Samstag, 3. Mai 2008: Straßenrennen in Tisina (SLO), 80 km

Wir fahren wieder eine völlig neue Strecke, nichts ist´s mit der Streckenkenntnis aus dem Vorjahr. Die Zielgerade ist 3,5 km lang, schnurgerade, schöne, breite Straße, eine ideale Sprintergerade. Der Rest? Schmale, winkelige, kurvige Ortsdurchfahrten, schlechte Straße, viele und große und tiefe Schlaglöcher.  Vom Start weg halte ich mich ganz vorne im Feld der etwa 70 Master-Fahrer (alle Masterklassen 1-6), die kurvige, schlechte Straße tut ihr übriges zur Selektion.

Die Spitzengruppe wird immer kleiner, es wird auch fleißig attackiert, aber das sind alles Einzelaktionen, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ich halte mich zurück, fahre immer unter den Top-15, stehe aber nie im Wind. Es beachtet mich auch niemand, ich kann mich da völlig ungehindert und frei bewegen. 10 Runden auf diesem Kurs sind vor allem eine mentale Herausforderung, man muß sehr, sehr konzentriert fahren. Je näher es dem Ziel geht, desto kleiner ist das Spitzenfeld, aber die stärkeren Fahrer setzen sich durch, die sind vorne, die schwächeren fallen nach und nach zurück. Was die Streckenbeschaffenheit nicht schafft, besorgt der starke Wind.

Aber dann passiert´s leider doch noch. Schlußrunde, Ortsdurchfahrt, ein paar halb verfallene Bauernhäuser, schlechte Straße, irgendjemand in der Einserreihe knallt in ein Schlagloch, es schlägt ihm den Lenker aus der Hand, er stürzt, ein paar nachfolgende Fahrer drüber, und ich natürlich mittendrin. Keine Chance zum Aussteuern, ich knalle voll auf die vier bis sechs Fahrer, die sich auf der gesamten Straßenbreite ausgebreitet haben.

Als ich auf die ohnehin schon verletzte linke Schulter stürze, höre ich den Knochen knacken und hoffe noch, daß das nicht mein Knochen war, sondern der von irgendjemand anderem. Aber so was ist halt leider kein Wunschkonzert. Ich springe sofort wieder auf, rauf aufs Rad, mache mich ganz klein und jage hinterher. Mit knapp 55 km/h fahre ich alleine dem nun schon ganz kleinen Feld hinterher, ich habe keine Zeit, auf Schmerzen zu achten, ich bin auch sehr schnell wieder dran, und in dem Moment greift Ales Hren an, der slowenische Straßenmeister, der heuer schon einige Rennen gewonnen hat.

Mit dem Schwung verlängere ich sofort, springe an sein Hinterrad und fahre mit. Die Attacke scheint genau geplant zu sein, denn im Handumdrehen haben wir einen Riesenvorsprung. Dann wird er unruhig, sieht sich dauernd nach mir um und bedeutet mir, ich solle in den Wind gehen. Na blöde müßte ich sein, ich werde mich hüten! Ich riskiere einfach, bleibe konsequent an seinem Hinterrad, bei der 1000-m-Marke haben wir etwa 150 Meter Vorsprung. Eine ganz knappe Angelegenheit, da darf man sich keine Sekunde erlauben, in der man die Beine hoch nimmt.

Wir retten uns irgendwie ins Ziel, bei 200 Meter etwa tritt er an, ich hänge hinten dran, bin aber um einen Zahn härter übersetzt als er, und ich kann trotz der Schmerzen in der Schulter voll durchziehen, ich gehe etwa 80 m vor dem Zielstrich rechts vorbei, aber dann verhungere ich etwas, die Schmerzen sind übermächtig, ich lasse ein paar Tritte aus und rolle nur mehr über den Strich. Eine solche Chance darf man einem Ales Hren aber niemals geben, und so schiebt er sich dann auch noch Zentimeter vor der Linie vorbei – mir bleibt Rang 2 und eigentlich doch viel mehr, als ich unter diesen Umständen erwarten durfte.

Die Heimfahrt wird zur Tortur, ich fahre gleich ins UKH, lasse meine Schulter röntgen, Gott sei Dank ist nichts gebrochen.

Robert

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