Sonntag, 18. Mai 2008: Österreichische Straßen-Staatsmeisterschaft in Unterdanegg, 72 bzw. 60 Km

Heute also die Straßenmeisterschaft, ungewöhnlich früh im Jahr. Eigentlich dumm, denn da gibt es kaum Vorbereitungsrennen. Seit wenigen Tagen weiß ich auch, daß mein Schulterblatt doch angebrochen ist, auch keine aufbauende Neuigkeit. Ich kann mir somit höchstwahrscheinlich alle Träume und Hoffnungen irgendwohin schmieren, muß wohl froh sein, überhaupt ins Ziel zu kommen. Das Rennen findet mit Start und Ziel in Unterdanegg auf einem 6-km-Rundkurs statt, der zwei Anstiege aufweist, 140 Höhenmeter pro Runde. Gleich nach dem Start ein langer, eineinhalb Kilometer langer Anstieg, und kurz vor dem Ziel folgt ein 500-m-Anstieg sowie eine steile, kurvige, enge Abfahrt zum Ziel. Sehr winkelig, der Zielsprint führt wieder leicht bergauf.

Szene aus der 3. Runde, da sieht man die Schulterschmerzen ganz deutlich

Die ersten drei Runden laufen dann überraschend gut, ich halte gut mit, fahre offensiv, fahre einmal alleine dem entwischten Stocker Hans nach und ziehe das ganze Feld mit, zweimal probiere ich es alleine, komme zwar weg, aber das Feld schließt jeweils auf, ich hatte gehofft, daß eine kleine Gruppe kommt. Aber der Kurs ist anscheinend zu schwer für eine Gruppe. Und zu Beginn der 4. Runde dann auch schon sehr schnell und konsequent das Aus: im ersten Teil des Anstiegs eine Attacke, die anderen gehen mit, und ich bleibe übrig, kann nichts mehr zusetzen, auch am folgenden langen flacheren Teil des Anstieges nicht, und oben auf der Kuppe habe ich meine 150 Meter Rückstand, fahre in einer kleinen 3-Mann-Gruppe. Die Abfahrt ist auch nicht dazu angetan, Boden gutzumachen, sie ist sehr flach, da rollt man mit etwa 40 km/h runter, wenn man aktiv und mit harter Übersetzung tritt, dann kommt man schon auf 60 km/h. Keine Frage, auch in der Abfahrt vergrößert sich unser Vorsprung.

Bis ins Ziel wächst meine Gruppe weiter an, wir verlieren auf die Spitze aber kontinuierlich. Im Endeffekt belege ich den 15. Rang. Aus der kleinen Spitzengruppe gewinnt Herbert Habacher (ARBÖ Koller Cycling Team Stattersdorf) den Sprint um den Sieg, im Sprint des größeren Verfolgerfeldes macht mein Klubkollege Hans Schweighofer eine sehr gute, aber unglückliche Figur. Nur ganz knapp verliert er den Sprint gegen den Wiener Herbert Ebermann und wird somit 5. des Meisterschaftsrennens.

Robert

Start der Kategorien 5 und 6, Hans Unterguggenberger führt, Siegfried Rothauer im Hintergrund

Der schwere Kurs macht mir Respekt, aber ich halte doch sehr gut im Feld der Verfolger mit. Die dreiköpfige Spitze ist vorne weg, 2:16 Minuten dahinter geht es in meiner Verfolgergruppe um den vierten Platz. Ich komme ganz gut über den letzten Anstieg, habe auch eine gute Position, halte sie in der Abfahrt und der Zielanfahrt, aber auf der steigenden Zielgeraden ist Ebermann der klar Stärkere und kommt im letzten Moment doch noch vorbei. Naja, der 5. Rang ist ja auch viel besser als erwartet, ich muß wohl mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Johann

Ich habe mich auf diese Meisterschaft gut vorbereitet, das Training war ja auch mangels Straßenrennen im Vorfeld sehr wichtig. Leider ist mir der Kärntner Franz Tarmann zusammen mit der Spitzengruppe der Master-5-Fahrer entwischt. Wir haben alle noch vor dem Rennen mit ihm gesprochen, da hat er beteuert, ein Master-5-Fahrer zu sein, deshalb haben wir auch alle nicht reagiert – ein böser Fehler, denn nach dem Rennen stellte sich heraus, daß er sehr wohl heuer in der Klasse 6 fährt, dieses Schlitzohr!

Ich habe in der Verfolgergruppe mithalten können, habe mich dann in den letzten Runden nur mehr auf den Zielsprint konzentriert. Der letzte Anstieg hat gepaßt, die Zielanfahrt auch, ich hatte eine sehr gute Position, habe nach der Zielkurve geführt, doch dann ist auf der immer länger werdenden ansteigenden Zielgeraden auf den allerletzten Kilometern noch Teamkollege Sigi Rothauer vorbeigehuscht. Ein ganz tolles Ergebnis für ihn, das Comebackrennen nach vielen Jahren Rennabstinenz gleich ein zweiter Platz in der Meisterschaft, ein wahrlich toller Einstand! Für mich blieb der 3. Platz und die Bronzemedaille. Mit dem bitteren Nachgeschmack, eine Medaille an Tarmann verschenkt zu haben. Verschenkt sicherlich, denn im Sprint hätte der Kärntner keine Chance gehabt.

Hans

Szene aus dem Finale der Verfolgergruppe

Das war jetzt meine Saisonpremiere, mein erstes Rennen in dieser Saison, für den neuen Verein. Und gleich die Österreichische Meisterschaft. Umso motivierender fand ich, daß ich bis zum Schluß auf Medaillenkurs war. zwar war die Spitzengruppe weg, aber da das nur Master-5-Fahrer waren, haben sie uns wenig gekümmert. Also ist es in meiner Gruppe um den Sieg in der Masterklasse 6 gegangen. Der Kurs war schwer, sicher, aber als ich die letzte Runde auch noch überlebt hatte, habe ich mich auf den Zielsprint konzentriert, hatte auch eine gute Position, die Zielkurve auch gut passiert, die war ja sehr eng und uneinsehbar, und auf der steigenden Zielgeraden hatte ich das Glück, mich gegen meinen Klubkollegen Hans Unterguggenberger durchzusetzen, weil ich lange genug am Hinterrad geblieben bin und dann auf den letzten Metern die größeren Reserven hatte.

Im Ziel dann bin ich aus allen Wolken gefallen, als ich erfahren mußte, daß das Kärntner Schlitzohr Franz Tarmann, der 5 Minuten früher mit der Spitzengruppe angekommen ist, DOCH ein Master-6-Fahrer ist – und damit der neue Straßenmeister 2008! Kein schöner Zug von ihm, vorher noch zu behaupten, Master 5 zu fahren!

Siegfried

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