5 km die erste Attacke folgt, bin ich sofort hellhörig und setze nach. Und richtig, die Spitze läßt nicht locker, ich natürlich auch nicht, ich brauche ganze 4 km, um mich so nach und nach an die Gruppe heranzukämpfen. Nach mir schaffen noch ein paar Fahrer – alle einzeln – den Anschluß, und dann sind wir 14 Fahrer, die mit hohem Tempo, sich gleichmäßig abwechselnd, nach Süden fahren, der slowenischen und kroatischen Grenze entlang.

Von hinten kommt niemand mehr, unser Vorsprung ist so groß, daß wir hinter uns niemand mehr sehen. Nur nicht übermütig werden, noch ist nichts gewonnen! Entscheidend dürfte jetzt wohl sein,  sich so gut wie möglich zu schonen. Ich versuche halt, mit allen möglichen Tricks mich um eine Führungsarbeit zu drücken, was mir sehr oft gelingt. Ich glaube, von allen 14 Fahrern habe ich am wenigsten geführt. Und immer wieder habe ich meine Führung ausgelassen.

Nach 40 km erreichen wir die kroatische Grenze, danach wird weiterhin zaghaft angegriffen, aber immer wieder neutralisiert. Nach einer Weile fällt mir auf, daß wir weniger geworden sind. Ich zähle durch und komme auf 12 Mann, also sind zwei Fahrer irgendwann zurückgefallen. Oder habe ich mich vorher verzählt? Auf kroatischem Boden fahren wir bald auf schmalen Nebenstraßen, und mit einem Mal gibt es eine wuchtige Attacke, die ich völlig verschlafen habe, ein Mann setzt sich ab, es gibt dahinter drei Verfolger und dann neun Mann inklusive mir. Der Abstand zwischen den einzelnen Gruppen beträgt etwa 100 Meter. Keine Ahnung, weshalb wir 9 den einzelnen vorne nicht einholen, wir fahren 42 bis 44 km/h, und das bei starkem Seitenwind. Wer ist der Typ da vorne?

in paar Kilometer geht es so dahin, dann holen die Verfolger den Solofahrer ein, uncd sofort kommen wir auch wieder an die Vierergruppe näher ran. Komisch, aber weil sie jetzt zu viert sind, holen wir sie ein. Was soll ich davon halten? Wenig später, kurz vor der slowenischen Grenze, ist wieder die Gruppe geschlossen. Wozu das alles also?

Ich sehe mir den Typ näher an, und ein paarmal reagiert er auch, als angegriffen wird, er ist derjenige, der sofort das Loch zufährt. Und dann wieder völlig unmotiviert selbst attackiert. Dann hat er sogar mal einen nahezu perfekten Moment erwischt, fährt weg, nimmt dann aber die Beine hoch. Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll. Ist das alles nur Geplänkel oder ist er der typische Randalierer, der nur für Unruhe und Chaos sorgt, aber nichts zeigt, wenn es darauf ankommt?

Die slowenische Grenze ist erreicht, wir sind nach wie vor 12 Mann, und unmittelbar danach greift mein Randalierer abermals an, reißt wuchtig ein großes Loch, bleibt dann aber stecken. Aber er beschäftigt den Haufen wenigstens und macht ihn mürbe. Danke, daß er mir so viel Arbeit abnimmt. Und konsequent geht es in dieser Tonart weiter. Immer wieder tritt er an, nimmt dann aber die Beine hoch. Komischer Typ.

Kurz vor Lendava treten drei Mann an, und er springt sofort dazu. (Ich habe diese Aktion völlig verschlafen, alle anderen auch. Die vier setzen sich etwas ab, es kommt eine Verfolgung zustande. Es dauert eine Zeit, ab er dann fahren wir einen technisch sauberen Kreisel, das Tempo steigt bis 45km/h, langsam kommen wir wieder näher. Als dann plötzlich vorne einer zurückfällt, den wir wenig später aufsammeln. Wer es ist? Richtig, der Randalierer. Damit ist für mich der Fall klar. Keine 15 km mehr bis ins Ziel, in einer solchen Situation nimmt man doch nicht die Beine hoch, wenn man schon einen Vorsprung hat. Für mich ist er damit ein Blender.

Kurz vor der ungarischen Grenze sind auch die restlichen drei Mann wieder gestellt. In all dieser Zeit habe ich mich völlig unauffällig verhalten, habe nie aktiv vorne an der Spitze mitgemischt. Dann muß ich mir jetzt endlich Gedanken machen, wie ich das Finale fahre. Entweder in der Gtruppe bleiben und den Sprint fahren, vielleicht komme ich da unter die ersten zehn, oder aber schnellstens aktiv werden.

Es ist nicht mehr weit bis ins Ziel. Langsam fahre ich auf die linke Straßenseite rüber, werde dann minimal schneller als die Gruppe, bin dann vorne, das Loch wird größer, Oberlnker, ich blicke nicht zurück, sehe oder drehe mich nicht um, das würde alles ja nach Absicht aussehen. Ich muß ganz sanft und vorsichtig sein, denn ich habe nur diesen einen Versuch. Noch 6 km.

Eine endlos lange Gerade, bis ins Ziel gibt es jetzt keine Kurve mehr. Ich sehe es am Schatten und ich spüre es förmlich, daß ich alleine bin. Nur nicht nachlassen. Es ist schwer genug, in dieser Haltung schnell zu fahren, ich fahre so an die 40 km/h. Es ist wie ein Tanz auf einer Rasierklinge. Bin ich zu langsam, holen sie mich wieder, bin ich zu schnell, starten sie sofort die Verfolgung und holen mich.

So oder so, die Chancen stehen nicht sehr gut. Deshalb ist jeder Meter wichtig, den ich alleine unterwegs bin. Nur nicht zurückschauen. Noch 4 km. Meine Chancen steigen, denn sie haben mich noch immer nicht geholt. Langsam drücke ich jetzt aufs Tempo. 39 km/h, dann 40. Die Meter scheinen endlos zu sein, die Sekunden verrinnen quälend langsam. Noch 3 km. Lenti liegt vor mir, die ersten Häuser sind erreicht.

Verstohlen blicke ich mich um, sie fahren etwa 100 Meter hinter mir, wütende Aufforderungen, wahrscheinlich schiebt jeder die Last des Nachfahrens auf den anderen. Das ist jetzt der Moment, der auch für mich spricht. Die Zielnähe. Da zögern sie alle, ihre Energien jetzt schon in die Waagschale zu werfen. Jeder Meter näher zum Ziel ist jetzt Goldes wert. Noch 1,5 km. Viel kann ich nicht mehr zusetzen, ich fahre jetzt schon 43 km/h, bin aber immer noch minimal schneller als die Verfolger.

Es strapaziert die Nerven sehr, ich überlege ja auch andauernd, soll ich schneller fahrern, kann ich überhaupt schneller fahren? Noch 1 km, jetzt ist es egal, jetzt heißt es voll reinhalten, aber ich weiß auch, in dem Moment, in dem ich aufstehe, bricht hinten der Sturm los. Der bricht aber jetzt sowieso los – ich stehe auf und sprinte los, noch 900 Meter.

Jetzt brauche ich mich auch nicht umzusehen, jetzt geht es nur mehr Richtung Zielstrich, und der liegt vor mir, nicht hinter mir. Die Augen saugen sich förmlich an dieser imaginären Linie fest, die lange, lange Zielgerade wird von Zuschauern gesäumt. Diese letzten Meter sind die härtesten des ganzen Rennens, obwohl es topfeben und schnurgeradeaus geht. Die Beine brennen, die Arme, der Nacken, die Luft wird knapp, ich mache mich klein, spurte wie verrückt dem Zieltransparent entgegen, ich spüre den Atem der Verfolger, es wird knapp, das weiß ich, aber noch ist keiner an mir vorbei.

Noch 200 Meter. Ein letztes Mal stehe ich auf, kann aber nicht mehr beschleunigen. Selten bin ich so ausgepreßt und ausgelutscht gewesen wie jetzt. Ich fühle mich wie eine uralte, leere Hülle, ohne jede Substanz. Wahrscheinlich sehe ich auch in diesem Augenblick dementsprechend aus. Seltsam, was da für Gedanken durch das Hirn wandern. Dann zieht auch schon das Zieltransparent über mir hinweg. Ich lasse es ausrollen. Zentimeter hinter der Linie schießen sie rechts und links an mir vorbei, wie wütende Hummeln, ich spüre die Aggression förmlich physisch. Ist natürlich auch der Frust, daß sie sich derart überrumpeln haben lassen.

Selten habe ich mich über einen Sieg so gefreut wie diesmal. Die letzten Kilometer waren die Hölle, und das macht diesen Sieg so wertvoll. Meine Siegerzeit von 2:12 Stunden bedeutet einen Schnitt von 40,6 km/h.

Keine Starterlaubnis für ehemalige Dopingsünder in der Steiermark!

22. Oktober 2008: Keine Starterlaubnis für ehemalige Dopingsünder in der Steiermark!

Der Steirische Landesradsportverband spielt eine Vorreiterrolle: unter LRV-Präsident Rupert Tschernko wurde der Beschluß verabschiedet, daß ab 1. Jänner 2009 keine EHEMALIGEN Dopingsünder bei einem über den ÖRV veranstalteten Radrennen an den Start gehen dürfen! Das heißt, hier handelt es sich um solche Fahrer, die eine Dopingsperre abgesessen haben, egal wann, egal, wie lange, die dürfen  bei KEINEM LRV-Rennen mehr an den Start gehen!

Wenn dieses Beispiel Schule macht und am Ende – irgendwann? – mal alle LRV´s nachgezogen haben, dann gilt diese Regelung österreichweit und wir haben hier praktisch ein LEBENSLANGES STARTVERBOT nach einer EIN- oder ZWEIJÄHRIGEN DOPINGSPERRE! Die Dinge kommen ja doch noch ins Rollen!!!

Sonntag, 19. Oktober 2008: Bergzeitfahren Montecchio Maggiore – San Urbano um die Coppa Santa Eurosia und die Trofeo Calpeda Pompe, zugleich Regionalbergmeisterschaft der Provinz Verona (I), 4,6 km

Ein uraltes Rennen, das heuer schon zum 52. Mal veranstaltet wird, und ich bin hier auch schon einige Male mitgefahren. Die Strecke liegt mir, ich habe mich hier immer sehr gut geschlagen. Mit 210 Höhenmetern ist es auch kein richtiger Berg, es geht auch viel bergab, es ist vielmehr ein technisch sehr schwieriger Abschnitt, weil man sehr oft schalten muß. Wegen dem schnellen gestrigen Rennen muß ich mich heute ausgiebig aufwärmen, und das tue ich auch, indem ich eineinhalb Stunden lang die Muskeln auf Betriebstemperatur bringe. Ich starte schon sehr bald, mit der Nummer 12, und optimal aufgewärmt stehe ich am Start. In Minutenabständen wird gestartet, ich kenne die Strecke auch sehr gut, ich bin beim Aufwärmen einmal raufgefahren, davor auch einmal mit dem Auto.

Flacher Beginn, dann kommt gleich das selektivste Stück, knapp 2 km lang geht es mit gut 10 % bergan, ich fahre da mit 39/20 und verfluche mich insgeheim, weil es mir zu hart ist, aber ich wuchte mich drüber und im Endeffekt bin ich gar nicht mal so langsam. Oben bei der Kirche SS Trinita ist eine Kuppe, dann geht es wieder ca. 15 Höhenmeter runter, eine flache Mulde, ehe der nächste, zweite Anstieg wartet, durchgehend steil, aber nicht sehr lange, genau 600 Meter, und dort hole ich unmittelbar vor der Kuppe einen Fahrer ein , schieße förmlich an ihm vorbei und bin schon wenige Meter später wieder alleine.

Jewtzt kommt eine längere Abfahrt, dann eine kleine, kurze Kuppe, wir sind hier schon am Oretsanfang von San Urbano, durch die Ortschaft geht es runter, von dieser Hauptstraße dann rechts weg und steil runter auf enger, schmaler Straße, einen engen Bogen nach links unten in der Mulde und wieder rauf auf die Hauptstraße, die Straße steigt jetzt wieder, und hier  wieder zurück Richtung Ortstafel noch etwa 150 Meter bis zum Zielstrich. In 10:20 Minuten bewältige ich die Distanz, und das ist schon sehr gut, denn ich bin hier schon einige Male eine 11er-Zeit gefahren.

Ich habe leider das Pech, daß ausgerechnet in meiner Altersklasse der regierende Italien-Meister am Berg am Start ist, Silvano Titotto. Gegen den ist kein Kraut gewachsen, der ist überdies in großartiger Formn, wie er mit seinem gestrigen 5. Platz eindrucksvoll bewiesen hat. Und heute gewinnt er in 9:43 Minuten vor Enzo Bergamasco (Bike Benato FRW Term Primolan) in 10:19. Und der ist mein Sargnagel, ist er doch um ganze 0,4 Sekunden schneller als ich! Eine einzige Kurve absolut schneiden, und ich wäre an der zweiten Stelle gelandet! Ich könnte mir hinten reinbeißen , der Frust ist riesig. Gut, ich kenne den  Typ nicht, aber wie ein paar Resultate aus dem heurigen Jahr beweisen, ist er einer der Topfahrer. Aus dieser Region hier im Veneto, natürlich kenne ich ihn da nicht besonders. Sicher, ein dritter Platz ist ganz gut, aber so knapp den zweiten Rang verpassen, ist schlimm, vor allem für die Psyche. Daß mir Titotto hier 37 Sekunden abnimmt, damit habe ich gerechnet.

Samstag, 18. Oktober 2008: Rundstreckenrennen um die Trofeo Memorial Enrico Rossi in Busco di Ponte di Piave, 55,6 km

Wieder ist es sehr warm, 23° am Nachmittag, Hochnebel, starker S-Wind, als ich zusammen mit einer sehr großen Meute von über 100 Fahrern den 5,5 km langen Rundkurs in Angriff nehme. Und diesmal bläst mir von Anfang an ein sehr rauer Wind mitten ins Gesicht. Die Konkurrenz hat sich formiert, die Schmach der Vorwoche ist nicht vergessen. Heute soll der Tag der Abrechnung sein, mit dem Startschuß laufen auch schon die ersten Attacken. Die erste Runde wird unglaublich schnell gefahren, sie besteht im Prinzip aus zwei langen Geraden.

Ich kann mich im Feld halten, aber das ist langgezogen, und ich stecke irgendwo weit hinten. Zweite Runde gibt es bereits die ersten Ausreißer, Tarlao und Maracani mischen vorne mit, dazu noch Grisenti. Krampfhaft versuche ich, mich nach vorne zu arbeiten, aber das gelingt nur mühsam und langsam. Kaum vorne, kann ich bereits Löcher zufahren. Wenn ich es nicht tue, sind die Ausreißer weg. Da wird mit aller Konsequenz gefahren, und ich erkenne auch, daß ich das eigentliche Ziel all dieser Angriffe bin. Sie wollen mich weichklopfen.

Sie wollen, daß ich so oft nachfahre, bis ich kaputt bin. Zwei, drei Runden lang spiele ich mit, bis ich erkenne, daß ich das niemals überleben kann. Also tue ich ihnen den Gefallen und stelle mich tot. Lasse mich zurückfallen, so an die 30. bis 40. Position, und überlasse das ganze Geschehen den anderen. Ich kann wirklich nicht jedem nachsetzen. Zwei, drei Runden lang geht das auch gut, aber dann passiert es halt doch. Ich lasse mich in die Falle locken, fahre ein Loch zu, in dieser Phase ist das Tempo schon sehr hoch, jenseits der 50, und es kostet unheimlich viel Substanz. Dann bin ich endlich dran, Tarlao und Grisenti sind ebenfalls vorne, lassen sich keinen Moment aus den Augen.

Mit einem Mal zerplatzt die ganze Gruppe, es ist die neunte und vorletzte Runde, vorne ist die Spitze sofort weg, mit Tarlao, Maracani und Grisenti, dahinter ein paar kleinere Gruppen, ich rolle alleine dahinter, das Loch geht irrsinnig schnell auf. Diesmal kann ich eine Plazierung abschreiben, da ist nichts mehr drin. Doch der starke Wind fordert seinen Tribut, vorne müssen sie auch wieder Tempo rausnehmen. Daß ich so schnell abgerissen bin, verunsichert sie. Jetzt sind sie zwar vorne, wissen aber nicht, was sie tun sollen. Es geht in die Schlußrunde, in die letzten 5 km.

Alleine habe ich bereits jede Hoffnung aufgegeben, als plötzlich von hinten eine Gruppe kommt, die phantastisch läuft. Ich steige mit ein und bin urplötzlich mitten in der schärfsten Verfolgung meines Lebens. Alle ziehen sie an einem Strang, es sind keine zehn Fahrer, aber der Zug ist unglaublich. Wir fliegen förmlich um den Rundkurs, und 2 km vor dem Ziel haben wir die Gruppe wieder vor Augen. Etwa 900 Meter vor dem Zielstreifen schließen wir auf, und da erst sehe ich, daß das die Spitzengruppe ist, daß alle Gruppen und Einzelfahrer vorne wieder zusammengelaufen sind. Sofort riskiere ich alles, mit 53/14 und aller Kraft sprinte ich zu der Gruppe hin, als hinter mir ein Krachen und Scheppern zu hören ist. Aus den Augenwinkeln sehe ich ein paar Fahrer wild in einem Knäuel über die Straße schlittern.

Keine Zeit, mich darum zu kümmern, hinter mir ein Loch jetzt, der Sturz hat den hinteren Teil der Gruppe abgekuppelt. Soll mir recht sein, vorne wild jetzt wild gesprintet, auf breiter Front jagt die Meute dem Zielstrich entgegen. Es ist ein hektischer, chaotischer Sprint, ein unübersichtlicher und damit auch ein ziemlich unkonventioneller. Der Ausgang ist auch etwas überraschend.

Gut, der Sprintsieg des starken Sprinters Alberto Busato (GS De Luca Portogruaro) vielleicht weniger, der zweite von Vittorio Parpaiola (GS Cicli Morbiato) und der dritte von Francesco Barbirato (Gran Fondo Pinarello) auch nicht wirklich, aber der fünfte von Bergspezialist Silvano Titotto (GS Frenocar Cicli Bilato) schon, der siebente Platz von Alfio Maracani auf alle Fälle, der achte von Dario Grisenti oder gar der 12.  von Riccardo Tarlao sind die Sensation des Tages schlechthin. Ich bin an der 19. Stelle plaziert, nicht schlecht, aber etwas mehr hätte ich mir schon erwartet.

Gut, ich bin nicht der Paradesprinter, und wenn ich so massiv angegriffen werde wie diesmal, auf so breiter Front vom beinahe gesamten Starterfeld, was soll ich mir dann noch erwarten als Ergebnis? Andererseits: ich war schon klar geschlagen, abgehängt und distanziert, und bin wieder herangekommen. Im Ziel war ich wieder dabei, und das ist – vielleicht die größte Sensation des Tages??

Das Rennen, das gerade mal 1:16 Stunden gedauert hat, wurde mit einem Schnitt von 43,21 km/h gefahren – ein so schnelles habe ich jedenfalls daheim in Österreich heuer keines erlebt.

 

Sonntag, 12. Oktober 2008: Straßenrennen um den Gran Premio di Comune di Stra (I), 93,5 km

Das dritte Rennen in zwei Tagen, diesmal ein langes: über 90 km sind zu fahren, 9 Runden auf dem traditionellen Rundkurs in Stra, flach, hohes Tempo, sehr starke Konkurrenz. Diesmal überstehe ich die erste Runde, dann ab er fällt mir alles zunehmend schwerer. Das sind halt die beiden Rennen gestern, die bleiben natürlich nicht unbemerkt. Die Beine sind nicht mehr frisch und schnell, ich muß mich plagen.

Gleich in der 2. Runde sind 3 Mann vorne weggefahren, und als die bereits 15 Sekunden Vorsprung haben, sprintet Tarlao alleine nach. Ich war aufmerksam und springe sofort hin und fahre mit, erreiche ihn aber nicht ganz. Sofort bin ich am Anschlag und merke, daß ich nichts mehr zusetzen kann. Scheiße, ich hänge zwischen den Stühlen, muß das ganze Abenteuer abbrechen, rolle dahin, bis das Feld wieder da ist. Etwa 5 km später ist auch die Spitze wieder gestellt. Das ist noch einmal gutgegangen. Die 3. bis 8. Runde sind besonders nervig, ich bin geistig wie weggetreten, falle zwischendurch immer sehr, sehr weit im Feld zurück, und das Feld ist riesengroß, da sind weit über 100 Mann dabei.

Vor allem mental bin ich träge und unbeweglich, bin voller pessimistischer Gedanken, physisch bin ich gar nicht mal so sehr angeschlagen. Aber körperlich kann ich der Stärkste sein, wenn es im Kopf nicht stimmt, ist gar nichts drinnen. Ich wurschtle mich halt so Runde um Runde mit und bin dann im Finale immer noch dabei. Ich war nie in Gefahr, abgehängt zu werden oder zurückzufallen, aber ich mußte mich über Gebühr motivieren dazu. Die Anstrengung ist an diesem Tag vor allem eine geistige.

Im Finale wache ich dann sozusagen auf. Schlußrunde um Stra, und Tarlao, der bis auf seine Aktion in der 2. Runde nichts gezeigt hat, wird auch langsam munter und arbeitet sich langsam nach vorne. Ich reagiere und hefte mich an seinm Hinterrad. Ist hoffnungslos, wenige Sekunde später habe ich ihn verloren und ein paar hundert Meter später sehe ich, wie er vorne attackiert.  Aber die Konkurrenz ist auf der Hut, er kommt nicht weg. Ich arbeite mich durch den Haufen in Richtung Spitze, es ist mühsam, immer wieder werde ich abgedrängt, erkämpfe mir 10 Positionen, verliere aber 15 gleich in der nächsten Kurve.

Noch 2 km, gut 30 bis 40 Mann sind noch vor mir. Ein Verzweiflungsantritt bringt mich mit riesigem Risiko in einer langgezogenen Linkskurve ganz nach vorne, ich rasiere um Millimeter am Randstein vorbei. Wieso fahre ich auf einmal so riskant? Ich habe den Tunnelblick, sehe nur die Spitzenposition vor mir. Jetzt liege ich an der 5. Stelle, dann die 1000-m-Marke, wieder geht rechts eine ganze Staffel vorbei, wir sind in der langgezogenen Rechtskurve vor dem Schloß. Einserreihe am rechten Straßenrand, ich muß links raus in den Wind, sonst komme ich nicht mehr ganz nach vor.

Und das bei Tempo 56! Ich gewinne ein paar Positionen, dann ist Endstation, ich bin eingezwickt, noch 500 Meter, rechts und links formieren sich die Sprinter, da wird gedrückt, geschoben und gebremst, gezogen und blockiert, daß es nur so eine Freude ist. Da darf man keine Angst vor einem Sturz haben. Ich halte voll drauf, noch 300 Meter, links vor mir ist eine Lücke, ich schwenke rüber, die Lücke kommt näher, dann bin ich durch. Die Beine brennen,  jetzt aus dem Sattel, die Zielgerade auf dem Hauptplatz, ich rase unter dem Transparant durch. Viele waren nicht vor mir, unter den ersten zehn bin ich. Wir waren noch etwas über 100 Mann beim Zielsprint, normalerweise ist das nichts für mich. Heute war ich wirklich positiv überrascht über meinen Sprint, so stark hätte ich mich nicht eingeschätzt.

Der Sieg geht an Bojan Ropret (Slowenien, vom GS Barbariga) vor Ricardo Tarlao (GS De Luca Portogruaro) und Luciano Guidolin (Aliplast Zerotino), ich bin an der 6. Stelle klassiert. Auch nicht schlecht. Das ist eine wirklich hochkarätige Truppe, die da am Podest steht. Der Sieger war bei den Amateuren mehrfacher WM-Medaillengewinner, Tarlao der Ex-Profi und Guidolin der Italien-Meister.

Robert

Samstag, 11. Oktober 2008: Rundstreckenrennen um die Trofeo Banca di Credito Cooperativo Santa Maria Assunta im Autodrome Adria International Raceway, 40,5 km

Am Adria-Ring, einer 2,7 km langen Auto-Rennstrecke bei Smergoncino, findet am Abend, eigentlich in der Nacht, das zweite Rennen des heutigen Tages statt. Gut, dazwischen liegt eine 110 km lange Autofahrt, vielmehr eine Hetzjagd, um noch rechtzeitig zum Start zu kommen. Ein ganz eigenartiges Flair liegt da in der Luft. Trotz der späten Jahreszeit ist es noch sehr mild, es hat nach Einbruch der Dunkelheit noch 19°! Wir starten zusammen mit den Veteranen, es finden sich 43 Starter ein, ein eigentlich ganz ansehnliches Starterfeld. Und sehr schnell sollte sich herausstellen, was das für Kapazunder sind, die meisten gelernte Bahnfahrer und Sprinter.

In den ersten Runden muß ich mich wahnsinnig quälen, um danzubleiben, dann, als es endlich halbwegs rund läuft, häufen sich die Attacken, das Rennen wird schnell und schneller. Gottseidank bin ich relativ weit vorne im Feld, ich könnte in der Phase keine einzige Position gutmachen. Das Feld teilt sich, ich bin der letzte des ersten Feldes, was soll ich noch sagen? Der Magen scheint sich umzustülpen, aber ich gebe keinen Millimeter preis. Immer wenn ich auf meinen Computer sehe, fahren wir weit über 50 km/h.

Irgendwann verschwimmt alles und vermischt sich, Eindrücke, Situationen, es wird finster, die Flutlichtanlage ist von Anfang an eingeschaltet. Es ist eine Qual, da mitzuhalten. Es wird im Finale nicht schneller, das geht gar nicht, man kann nicht noch schneller fahren, es wird unrhythmischer, es wird laufend attackiert. Ich spüre das Nachmittagsrennen, die lange Autofahrt, zuerst sechseinhalb Stunden nach Pontepossero, dann knappe zwei Stunden nach Adria, so was geht nicht spurlos vorüber.

Die letzte Runde bringt die Entscheidung: ein Fahrer hat sich schon anfangs der vorletzten Runde abgesetzt, seine führende Position verteidigt, der ist nicht mehr zu holen, dahinter bildet sich nach wilden Fetzereien und Tempojagden eine  kleine Verfolgergruppe und eine Vefolgergruppe der Verfolgergruppe, in der ich auch dabei bin. Den Zielsprint kann ich nicht mehr mitfahren, ich rolle einfach über den Zielstrich.

Beim Lesen der Ergebnisliste eine halbe Stunde später falle ich fast aus allen Wolken: ich war als Achter im Ziel und habe damit die Klasse Gentlemen GEWONNEN! Meine Siegerzeit von 51:12 Minuten sind ein Schnitt von 48,2 km/h!!! Der Zweite war erst in der nächsten Gruppe, Carlo Maccapani (Veloclub Del Torre) und Adriano Mosca (Cicli Estense).  Die Preise können sich sehen lassen: Siegeskranz, Blumenstrauß, Pokal und – man staune – 150.- € in bar! Der Klub ASD Adria Bike hat dieses Rennen zum ersten Mal veranstaltet, jetzt hoffe ich, daß ich vielleicht im nächsten Jahr hier wieder starten kann.

Robert

Samstag, 11. Oktober 2008: Rundstreckenrennen in Pontepossero di Verona, 60,5 km

Ein langes Wochenende steht mir bevor, den Anfang macht das Rundstreckenrennen in Pontepossero. Laut Ausschreibung sollte es ein Straßenrennen sein, eine 11-km-Runde sollte fünfmal durchfahren werden, stattdessen stellt sich der Bewerb als Rundstreckenrennen heraus, eine 5,5-km-Runde bewältigen wir elfmal. Starke Konkurrenz, die meisten davon kenne ich nur flüchtig bis gar nicht, und ein Kurs, auf dem unwahrscheinliches Tempo gebolzt wird.

Ein Duo fällt mir gleich am Start auf,  die kenne ich sehr gut: Roberto Grisenti und Stefano Lucianer vom GS-Grisenti-Promelit-Team aus dem Trentino, die bilden ein sehr gut eingespieltes Tandem, das man nicht übersehen darf. Ich beschließe gleich mal, mich immer in der Nähe der beiden aufzuhalten, denn die fahren sicher nicht sehr oft so weit im Süden, werden vielleicht auch etwas unterschätzt und finden dann Möglichkeiten vor, aus denen sie zu zweit sicher mehr machen können als ich, der ich alleine bin.

Die ersten Runden werden in einer wahren Tempohatz heruntergespult,  viel tut sich nicht, das Feld wird kleiner, die Favoriten bleiben übrig, die beiden Trentiner sind immer dann vorne im Geschehen dabei, wenn es gefährlich wird. Ich hatte recht mit meinem Riecher, die sind mein heißester Tip heute. Bei dem hohen Tedmpo kann ich sowieso nichts anderes tun als vorne bleiben, da scheidet eine Soloattacke fast aus. Attackiert wird pausenlos, immer von anderen, immer zerreißt die Spitze, immer wieder findet sie aber auch zusammen. Das geht ganz gehörig an die Nerven, insgesamt dreimal muß ich auf den letzten drei Runden alleine nachfahren.

Dann die Entscheidung im Finale: Ich spüre förmlich, daß sich die Situation zuspitzt, das Tempo wird immer höher, immer öfter bricht die Gruppe auseinander, Grisenti und Lucianer sind abwechselnd die Tempomacher, dazu Maracani und Feltrin, bei denen muß ich unbedingt dranbleiben. Ich fahre also auch immer an der Spitze, gehe aber nie in den Wind, außer bei den drei Malen, als ich nachfahren mußte. Und mit einem Mal, so schnell kann ich gar nicht schauen, sind wir zu viert mit einem kleinen Vorsprung v orne.

Ich bete zu Gott, daß sie jetzt ordentlich fahren, vor allem gleichmäßig, aber Grisenti ist nicht dabei, Lucianer auch nicht, dafür Maracani und Konsorten. Nur dranbleiben, nehme ich mir vor, konsequent bleibe ich bei Maracani am Hinterrad. Wenn er wegschwenkt, dann ich auch. Er schaut mich finster an, aber es  bleibt keine Zeit für eine Konversation. Rasend hohes Tempo, gleichmäßig, da merkt man, da sind Klasseleute am Werk, die letzte Runde fahren wir mit dem Atem der Verfolger im Nacken.

Noch tausend Meter, noch fünfhundert Meter, wir sind wieder in Pontepossero, die lange Gerade, die schmale Straße, von hinten fliegt einer vorbei, Maracani geht sofort ans Hinterrad, zieht den dritten mit, ich bleibe übrig. Langgezogene und verteufelt schnelle Linkskurve, dann noch etwa 100 Meter geradeaus zum Zielstreifen.

Der Schwung durch die Kurve kommt mir wie gerufen, ich stehe auf und sprinte und erwische noch einen, der schon die Beine hochgenommen hat. Ja, das ist der dritte Platz, ich stehe am Podium, wieder einmal! Und das, ohne aktiv gefahren zu sein! Alfio Maracani (ASD Frenocar) gewinnt vor Enzo Serpelloni und mir, die Verfolger haben gerade mal 9 Sekunden Rückstand. Wie schnell das Rennen war, zeigt der Schnitt von 44,3 km/h!

Robert

Sonntag, 5. Oktober 2008: Steirisches Saisonfinale, Kriterium Rund um den Burger King in Graz-Seiersberg, 21,6 km

Das Rennen ist das steirische Saisonfinale, für  mich aber geht die Saison danach noch lange weiter. Herrliches Wetter, mild, 18°, leichter NW-Wind, strahlend blauer Himmel, ein perfekter Rundkurs mit einer technisch sauschweren Zielkurve, aber leider: KAUM STARTER!!! Ein unglaublich kleines Starterfeld in den Klassen Master 3 und 4, da fragt man sich wirklich, wo die alle hingekommen sind? Schon im Winterschlaf? Gegenfrage: sind die überhaupt irgendwann mal munter gewesen??

Der Zieleinlauf ist ein Hit: bergauf, man kommt von einer Abfahrt mit hohem Tempo auf diese letzten 150 Meter, hat dann eine scharfe 90gradige Rechtskurve und eine folgende 180gradige Linkskurve mit dem Zielsprint über die Kuppe. Ist wahrscheinlich der technisch schwierigste Zielsprint Österreichs.

Vom Start weg führt der Groß Rudi das Feld an, er führt konseqauent eineinhalb Runden lang, dabei sind wir nicht mal langsam. Ich fahre ganz vorne mit, aufmerksam und konzentriert. Der erste Punktesprint kommt bald, aber ich habe nicht den Hauch einer Chance. Aber diese ersten Runden reichen mir, um zu erkennen, daß ich das gestrige sauschwere Bergrennen gar nicht mehr spüre. Meine Taktik ist klar: im Sprint habe keine Chanmce, also muß ich mit Ausreißversuchen zum Erfolg und zu Punkten kommen.

Es sind eine Menge starker Sprinter dabei, Groß, Taucher, Stocker, Gössler, der Slowene Csar und noch ein paar andere, auf die ich auch achten muß. Zu Beginn der zweiten Wertungsrunde greife ich an, weil ich merke, daß da so ein Moment ist, in dem sich alle nur dumm anstarren. Hohes Tempo, so um die 50 km/h, zwei Gerade, dann die Abfahrt mit der folgenden eckigen Linkskurve, kurze Gerade, dann der Bergauf-Zieleinlauf, zu spät geht ihnen ein Licht auf, mein Vorsprung ist schon zu groß – 2. Wertung gewonnen!

In derr Tonart geht es weiter: ich versuche es bei jeder Gelegenheit, meist nach der Wertung und immer dann, wenn mal für einen Moment das Tempo abzusinken droht, man darf den LÜMMELN keine Atempause gönnen! Erst wenn sie permanent gefordert werden und langsam mürbe werden, sind sie reif für die große Attacke. Leider ist die Distanz viel zu kurz dafür. Das weiß ich natürlich, also muß ich mich mit ein paar Pünktchen zufriedengeben und versuchen, bei Ausreißversuchen anderer mitzuspringen oder eben den richtigen Moment zu erwischen, um alleine wegzukommen.

Die dritte Wertung läuft wieder ohne mich, dafür greife ich unmittelbar danach an, aber jedesmal rafft sich dahinter jemand auf und führt die Gruppe wieder heran. Ist nervig. Die vierte Wertung scheint sich beinahe wieder auszugehen, ich habe wieder einmal eine meiner zahllosen Attacken gefahren und komme hinter Stocker als Zweiter aus der letzten Kurve, lasse mich sicherheitshalber durch den Schwung ganz nach rechts raustragen bis zur Absperrung, aber im allerletzten Moment zwängt sich Taucher noch vorbei, wird Zweiter und nimmt mir damit einen schon sicher scheinenden Punkt weg.

Damit halte ich jetzt bei 7 Punkten. Über den aktuellen Stand habe ich keine Ahnung, aber daß ich noch ein paar Punkte brauche, das weiß ich. Leider geht sich keiner mehr aus, alle Attacken bleiben ergebnislos, aber ich versuche es immer wieder, greife bei jeder Gelegenheit an. Dadurch wird das Rennen verdammt schnell und wenn ich schon keine Punkte mache, ich erreiche wenigstens, daß kein anderer angreift.

Am Ende gewinnt der Gössler (ARBÖ Drahteisel Volksbank Köflach) vor Hans Taucher (ARBÖ Kindberg) und Johann Stocker (RC ARBÖ Haus/Ennstal), die drei haben einen ziemlich sicheren Punktepolster, dahinter aber wird es sehr knapp: Groß Rudi 9 Punkte, ich 7 und der Slowene Ljubo Csar 6 Punkte, der Rest bleibt bei null Punkten.

Damit bin ich Fünfter. Nicht schlecht, aber ich hatte schon mit einem Stockerlplatz gerechnet. Naja, meine Sprintschwäche kann ich halt nicht ablegen, die ist ein Hindernis für ein solches Vorhaben. Da hätte ich schon eine paar Runden dauernde Alleinfahrt hinlegen müssen, mindestens eine Wertung noch gewinnen müssen. Hätte, sollte, so kann man halt auch nicht gewinnen.

Robert

Samstag, 4. Oktober 2008: Kolsassberg-Classic, Bergrennen Kolsass – Kolsassberg, zugleich Tiroler Bergmeisterschaft, 5,8 km

Wieder ein Rennen, bei dem so ziemlich alles von Anfang an schief geht, was nur danebengehen kann! Zu spät daheim weggefahren, durch das fürchterliche Sauwetter (Wintereinbruch, Regen und Schnee bis in die Tallagen, am Paß Thurn war eine 10 cm dicke Neuschnee-Decke, am Start 5 Grad und Schneeregen, im Ziel Schneetreiben und 2 Grad sowie dicker Nebel!) war kein schnelles Fahren möglich, nach einer sechseinhalbstündigen Autofahrt bin ich erst 15 Minuten vor dem Start hingekommen, mußte erst Nummer holen, mich einschreiben, umziehen, Rad herrichten, Parkplatz fürs Auto suchen, usw, Aufwärmen hätte ich auch noch sollen, von der Strecke hatte ich keine Ahnung!

Dann also ein Kaltstart, und bereits bei der ersten Steilpassage etwa 20 Meter nach dem Start bin ich durch das Feld durchgereicht worden. Knapp 150 Fahrer waren am Start, erstaunlich viele für dieses Sauwetter, aber ich habe mich gleich übernommen, bin dann natürlich eingebrochen. Vorne haben sich vier Mann abgesetzt, die sind dann erst in der Flachpassage nach 1,5 km eingeholt worden, aber davon habe ich nichts mehr mitgekriegt.  590 Höhenmeter bei 5,8 km Distanz bedeuten eine sausteile Bergstraße, ich hatte auch die Zahnkränze 24 und 25 montiert, und trotzdem war mir das alles noch viel zu steil!

Zusammen mit dem Unterguggenberger Hans bin ich ganz vorne in der ersten Reihe am Start gestanden, genutzt hat das nicht viel. Nach der Flachpassage ist es wieder sausteil geworden, und ich habe um jeden Kurbeltritt gekämpft, den Hans habe ich von Anfang an nicht gesehen, der war irgendwo hinter mir. Auf die Konkurrenz konnte ich nicht achten, ich war mit mir selber genug beschäftigt. Kilometer um Kilometer habe ich mich den Berg hochgewurschtelt, keine Luft, Beine aus Gummi, Lungen haben gestochen und gebrannt, die Schulter, die Oberarme eingeschlafen, furchtbarer Zustände waren das!

Als es im Finale dann doch etwas flacher geworden ist, habe ich das gar nicht bemerkt. Die Kälte hingegen, die habe ich bemerkt, die hat fürchterlich gebrannt, wie eine Flamme aus Eis hat sie sich durch die Bronchien bis in die letzten Lungenflügel hineingezogen, es war ein furchtbarer Schmerz, da war das Brennen in den Beinen wie eine Wohltat dagegen!

Irgendwann war ich im Ziel, ich habe sogar noch auf den letzten 200 Metern um mein Leben gesprintet, hatte keine Ahnung, wie ich ins Ziel gekommen bin, wußte nur, daß das Leid noch lange nicht zu Ende war, denn jetzt mußte ich erst noch den Berg wieder runterfahren!

In der Tiroler Bergmeisterschaft war ich hinter Bernhard Empl (unschlagbar) und Michael Plattner (fast immer unschlagbar) Dritter geworden, es war also in Anbetracht der Umstände ein nahezu perfektes und optimales Ergebnis. Der Hans hat seine Klasse sogar gewonnen und damit den Tiroler Landesmeistertitel geholt!