Sonntag, 24. August 2008: Internationale FIS-RSC-Welt-Radsportwoche in Deutschland, Ölspur-Nationen-Radmarathon, 93,5 km

Wieder einmal regnet es beim Marathon in Strömen. Sauwetter, und kalt ist es obendrein. Nicht gerade motivierend. Kleines Starterfeld und relativ schwache Besetzung machen mir Hoffnung auf einen Spitzenplatz.

Bereits in der ersten Steigung, gleich nach dem Start, beim Spital hinauf nach Hollenegg, bin ich ganz vorne, und das zeigt mir, daß ich heute die Beine für eine Spitzenplazierung habe. Diesen Anstieg überleben nur knapp 30 Mann. In der Folge wird zügig und gleichmäßig gefahren, von hinten kommt niemand mehr heran, unser Vorsprung wächst ständig. Es macht mir keine Probleme, da mitzuhalten, obwohl es von Ausländern in dieser Gruppe nur so wimmelt.

Erster Test beim Anstieg nach St.Andrä, gleichmäßig und flach, und oben auf der Kuppe fahre ich an den drei russischen Spitzenfahrern vorbei, die bis dahin das Tempo vorgegeben haben. In der Abfahrt mache ich nur ein paar Tritte, und bin sofort alleine vorne weg. Ich spüre keinerlei Anstrengung, also fahre ich weiter. Am Waldschacher See vorbei führe ich noch immer, und erst bei der kurzen und flachen Steigung rauf zum Kreisverkehr in Preding holen sie mich ein, Einserreihe, verbissene Gesichter.

Ich spüre, daß das jetzt ein ganz guter Moment ist, ja, der einzige richtige, und trete sofort noch einmal an. Diesmal reagiert niemand, ich komme schön weg, fahre beinahe voll, als ich mich hinsetze und weiterfahre, sehe ich einen Schatten hinter mir. Es ist ein deutscher Fahrer, und der Vorsprung steigt ständig und schnell. Kurz habe ich Bedenken, denn ich mu0 an mein Limit gehen, der Typ hängt sich voll rein. Doch ich bleibe dran. Ich bin halt eher derjenige, der weiter vorausdenkt und schon Energie sparen will.

Dann kommt der Anstieg nach Graschuh, ich fahre voll rauf, 53/19 und oben auf der Kuppe dann 53/21, aber als ich mich dann umdrehe, bin ich alleine. Soll ich alleine weiterfahren? Im ersten Moment warte ich ein paar Momente, aber er kommt nicht. Wo ist er abgeblieben?

Ich denke mir, wenn er hier beim leichtesten aller Anstiege schon solche Probleme hat, dann ist er mir jetzt auf den letzten 45 km mit den vielen Steigungen sicher keine Hilfe.Also alleine weiter.

Es regnet, der Wind bläst, es ist kalt. Und hinter mir die Verfolger, vor mir 40 km. Der Vorsprung? Keine Ahnung, wie groß, aber ich muß annehmen, daß er nicht sehr groß ist. Ich lege alle Kraft und Energie rein, ich muß zunächst mal bis Frauental kommen. Erstaunlicherweise fahre ich alleine mit 40 bis 43 km/h, wie bei einem Zeitfahren.

In Frauental führe ich immer noch, keine Verfolger in Sicht. Also weiter die lange flache Steigung rauf bis Bad Gams. Dann langsam kann ich daran denken, den Vorsprung zu verteidigen. Der Anstieg nach Bad Gams, die Abfahrt, ich hole Luft, verschnaufe etwas, dann der nächste Anstieg, dann der Vocheraberg und die Abfahrt nach Stainz runter. Ich führe immer noch!

Der Sieg rückt näher, ich darf mich halt nur nicht mehr einholen lassen. Wieder der Anstieg nach Graschuh, ich hole ein paar Fahrer ein, die zum erste3nmal dort rauffahren. Ich bin bis 8in die haarspitzen motivie3rt, fahre jetzt wirklich wie in einem Zeitfahren, bergab um die 50 km/h, in der Ebene um die 40 km/h, schnreifde jede Kurve optimal an, schenke keinen Meter und keine Sekunde her. Immer öfter blicke ich mich um, aber da kommt niemand. Die lange flache Passage bis Frauental. Hier müssen  sie mich stellen, sonst schaffen sie es  nicht mehr.

Je näher das Ziel kommt, desto schneller werde ich, desto mehr Kräfte scheine ich noch zu haben. Dann bin ich auf der Bundesstraße. Noch 3 km, keine Verfolger in Sicht. Mit hohem Risiko fahre ich auf der schmalen, naßen Straße durch den Wald, dann rein nach Deutschlandsberg, raus auf die Hauptstraße, noch 1000 Meter, und ich habe mir vorgenommen, diese letzten 1000 Meter ganz und völlig zu genießen. Aber es gibt keine Zuschauer, es hat zu regnen aufgehört, jetzt blinzelt sogar die Sonne durch.

Es vergehen knappe 3 Minuten, ehe der Zweite kmmt, dann noch mal eine Minute bis zum Dritten, die russischen Favoriten sprinten sich diesen Platz aus.

Ich muß schon sagen, dieser Marathon hat sich voll ausgezahlt, der erste absolute Saisonsieg, nicht so wie bisher nur ein Klassensieg!
 

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