Monatsarchive: Januar 1999

Offener Brief an Mag. Christian Glaner von Hans Unterguggenberger

12. Jänner 1999: Brief von Hans Unterguggenberger an Mag. Christian Glaner über das Ende von Carolin Dietmann, einer der talentiertesten Fahrerinnen, die der ÖRV je hatte

Lieber Sportfreund Christian!

Beiliegend die besagten Kopien; leider konnte ich nicht mehr Ergebnisse auftreiben, da Frau Dietmann alle Unterlagen bei sich hatte und dieselben mit ihr verschwunden sind.

Wie du ja gesehen hast, hat der Frauenreferent, dessen Aufgabe es ja sein sollte, alle Fahrerinnen gleichermaßen zu vertreten, Frau Dietmann aus zwei Ergebnislisten des SEMPERIT-Frauen-Cups ´98 eliminiert, wodurch ihr der 2. Platz in der Einzelgesamtwertung verloren ging (daß0 dadurch seine Freundin Ingrid Dullnig auf Platz 3 vorrückte, dürfte ihm zumindest nicht unangenehm gewesen sein).

Dies ist die eine Sache, die Frau Dietmann persönlich betrifft. Die andere ist die Tatsache, daß unser Verein des 3. mit 500.- Schilling dotierten Mannschaftsplatzes in o.g. Bewerb verlustig ging, welch Umstand unser Vereinsmitglied, RA Dr. Norbert Wolf, veranlaßte, uns rechtliche Schritte zu empfehlen.

Ich kann nur vermuten, daß der Herr Frauenreferent diese Rochade aufgrund einer von ihm angenommenen nichtösterreichischen Staatsbürgerschaft unserer Fahrerin vorgenommen hat, obwohl ihm dezidiert das Gegenteil versichert wurde.

Wie ich dir schon erzählt hatte, verlangte er am 12.9.´98 in Telfs anläßlich der Tiroler Zeitfahrmeisterschaft einen Personalausweis oder etwas in der Art; dies wurde ihm für den nächsten Tag – zumal er von sich aus für diesen Zeitpunkt ein, wie er es formulierte, „Zusammensetzen“ vorschlug – auch zugesagt.

Am nächsten Tag bei der Tiroler Bergmeisterschaft in Mayrhofen war allerdings der Herr Frauenreferent nicht anwesend. Dieses Verhalten wundert mich, nachträglich besehen, nicht mehr, da er einerseits das „Zusammensetzen“ unmittelbar nach dem Zieleinlauf seiner Freundin Dullnig vorschlug, in einem Moment, in dem er noch nichts von der Disqualifikation derselben wegen kilometerlangen Windschattenfahrens – im Begleitfahrzeug übrigens der Herr Frauenreferent persönlich – wußte (die Beschreibung des auf die Disqualifikation folgenden Feilschens seinerseits mit Herrn Baumann Harald und Komm. Hundegger – 10 Strafsekunden, 20 Strafsekunden, Totaldisqualifikation etc. würde wohl den Rahmen dieses Schreibens sprengen), er also für den nächsten Tag eine ähnlich inferiore Leistung seines Schützlings befürchten mußte und er andererseits damit zu rechnen hatte, daß die von ihm in meinem Beisein Frau Dietmann anläßlich des Zeitfahrens in Linz/Ebelsberg mit den Worten „im Zeitfahren auf alle Fälle“ gemachte Zusage einer Teilnahme an der Juniorinnen-WM ´98 von mir eingemahnt werden würde (ich war leider so naiv, seinen wie Herrn Oszvold´s Versprechungen zu vertrauen – diesen kontaktierte ich bereits im März ´98, wobei er mir den Rat gab, mit Frau Dietmann möglichst viele Auslandsrennen – am besten Deutsche Bundesliga – zu absolvieren).

Die – durchwegs guten – Ergebnisse, die dem Herrn Frauenreferenten teils persönlich, teils am Postweg zugegangen sind, scheinen sich ebenso in Luft aufgelöst zu haben wie jenes Schreiben von Frau Dietmann vom 9.9.´98 (Beilage 1), in dem sie ihre bis zu diesem Zeitpunkt erzielten Erfolge auflistete mit dem Ersuchen, ihr über eine WM-Teilnahme Bescheid zu sagen.

Daß diese Schriftstücke allesamt in der gut funktionierenden Reuse des Herrn Frauenreferenten hängengeblieben sein dürften (sonst hättest du als hoher ÖRV-Funktionär ja etwas davon wissen müssen), ist aus seiner Sicht schlicht verständlich, da die Formkurve seiner Freundin im Laufe des Jahres ´98 steil nach unten verlief – im Frühjahr´98 war ja noch ihre WM-Teilnahme als sicher bezeichnet worden (Beilage 2) – und er sich wahrscheinlich sagte – wenn schon die Ingrid nicht, dann auch keine andere.

Daß im Bericht des Frauenreferenten für ´98 mit keinem Wort auf Frau Dietmann, einem der größten Talente, das dem österreichischen Radsport bislang erwuchs, eingegangen wird, wohl aber en detail auf die m. E. für den österreichischen Sport beschämenden und nur durch das vorzeitige Ausscheiden wegen Karenzzeitüberschreitung an der Zahl gemilderten Plazierungen seiner Freundin bei der Tour de France feminin, spricht wohl für sich und bedarf keines weiteren Kommentars – doch paßt es ganz gut in das Erscheinungsbild dieses Mannes, daß er bei der einzigen international relevanten Frauenrundfahrt in Österreich durch Abwesenheit glänzte (Urlaub mit seiner Freundin in Frankreich), ebenso die Tatsache, daß er einerseits den 14. Platz von Frau Andrea Graus (die übrigens auch durch unserfen Verein entdeckt wurde und dann durch diverse Versprechungen eines gewissen Herrn Adelt – auf den ich noch zu sprechen komme – abgeworben wurde), beim Nürnberger Altstadtrennen erwähnt, nicht aber den Umstand, daß der Rest der österreichischen Teilnehmerinnen auf dem 10mal zu durchfahrenden 5-km-Kurs überrundet und vom Führungsfahrzeug angehalten wurde, um den Weg für die Spitze freizumachen, und schon gar nicht, daß Frau Dietmann in der Juniorinnenwertung (dieselben fuhren gemeinsam mit der männl. Klasse) den 2. Platz errang.

Dies würde ebenso die perverse Homogenität seines Berichtes stark beeinträchtigen wie eine mögliche Erwähnung der 18 Auslandsrennen, die dieselbe ´98 bestritt, die den Formulierungen des Punktes 5 B seines abstrusen Jammerkataloges ad absurdum führen würden.

Daß der sich bei der „Berichtigung“ der Ergebnisse der Österreichischen Straßenmeisterschaft nicht durch das offizielle ÖRV-Ergebnis (siehe Meisterschafts-Plazierungen ´98) gestört fühlt, zeigt nur eine weitere Facette dieses kompetenten Mannes.

Soweit es das vorhin Gesagte betrifft, bitte ich Dich, bei der nächsten Sportausschuß-Sitzung die Korrektur dieses Berichtes zu veranlassen – also Frauenliste Stand 5.10.´98, wie sie mir von Frau Binder übermittelt wurde – Beilage 3 – ebenso eine den Tatsachen entsprechende Vereinsliste betreff. Semperit-Frauen-Cup ´98 (wobei es mir, wie ich Dir schon in Wien sagte, nicht um die 500.- Schilling Preisgeld für den Verein geht).

Zwei Dinge sind es noch, die mir doch geeignet erscheinen, die Inkonsequenz und scheuklappenartige Inkompetenz des Frauenreferenten zu präzisieren:

1.) Nehmen wir einmal an, er wäre von der nichtösterreichischen Staatsbürgerschaft Dietmann´s so überzeugt, daß er aus eigener Machtvollkommenheit ein Staatsmeisterschaftsergebnis zugunsten seiner Vereinsschützlinge Brigitte Krebs und Ingrid Dullnig (nach seiner Version jetzt Silber- und Bronzemedaille) verändert.

Warum hat er dann nicht

a.) das Barpreisgeld nebst Medaille für den 2. Platz zurückgefordert?

b.) alle Ergebnisse des Semperit-Frauen-Cups ´98 annulliert, da doch in der Ausschreibung desselben die Bestimmung enthalten ist, daß nur österreichische Fahrerinnen gewertet werden?

c.) in weiterer Folge die Berichtigung der Preisgeldverteilung im Zuge seiner eigenmächtigen Ranglistenumgestaltung für die Gesamtwertung verlangt?

d.) unseren Verein bezüglich der von ihm manipulierten Ergebnislisten kontaktiert?

2.) Bleiben wir bei seiner „Überzeugung“:

jeder Funktionär, egal welchen Sportzweiges in Östwerreich, würde alles in seiner Macht Stehende unternehmen, um so ein Talent wie Frau Dietmann für den österreichischen Sport zu gewinnen (siehe Botwinow, die diversen Emese´s etc.) und nicht mit allen Mitteln versuchen, dasselbe aus dem ohnehin darniederliegenden österreichischen Frauenradsport zu desintegrieren.

Wie ich inzwischen in Erfahrung bringen konnte, gebar die Hypothese der nichtösterreichischen Staatsbürgerschaft ein Herr Adelt (daß derselbe auch Mitglied eines UNION-Vereines ist, ist bei der Berücksichtigung seiner Wesensart mehr als bedauerlich und von Herrn Baumann Harald zu verantworten; daß weltanschauliche Aspekte bei seiner Vereinsgründung keine Rolle gespielt haben können, mag die mir von Herrn Baumann Harald erzählte Gründungsgeschichte seines Vereines zu dokumentieren; was derselbe wahrscheinlich nicht wußte, war die vorausgegangene nachdrückliche Ausladung aus der Mountainbike-Szene, in die er sich vor Beginn seiner Damensport-Aktivitäten einzunisten versucht hatte.

Dieser Herr Adelt, m.E. ein Trittbrettfahrer par excellence, der schon nach der kurz erwähnten Abwerbung unserer Fahrerin Graus auch auf Frau Dietmann ein begehrliches Auge geworfen hatte, wobei ich ihm riet, seine Finger (das Epitheton könnte mir als Beleidigung ausgelegt werden, daher lasse ich es weg) von ihr zu lassen, da ich ihr keinen sozialen Abstieg zumuten könnte, ließ seitdem keine noch so kleine Gelegenheit aus (detaillierte Schilderungen von diversen Rennen können beigebracht werden) ihr seine tiefe Abneigung zu demonstrieren.

Das alles, könnte man mir vorwerfen, hätte ich mir nur eingebildet; dann möge man die Lektüre des TT-Artikels vom 10.9.´98 zur Hand nehmen (Beilage 5), den Herr Adelt nach mehreren vergeblichen Versuchen, der o.z. Zeitung unterzujubeln gelungen war.

Herr Ullmann, den ich persönlich sehr schätze, als Artikelverantwortlicher daraufhin von mir angesprochen, sagte mir, daß Herr Adelt den Namen Dietmann mit keinem Wort erwähnt hatte, er jetzt das erste Mal durch mich von ihr höre.

Herr Adelt konnte sich der Wirkung seines Geschreibsels auf unsere Fahrerin gewiß sein, obwohl er zu diesem Zeitpunkt genau wußte, daß dieselbe bei jeglichem Rennen mit seinen Fahrerinnen beliebig verfahren konnte.

Ein zwischensein zeitlicher Höhepunkt waren aber auch die Ereignisse in Deutschlandsberg im August ´98, die Du aus Beilage 6 nachzuvollziehen in der Lage sein wirst.

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht definitiv wissen, daß Herr Adelt die Zurückbehaltung der Lizenz angeordnet hatte, ebenswo wie ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Besitz eines ein medizinisches Problem betreffenden Artikels betr. prämenstruellem Syndrom (Beilage 7) war. Die Erwähnung dieses Syndroms wurde von Herrn Adelt mit der rüden Aufforderung der Beibringung eines ärztlichen Attestes quittiert.

Die eventuell doch zu erwartende Stellungnahme zu diesem Brief ist bis heute nicht bei mir eingegangen.

Daß dieses Syndrom auch berühmteren Fahrerinnen ganz beträchtlich zu schaffen machen kann, magst du aus Beilage 8 ersehen. Übrigens bestritt der Frauenreferent, als ich ihn am 30.8. ´98 in St. Johann/Tirol zufällig traf, auf das heftigste, daß die Fahrerin Luperini an solchen Beschwerden gelitten habe, denn – ich zitiere wörtlich „Das war etwas ganz anderes, wir waren ja live dabei.“ Wobei er mit „wir“ sich selbst und seine Freundin Ingrid Dullnig meinte, wobei ihm klar sein mußte, daß mit „live“ nur der Start zu den ersten Etappen in Frage kommen konnte, weil danach beide mit Luperini wohl keinen näheren Sichtkontakt mehr gehabt haben können. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht gewußt haben dürfte, war, daß ich bereits detaillierte Informationen zum Ablauf der Tour de France feminin hatte.

Hier wollte ich ursprünglich meine Ausführungen beenden; ich denke aber, daß Du über die ganze Kampagne übelster Art nicht nur gegen Frau Dietmann, sondern auch gegen meine Person im Zuge jener infamen Maulwurftätigieit einer oder mehrerer Personen, die bereits im Frühjahr ´98 begann und von mir zunächst nicht besonders beachtet worden war, Bescheid weißt.

Niucht nur, daß ich anonyme Schreiben unflätigsten Inhalts – der Verfasser muß Experte der Fäkalsprache sein – erhielt (pikanterweise immer mit der Anschrift „Familie Unterguggenberger“, sodaß meine Ex-Gattin dieselben manchmal zuerst öffnete, was ja wohl im Sinne des Absenders lag, wobei er jedoch nicht wissen konnte, daß der Inhalt jener Schreiben ihr nur mehr ein müdes Lächeln entlocken würde) – nein, auch Frau Dietmann erhielt solch zotige Ergüsse mit leicht abgewandeltem Inhalt zugesandt – und da hört sich m. E. der Spaß auf – nicht etwa an ihre Wohnanschrift, sondern an ihre Schule; das Weitere kannst Du Dir leicht ausmalen. Siehe Beilagen 9 und 10.

Den Gipfel der Frechheit erklommen der oder die anonymen Schreiber aber mit der durch eine Postkarte, versehen mit meiner gefälschten Unterschrift, dem „Radsport am Bodensee“, einem weit verbreiteten einschlägigen Magazin, übermittelten Heiratsanzeige betreffend Frau Dietmann und mich (siehe Beilage 11).

Nicht nur, daß man mich als alten Bock titulierte – wieder anonym – und mich so zu einem Schritt mit dem entsprechenden Untertoten beglückwünschte, erlitt Frau Dietmann, als sie diese fingierte Heiratsanzeige zu Gesicht bekam, einen Nervenzusammenbruch, dessen allgemeine Folgen ich als bekannt voraussetzen darf.

Diesmal beschritt ich den Rechtsweg, siehe Beilagen 12, 13 und 14.

Man fragt sich nun normalerweise „Wem nützt es?“, ich aber frage mich „wem hat es genützt?“

Und hier sind nach meinem Verständnis die Konnotationen eindeutig, aber nicht zu beweisen. Ähnliches wird auch Frau Dietmann gedacht haben, als sie mir sämtliche Radutensilien einschließlich einer 85.000.- Schilling teuren Maßzeitfahrmaschine vor die Füße warf mit den Worten: „Jetzt kann die Krebs wieder ihre Zeitfahren gewinnen, der Adelt wird endlich einen Tiroler Meister ergattern, die Dullnig rückt auch einen Platz vor und die Baumgartner braucht um ihren 27. Rang bei der Steiermark-Rundfahrt nächstes Jahr nicht zu zittern.“

Womit sie wohl meinte, jetzt sei die festgefügte Hackordnung im österreichischen Frauenstall wiederhergestellt. Was dann folgte, ist hier nicht wiederzugeben, mit Ausnahme der Fidschi-Inseln (Du erinnerst Dich sicher noch).

Die Reaktion auf die Nicht-Entsendung von Frau Dietmann zur WM ´98, die den ÖRV keinen Groschen gekostet hätte, magst du aus zwei Beispielen der heimischen Presse ersehen (Beilage 15/16). Übrigens haben mit dem von gewisser Seite sicherlich mit Erleichterung aufgenommenen Abgang von Frau Dietmann die anonymen Schreiben aufgehört.

Damit ist für mich mit Ausnahme der Berichtigung der Ergebnisse, wofür einzusetzen ich Dich bitte, die Causa abgeschlossen, wobei mir noch die eher geringe Hoffnung bleibt, daß Totengräber jeder Art im Österreichischen Damenradsport möglichst bald neutralisiert werden.

Bleibt mir noch, Dir und Deiner Familie alles erdenklich Gute zu wünschen und mit herzlichen Grüßen zu zeichnen.